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“Die Sonne weiß, wann sie untergeht …”


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Allgemein, Kino am 1.Mai 2007

Psalm 104, 19f.
Gerade gesehen: Thomas über “Sunshine”

Danny Boyle gehört mittlerweile zu den Regisseuren, deren Filme man nicht verpassen will. Das verdankt er “Trainspotting” (1996), “The Beach” (2000) und dem sehr beeindruckenden Horrormeisterstück “28 Days later”. “Beach”-Autor Alex Garland hatte zu letzterem auch das Drehbuch beigesteuert. Und jetzt präsentieren uns Boyle und Garland also einen Science Fiction-Film im Großformat. Haben sich die beiden damit einen Platz an der Sonne verdient oder nur die Finger verbrannt?

Was wäre, wenn der Sonne der Saft ausginge? Garland war auf diese Frage bereits 2004 in einem Wissenschaftsmagazin gestoßen. Und wissenschaftlich korrekt versucht der Film zu sein, zumindest im direkten Vergleich zu anderen Vertretern des Genres. Das bestätigt auch Astrophysiker Dr. Alexander Warmuth im ARD.de-Interview. Überhaupt lautet das Design-Motto ganz offensichtlich NASA statt Star Wars/Star Trek. Das Produktionsdesign macht wirklich Laune – da hat sich Boyle an den richtigen Vorbildern orientiert.

Zur Story: Die letzte Hoffnung der Menschen, einem Tod im kommenden solaren Winter zu entgehen, ist ein Raumschiff: die Icarus II. Die internationale siebenköpfige Crew unter Führung von Kapitän Kaneda soll eine Sprengladung zur Sonne bringen, um den Stern wieder zu entzünden.


Drehbuchautor Garland ging es dabei um die Frage, wie die Mannschaft mit der Verantwortung klar kommt, das Überleben der ganzen Menschheit zu ermöglichen. Und wie die Astronauten damit umgehen, im Laufe der Mission wahrscheinlich ihr Leben zu verlieren.

Einige wirken kontrolliert und handeln professionell, anderen gehen die Nerven durch. Schiffsarzt Searle dagegen genießt die Stunden im Sonnenobservatorium – es ist eines der vielen schönen Details des Films, dass Searle im Laufe der Handlung immer deutlichere Spuren von Sonnenbrand aufweist. Spannung kommt auf, nachdem der Funkkontakt abgebrochen ist und die Mannschaft tatsächlich alleine da steht. Denn sie erhalten ein Funksignal eines anderen Schiffes – den Notruf der verschollenen Icarus I. Wie in “Alien” ändern sie den Kurs und setzen damit eine Kette von tragischen Ereignissen in Gang, denn ein Astronaut begeht einen dämlichen (und unrealistisch anmutenden) Fehler, andere opfern ihr Leben, um die Mission zu retten. Aber das ist bevor der Sauerstoff knapp wird und bevor etwas Unheimliches danach trachtet, die Crew und die Mission aufzuhalten:

Computer: Warning. You are dying.
Capa: We have remaining oxygen to keep four crew alive.
Computer: Affirmative.
Capa: There are only four crew members.
Computer: Negative. Five crewmembers.
Capa: Who’s the fifth crewmember?
Computer: Unknown.

Der Film hat eine Menge lichter Momente. Aber schließlich kann er am Ende nicht halten, was er am Anfang verspricht. Während in anderen Filmen in der zweiten Hälfte noch einmal richtig die Sonne aufgeht, wird es handlungslogisch in “Sunshine” zappenduster. Aber ganz ehrlich: Das ist mir im Kino vor lauter klaustrophobischen Kameraeinstellungen in sonnenfesten Raumanzügen und gleißenden Sonnenfeuern und bedrohlichen Soundeffekten bereits völlig egal. Boyle lässt uns im Kinosaal zu blinzelnden Sonnenanbetern mutieren, die dem goldenen, solaren Showdown entgegenfiebern.

Da fällt erst im nächtlichen Dunkel vor dem Kino auf, dass der Film mehr hätte sein können als ein optisches Feuerwerk mit überzeugenden Schauspielern und überdurchschnittlichem Soundtrack. Aber zum Meisterwerk hat es bei Drehbuchautor Garland diesmal noch nicht gereicht. Sei`s drum. Ich würde sofort wieder ins Kino gehen, wenn es wieder heißt: Der Letzte macht das Licht an. Dann aber mit Sonnenbrille.


Wer noch mehr Sonne haben will: Die NASA zeigt 3D-Bilder der Sonne.
Die offizielle Filmhomepage zum Stöbern.
“Rauschhafte Szenen” hat der Abspannsitzenbleiber entdeckt.
Schlecht weggekommen ist “Sunshine” bei den Fünf Filmfreunden.
Schön, dass es solche Filme noch gibt, findet Oliver Naujoks.
Begeistert ist Carlos Gerstenhauer.

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3 Kommentare “Die Sonne weiß, wann sie untergeht …” Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Allgemein, Kino am 01.05.2007

3 Kommentare
  1. Hendrik 2.Mai 2007

    … danke für den Tip, wer denkt sonst schon daran, die Sonnenbrille mit ins Kino zu nehmen. Ansonsten erinnert mich der Kern des Ganzen (Raumschiff auf einem möglichen Selbstmordkommando auf dem Weg zur Sonne, um die Erde zu retten…) doch relativ stark an Sarafian’s “Starfire” von 1990, der allerdings mit allzu hohem Spannungsschutzfaktor daherkommt. Werde mir “Sunshine” also mal vormerken, denn insgesamt gibt’s ja aktuell nicht viel Erhellendes im Bereich der SF.

  2. thomas meirich 3.Mai 2007

    Vor dem Kino: Endlich mal wieder SCIENCE Fiction mit wirklichkeitsnahem Anspruch, kein kosmischer Knall-Comic. Im Kino: Schiere Bildgewalt! Ein Big-Screen-Sonnenbad, das mit rasantem Tempo und viel Action über Story-Brüche und holprige Figurenzeichnungen hinwegsurft. Nach dem Kino: Viel gewollt, zu kurz geworfen: Der allerletzten Hoffnung der Menschheit unterlaufen nicht solche dämlichen Fehler, no, never. Besonders ärgerlich: Statt “Magical Mystery Tour” nur ein verwirrter Mutant (gähn, schon wieder…) und ein plakativ versemmelter Schluss. Daheim, dann: Im Kino gern gesehen, muss man aber nicht auf Scheibe haben…

  3. Hendrik 26.Mai 2009

    Being Boyled, oder: 28 Light Years Later: Nach langer Zeit kam ich jetzt doch erst auf dem Silberling dazu, mir das Ganze anzusehen, und meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Als SF ist das Ganze zwar auf teilweise soliden wissenschaftlichen Prämissen aufgebaut, auch Design und Schauspielerzusammenstellung sind vielversprechend, aber was dann an Elementen herangezogen wird, um eine Spannungskurve in Gang zu kriegen, ist schlichtweg trivialer (weil nie plausibel begründeter) Schwachfug und zudem (in Bezug auf den Schlusskampf mit dem Mutanten) ein Ausflug in das völlig falsche Genre. Die diversen filmischen Anleihen bei Kollegen des Genres (von 2001 bis Event Horizon) sind ganz reizvoll; schade, dass der Film keinen Eindruck schafft, der diese Anleihen hätte als aus souveräner Hand eingefügte Hommage in kompetentem Rahmen erscheinen lassen. So wirkt es doch etwas zusammengestoppelt und verzweiflungsgeklaut. Im Endeffekt und trotz einiger cooler Lichteffekte hochpoliertes Mittelmaß.

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