Vom Ärger am Ende des Tunnels: “Krieg der Seelen”, der neue Roman von Iain Banks
Ein Beitrag von Hendrik, abgelegt unter Buch am 16.Mai 2012
Hendrik taucht ein in den neuesten Kultur-Roman von Iain Banks, „Krieg der Seelen“ (Surface Detail)

Es ist – ein weiteres Mal – ein bisschen komplizierter als ein simpler Kampf Gut-gegen-Böse, obgleich es doch um die Existenz von Himmeln und Höllen (vor allem Letztere) geht, und das ist schließlich eines der ältesten und vertrautesten Gut-gegen-Böses, das wir kennen.
Stellen wir uns vor, irgendwann in ferner Zukunft würden wir beginnen, unsere archaischen Jenseitsvorstellungen in Form virtueller Realitäten betretbare Gestalt annehmen zu lassen – zu einer Zeit, zu der Bewusstseinsinhalte, Identitäten (und/oder meinetwegen auch ‘Seelen’) gespeichert und kopiert werden können. Stellen wir uns ferner vor, wir wären nur eine von einer Unzahl von Zivilisationen und Rassen in einem Universum voller Wunder: gigantischer Ringhabitate im Orbit von Großplaneten, stadtgroßer intelligenter Raumschiffe mit eigener Persönlichkeit, schier unglaublicher technischer Möglichkeiten und individueller Exzentrizitäten. Dann haben wir einen ersten Eindruck von diesem Teil des Kultur-Universums von Iain Banks, in dem schon einige seiner Romane gespielt haben, und von dem wir immerhin schonmal wissen: es ist immer noch ein bisschen größer und unglaublicher als alles, worauf wir selbst gekommen wären. Aber passt zu einer solchen Welt die Idee, noch an so etwas Antiquiertes wie eine Hölle zu glauben? Hier schon:
„Die Höllen existierten, weil manche Glaubensrichtungen auf ihnen bestanden, wie auch manche Gesellschaften, selbst ohne den Vorwand übertriebener Religiosität.
Ob nun als Resultat einer zu getreuen Übertragung schriftlicher Überlieferung in konkrete Aktualität oder schlicht auf der Grundlage eines säkularen Bedürfnisses, auch weiterhin jene zu bestrafen, die Strafe verdienten, selbst nach ihrem Tod: Einige ansonsten sehr respektable Zivilisationen hatten im Lauf der Äonen eindrucksvolle Höllen konstruiert, die nur selten mit anderen Jenseits-Versionen verbunden waren, ob höllischer Natur oder nicht, und unter strenger Beobachtung standen. Für gewöhnlich dienten sie nur dazu, den Schmerz der Leidenden mit Mitteln zu erhöhen, die ihren eigenen Völkern nicht eingefallen waren, oder die alten Methoden nicht von den vertrauten Dämonen, sondern von extra-scheußlichen anwenden zu lassen.
Ganz langsam, vielleicht wegen der zufälligen Mischung der verschiedenen daran beteiligten Zivilisationen, entstand eine Art Netzwerk von Höllen, noch immer nur teilweise verbunden und mit Wechselwirkungen, die einer strengen Kontrolle unterlagen, und die Nachricht von ihrer Existenz und Beschaffenheit zog immer weitere Kreise.
Mit der Zeit ergab sich Ärger daraus.“ [S. 172]
In den sich mehr und mehr anbahnenden Konflikt zwischen Höllen-Befürwortern und Höllen-Gegnern sind einige Charaktere geworfen, die teilweise damit und auch miteinander gar nichts zu tun zu haben scheinen. Ein stinkreicher Perversling misshandelt weiterlesen


Zweiter Band aus der Serie “Tausendundein Buch”.








