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“District 9″: Kino wie Katzenfutter


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 14.September 2009

Die üblichen Verdächtigen kommen aus “District 9″ und sind zwar begeistert – aber auch nicht unkritisch:

 
 Realistischer SF-Actioner [5:54m]: Play Now | Download

Wir alle warten auf große SF-Filmmeilensteine wie “Alien” oder “Blade Runner”. Neil Bomkamps “District 9″ sah nach den Trailern aus, als hätte er das Zeug dazu. Optisch hat er alle Versprechen gehalten – das realistischste Produktionsdesign, die glaubwürdigsten Animatronics und CGIs, die ich jemals gesehen habe. Und er wartet mit einer ambitionierten Geschichte auf:

Außerirdische sind mit ihrem Raumschiff über Johannesburg gestrandet. Unterernährt und antriebslos werden sie in einem Ghetto untergebracht, eingesperrt. Nach zwanzig Jahren sollen sie aus dem District 9 evakuiert und in ein neues Lager umgesiedelt werden. Aber bei der Evakuierung gerät einiges außer Kontrolle …

© 2009 Sony Pictures Releasing GmbH

Blomkamp erzählt seine Geschichte mit Elementen des Dokumentarfilms vor einem sozialkritischen Hintergrund – die politischen Töne um Apartheid, Ausgrenzung, Angst hätten durchaus noch schärfer ausfallen dürfen. Seine Figuren bleiben leider ohne Tiefe und ihr Schicksal kann uns deshalb nie wirklich intensiv berühren. Das ist vielleicht die entscheidende Schwäche des Films.

Auf der Haben-Seite stehen neben der tricktechnischen Perfektion und der wunderbaren Kameraführung vor allem die Liebe zu den unzähligen Details: z.B. die UN-weißen Fahrzeuge des privaten Militärs inklusive weißgestrichener Gewehre.

Dass Jackson und Blomkamp ihren Rundgang durch die SF-Filmgeschichte hinter sich haben, zeigt sich an einer Fülle von Zitaten – das reicht von “Starship Troopers”, “Independence Day”, “Aliens” über “Minority Report” bis zur “Fliege”. Dabei sind die meisten Anspielungen angenehm beiläufig. Blomkamp hat es schon im ersten großen Film nicht nötig, einen auf dicke Hose zu machen.

Pluspunkt auch, dass der Film sehr viele Fragen offen lässt – das ist allemal besser als dämliche Antworten zu geben und unglaubwürdige Auflösungen zu konstruieren. Ich freue mich schon auf die DVD und hoffentlich bergeweise Bonusmaterial. Denn auch wenn er die Kurve zum Meisterwerk nicht bekommen hat, ist er doch gute Unterhaltung mit atemberaubender Optik. Und man muss ihn nicht mit aktuellem Hochglanz-Abfall wie “Transformers 2″ vergleichen, um ihn hoch einzuschätzen. Fazit: sehr sehenswert.

Links

Björn Becher erklärt in seiner sehr informativen Kritik:

“Newcomer Neill Blomkamp gelingt das Kunststück, einen erstklassigen Sci-Fi-Actioner abzuliefern, der als Unterhaltungsfilm genauso funktioniert wie als klares politisches Plädoyer.”

Auch den Fünf Filmfreunden können wir uns anschließen:

“Blomkamp hat es wirklich geschafft, aus seinem Kurzfilm eine spannende, actionreiche und dabei überraschend anspruchsvolle SciFi-Story zu machen, deren grimmiger schwarzer Humor auch die kleineren Rückgriffe auf Genreklischees verschmerzen lässt.”

Flo sieht Stärken und Schwächen, urteilt dann aber milde:

“Insofern ist Blomkamp vielleicht nicht unbedingt ein Meisterwerk gelungen, aber den überzeugendsten Actionfilm des Sommers kann man sicherlich ohne größere Probleme in dem Science-Fiction-Actioner ausmachen.”

Thomas Groh weist auf die Schwächen des Films und hat einen Vorschlag, dem wir uns alle nur anschließen können:

“Eine sorgfältige Adaption durch das US-Fernsehen, das den öden Actionballast als solchen über Bord wirft und den kaum ausgeschöpften Stoff vielleicht sogar im Stil von “The Wire” als Möglichkeit zu einer soziologischen SF-Studie zu nutzen versteht, deren Welt eben nicht unter Getöse wieder auseinander fällt, eine solche Serie also wäre zweifellos atemberaubend gut.”

Marcus findet:

“Ganz nebenbei widerlegt Blomkamps intelligenter SciFi-Thriller alle Skeptiker, die glaubten, Actionfilme müssten zwangsläufig hohl und reaktionär sein.”

Und Asokan merkt an:

“Aber, und das ist ein Einwand, der den Fanboys nicht gefallen wird: der durchweg temporeiche, aber seltsam einfallsarme District 9 weiß nicht viel mit der konzeptionell interessanten, visuell atemberaubenden Welt anzufangen, in die er den Zuschauer durchaus gekonnt transportiert.”

Auf die Kritik von Christian Hellwig warten wir noch Christian erklärt Hintergründe zum Film, eine Übersicht gibt es wie immer bei film-zeit und moviepilot.

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Tags:Aliens, Neill Blomkamp, Peter Jackson, Science-Fiction, Thomas

2 Kommentare “District 9″: Kino wie Katzenfutter Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 14.09.2009

2 Kommentare
  1. C.H. 14.September 2009

    Habt ihr echt nach Sichtung des Trailers einen Meilenstein des SF-Films vermutet? Das kann ich von mir nicht behaupten. Ich erwarte einen gehobenen Vertreter des Genres und euer Podcast verspricht ja auch genau das. Bin gespannt, aber vorher werde ich mir wohl Von Triers “Antichrist” “gönnen”. ;-)

  2. Thomas 15.September 2009

    Ja, ich hatte wirklich die Hoffnung, dass “District 9″ mehr wird als nur “sehr sehenswert” – was einfach auch daran liegt, dass ich seit “Andromeda Strain” eine besondere Vorliebe habe für realistische Elemente im SF-Film. Nach “Antichrist” kommt Dir D9 wahrscheinlich wie ein Kinderfilm vor :-) Wir werden ja bei Dir lesen, warum sich “Antichrist” lohnt – oder auch nicht.

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