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	<itunes:author>Thomas Laufersweiler</itunes:author>
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		<title>Über Romananfänge: Die Dichtung ist eine Fortsetzung der Wirklichkeit mit anderen Mitteln</title>
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		<pubDate>Sun, 12 May 2013 07:41:54 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Dritter und letzter Teil Manche Anfänge machen Schule Mark Twains „Huckleberry Finn“ sind einige literarische Kinder und Kindeskinder gefolgt. Unter vielen anderen haben sich Salinger, Plenzdorf und Kracht vor Twain verbeugt und die Sprache ihrer jugendlichen Erzähler dem Stil Hucks nachempfunden: „Ihr wisst noch nichts von mir, wenn ihr nicht ein Buch gelesen habt, das [...]]]></description>
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Manche Anfänge machen Schule
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		<itunes:summary>Dritter und letzter Teil

Manche Anfänge machen Schule
Mark Twains „Huckleberry Finn“ sind einige literarische Kinder und Kindeskinder gefolgt. Unter vielen anderen haben sich Salinger, Plenzdorf und Kracht vor Twain verbeugt und die Sprache ihrer jugendlichen Erzähler dem Stil Hucks nachempfunden:
„Ihr wisst noch nichts von mir, wenn ihr nicht ein Buch gelesen habt, das sich „Tom Sawyers Abenteuer“ nennt, aber das macht nichts.“
(so beginnt Twains Klassiker)
„Falls Sie wirklich meine Geschichte hören wollen, so möchten Sie wahrscheinlich vor allem wissen, wo ich geboren wurde und wie ich meine verflixte Kindheit verbrachte, und was meine Eltern taten, bevor sie mit mir beschäftigt waren, und was es sonst noch an David-Copperfield-Zeug zu erzählen gäbe, aber ich habe keine Lust, das alles zu erzählen.“
(das lässt Salinger in einem im Vergleich zu Twain weniger gut gelaunten, nicht so aufgeräumten Ton, seinen Protagonisten Holden sagen). Plenzdorf orientiert sich in seinem Roman „Die neuen Leiden des jungen W.“ natürlich an Goethes „Werther“, aber sprachlich nicht zu Beginn, aber im Verlauf des Romans vor allem auch an Salingers Holden: 
„Alle Bücher kann kein Mensch lesen, nicht mal alle sehr guten. Folglich konzentrierte ich mich auf zwei. Sowieso sind meiner Meinung nach in jedem Buch fast alle Bücher. Ich weiß nicht, ob mich einer versteht.“
Als ich in der Schulzeit Salinger und Plenzdorf las und zuvor schon den Huck Finn kannte, gab mir das zum ersten Mal ein Gefühl für Zusammenhänge und eine Folge in der Literatur. Ich erkannte, dass kein Autor allein steht, wie ich bisher wohl dachte, sondern an unsichtbaren Fäden mit vielen anderen verknüpft ist, ja dass manche Schriftsteller über die Zeiten hinweg Bündnisse oder eine Art Familie bilden, die aus dem gleichen Geist lebt. Es war der erste Schritt in das Haus der Literatur, während ich zuvor nur einzelnen Bewohnern begegnet war.
„Also, es fängt damit an, dass ich bei Fisch-Gosch in List auf Sylt stehe und ein Jever aus der Flasche trinke.“
So greift schließlich der Schweizer Christian Kracht den Tonfall der Vorgänger auf, 1995, in seinem Buch „Faserland“, der sich ebenfalls wie die Vorgänger um die Probleme eines Heranwachsenden dreht.
Graham Greenes Roman „Das Ende einer Affäre“ verlangt vom Leser nicht nur, dass er seinen Unglauben vorübergehend fallen lässt, sondern verlangt sogar, wie der Literaturwissenschaftler Michael Gorra in seinem Vorwort zur Penguin-Classics-Ausgabe festgestellt hat, dass er glaubt und zwar an Wunder im katholischen Sinn glaubt. Und zugleich ist dieser Roman voll religiöser Implikationen eine einzige Blasphemie, eine Herausforderung jedes traditionell Gläubigen.
Eine reale Liebesbeziehung, die er selbst eingegangen war &#8211; zu der Society-Lady Catherine Walston &#8211; nahm Greene als Grundlage des Romans. Einer von Greenes Biografen vermutete, dass er sogar ihre Tagebücher, die sie ihm überlassen hatte, für das Tagebuch der Hauptfigur Sarah Miles, die eindruckvollste Passage des Buches, verwendete. Der Roman beginnt mit einem Satz, der wie ein Kommentar zu meinen vorherigen Überlegungen klingt:
„Eine Geschichte hat weder Anfang noch Ende: Willkürlich wählt man den Moment, von dem aus man ein Erlebnis rückschauend betrachtet oder sich vorstellt, wie es weitergeht.“
Dieser Satz über die angebliche „Willkürlichkeit“ des Beginns einer Geschichte war Greenes unwillkürlicher Einstieg. Greene hatte keine Wahl, er lässt nur seinen Ich-Erzähler Maurice Bendrix, einen Schriftsteller, behaupten, er „wähle tatsächlich, allein weil ich es will, jenen nassen, schwarzen Januarabend 1946“, um kurz darauf nach einem Gedankenstrich allerdings anzumerken: „- oder haben diese Bilder mich ausgesucht?“.
Wie Greenes Affäre mit Catherine Walston vor der Niederschrift des Romans begann, ihm Nahrung gab und danach noch andauerte, so scheint die Affäre zwischen Maurice Bendrix und Sarah Miles tatsächlich weder Anfang noch Ende zu kennen. Sarahs Wirkung entfaltet [...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Thomas Laufersweiler</itunes:author>
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		<title>&#8220;Iron Man 3&#8243;: Mann ohne Rüstung, nicht ohne Eigenschaften</title>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2013 23:07:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie stellt man es an, dass der dritte Iron Man einen neuen Weg geht? Richtig, man zieht ihm die Rüstung aus. Denn die Frage, was dann übrig bleibt, ist ja seit &#8220;The Avengers&#8221; offen. Tony Stark ist ohnehin angezählt von den Ereignissen in &#8220;The Avengers&#8221;, von den Außerirdischen, vom Wurmloch &#8230; und dann legt er [...]]]></description>
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		<itunes:summary>Wie stellt man es an, dass der dritte Iron Man einen neuen Weg geht? Richtig, man zieht ihm die Rüstung aus. Denn die Frage, was dann übrig bleibt, ist ja seit &#8220;The Avengers&#8221; offen. Tony Stark ist ohnehin angezählt von den Ereignissen in &#8220;The Avengers&#8221;, von den Außerirdischen, vom Wurmloch &#8230; und dann legt er sich mit einem Gegner an, dem er vielleicht nicht gewachsen ist. Sehr solider Bubenfilm, der sich gut als Schlussakkord einer Trilogie machen würde. Im Podcast reden die Üblichen Verdächtigen über starke Frauen, MacGyver, Einkaufen im Baumarkt und Rubbellose:

Der Podcast steht unter einer Creative Commons-Lizenz.
Quelle: SchönerDenken
Iron Man 3
USA 2013, 131 Min., Regie: Shane Black

Andere Meinungen
Florian (Symparanekronemoi) hat genau hingeschaut und ist zufrieden:
&#8220;Blacks bissiger Witz kommt perfekt zum Tragen und kaum jemand eignet sich für den Vortrag von Blacks Zeilen besser als Downey Jr. Selbst der zweite Akt und Starks ausgiebige Interaktion mit einem zehnjährigen Jungen gerät so zum amüsanten Fest der Dialoge, aber auch die so namen- wie charakterlosen Handlanger im dritten Akt dürfen einige so grandios-authentische Sätze von sich geben, dass sie fast die vierte Wand durchbrechen.&#8221;
Björn Helbig (kinozeit.de) entdeckt sogar politische Ebenen:
&#8220;Iron Man 3 ist also Popcornkino der besten Sorte – offenbart aber neben der reinen Unterhaltungsebene auch einige durchaus intelligente Ideen: Die Anspielungen auf das amerikanische 9/11-Trauma und die hysterischen Reaktionen auf die terroristische Bedrohung spielen im Film eine wichtige Rolle. Wie auch in der wirklichen Welt geht die größte Gefahr nicht immer von den vermeintlichen Terroristen aus, sondern von den Personen, die es verstehen, aus der Angst der Massen Kapital zu schlagen.&#8221;
Sebastian Moitzheim (Manifest) hat im Detail viel auszusetzen:
&#8220;Für einen nicht gerade kleinen Teil seiner Laufzeit setzt die eigentliche Handlung des Films beinahe aus, zu Gunsten einer überflüssigen, im Grunde ersatzlos streichbaren Spielberg&#8217;schen Vorstadt-Episode, in der Tony Stark gemeinsam mit einem kleinen Jungen seinen Iron Man-Anzug repariert.&#8221;
Florian Breitsameter (SF-Fan.de) schließlich weiß, was unter der Rüstung steckt:
&#8220;Tony Stark legt sich für uns auf die Couch seines Psychiater und erzählt, wie Fehler der Vergangenheit uns einholen und unsere Zukunft gefährden können: »We create our own demons«. Und er erkennt, dass er letztlich vor allem eines sein will: Ein Mechaniker, der Dinge bastelt.&#8221;</itunes:summary>
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		<title>&#8220;Mama&#8221;: Mutterliebe, die über Leichen geht</title>
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		<pubDate>Wed, 01 May 2013 07:29:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zwei Kinder bleiben alleine im Wald zurück, aber da ist etwas, das sie beschützt &#8211; sie nennen es &#8220;Mama&#8221;. Ein klassischer Gruselfilm, sehr gut besetzt und gespielt, mit starker Atmosphäre und gelungener Optik. Aber einem unbefriedigenden Ende. Im Podcast reden die Üblichen Verdächtigen über die große Gefühlsgeige und vergleichen &#8220;Mama&#8221; mit &#8220;The Ring&#8221;, &#8220;Sixth Sense&#8221; [...]]]></description>
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		<itunes:subtitle>Zwei Kinder bleiben alleine im Wald zurück, aber da ist etwas, das sie beschützt &#8211; sie nennen es &#8220;Mama&#8221;. Ein klassischer Gruselfilm, sehr gut besetzt und gespielt, mit starker Atmosphäre und gelungener Optik. Aber einem unbefriedig[...]</itunes:subtitle>
		<itunes:summary>Zwei Kinder bleiben alleine im Wald zurück, aber da ist etwas, das sie beschützt &#8211; sie nennen es &#8220;Mama&#8221;. Ein klassischer Gruselfilm, sehr gut besetzt und gespielt, mit starker Atmosphäre und gelungener Optik. Aber einem unbefriedigenden Ende. Im Podcast reden die Üblichen Verdächtigen über die große Gefühlsgeige und vergleichen &#8220;Mama&#8221; mit &#8220;The Ring&#8221;, &#8220;Sixth Sense&#8221; und &#8220;The Others&#8221;.

Grundlage des Kinofilms ist der Kurzfilm von Andrés Muschietti. Guillermo del Toro hat ihm die Möglichkeit gegeben, die &#8220;ganze&#8221; Geschichte zu erzählen. Mehr noch als der Kurzfilm spielt die Langversion mit vagen Andeutungen und agiert sehr geschmackssicher &#8211; am Ende aber wechselt der Regisseur zu ausgefilmter Geschwätzigkeit und setzt auf Special Effects statt auf Geschmack. Das erste YouTube-Video zeigt den Trailer zum Kinofilm, das zweite Video zeigt den Kurzfilm.
Der Podcast steht unter einer Creative Commons-Lizenz.
Quelle: SchönerDenken
Mama
CAN/ESP 2013, 100 Min., Regie: Andrés Muschietti


Andere Meinung
J!gs4w (Christians Foyer) beklagt fehlende Innovation und ist nicht zufrieden mit den Computereffekten:
&#8220;Ratsamer wäre es da wohl gewesen, auf die Computertrickkiste gänzlich zu verzichten und lieber auf MakeUp und Puppenspieler zu vertrauen. Das CGI ist nicht vollständig schlecht, aber doch weit von dem entfernt, was als überzeugend durchgehen würde und somit für das Auge immer wieder ziemlich störend und die Illusion vernichtend. Ein paar weniger verrenkte Glieder hätten dem Creature-Design da auch nicht geschadet, um der Fleischlichkeit des Geistes mit einer gewissen Entrücktheit oder Absurdität zu begegnen. Das hat schließlich zum Beispiel vor ganzen vierzig Jahren bereits Der Exorzist ganz ohne CG-Firlefanz hinbekommen.&#8221;
Heiko Hartmann (Allesglotzer) schlägt deutlich versöhnlichere Töne an:
&#8220;Mag sein, dass das Ende beinahe schon in Hollywood-Kitsch-Gewässern treibt, aber man bekommt den Sprung und zeigt eine äußerst anrührende Auflösung der Story.&#8221;</itunes:summary>
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		<itunes:author>Thomas Laufersweiler</itunes:author>
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		<title>Über Romananfänge: Wo wir auch beginnen – wir sind in der Mitte</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Apr 2013 07:37:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Goetz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Während Pu noch Pause macht, erzählt uns Götz von berühmten ersten Worten. Zweiter Teil Nach dem ersten Satz ist die Auswahl schon bei weitem nicht mehr so groß. Denn der zweite Satz wird durch den ersten bedingt, sofern man kein Buch allein aus ersten Sätzen schreiben mag, was eine reizvolle Idee wäre. Dem ersten Satz [...]]]></description>
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		<itunes:subtitle>Während Pu noch Pause macht, erzählt uns Götz von berühmten ersten Worten.
Zweiter Teil

Nach dem ersten Satz ist die Auswahl schon bei weitem nicht mehr so groß. Denn der zweite Satz wird durch den ersten bedingt, sofern man kein Buch allein aus er[...]</itunes:subtitle>
		<itunes:summary>Während Pu noch Pause macht, erzählt uns Götz von berühmten ersten Worten.
Zweiter Teil

Nach dem ersten Satz ist die Auswahl schon bei weitem nicht mehr so groß. Denn der zweite Satz wird durch den ersten bedingt, sofern man kein Buch allein aus ersten Sätzen schreiben mag, was eine reizvolle Idee wäre. Dem ersten Satz geht ein Geschehen voraus, von dem der Leser fast immer noch erfahren wird. Er ist insofern eine Ungeheuerlichkeit, weil es in der Realität etwas Vergleichbares selten gibt.
In der Uferlosigkeit des Seins markiert der Autor eine Stelle, von der aus er aufbricht, etwas über dieses Sein zu erfahren. Es ist zunächst eine Erfahrung für ihn ganz allein, an der dann später die Leser teilhaben. Selbst wenn er zu den Autoren gehört, die planen und ihrem Roman ein genau ausgearbeitetes Konzept zugrunde legen, bricht er in ein unbekanntes Land auf und wird unterwegs unerwartete, überraschende Begegnungen haben, die ihn von seinem Plan abweichen lassen werden. Der Roman, wie immer er sich stellt, bildet die Verfassung unseres Lebens ab.
„We are born in the middle of things, we live in the middle of things and we die in the middle of things“,
sagte der amerikanische Schriftsteller Richard Powers einmal. Das heißt, in dem er einen Anfang und ein Ende hat und ein Terrain im Endlosen absteckt, gleicht der Roman jeder einzelnen Existenz. Powers´ Aussage verdeutlicht aber, vor welchen Schwierigkeiten der Schriftsteller steht, denn auch sein Werk wird inmitten der Umstände geboren, wächst inmitten der Umstände und endet inmitten der Umstände.
Wer etwas ganz Großes vorhat, kann es sich leisten, unscheinbar zu beginnen.
„Call me Ismael.“
- so beginnt Herman Melvilles „Moby Dick“.
„Mein Vater war ein Kaufmann.“
– lautet der Anfang von Adalbert Stifters „Der Nachsommer“. Lakonischer, schlichter geht es nicht. Und dennoch kündigen sich gerade in dieser Lakonie zwei Epen mit einem absoluten Anspruch an. Wer so beginnt, man ahnte es, selbst wenn man den Umfang der sich dahinter verbergenden Romane gar nicht kennen würde, der holt ganz weit aus, der schlägt einen riesigen Bogen. Die Klassiker des 19. Jahrhunderts trumpfen auf den ersten Seiten selten auf. Sie pflegen das Understatement. Es kommt auf den ersten Satz an, doch er ist nur ein wichtiger Baustein, so wie alle anderen Sätze des Werkes auch. Melvilles Erzählerstimme sagt: „Ich bin nichts besonderes, einer wie viele, ein sorgloser, fröhlicher Typ, aber ich hab´ was erlebt, was nicht viele erleben, ein ganz großes Abenteuer.“
Vielleicht eine Geschichte von außerhalb der Mitte der Dinge. Oder eine Geschichte, die der Wirklichkeit eine Utopie entgegenstellt. Stifters Erzähler hebt, das ist klar, zur Darstellung eines Lebens und einer ganzen Epoche an, einer untergegangenen oder einer noch kommenden Welt. Für die Lakonie des Anfangs entscheidet sich dann im 20. Jahrhundert auch Marcel Proust:
„Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen.“
So schlicht beginnen tausende von Seiten oft hochkomplexer, sich wie Spiralen von Nebensatz zu Nebensatz immer auf die letzte noch zugängliche Erkenntnis hinschraubender, Sätze. Auch in Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ ist es also ein Ich-Erzähler wie bei Melville und Stifter. Nachzuprüfende Zwischen-These: Entscheidet sich ein Autor für die Ich-Perspektive ist der erste Satz in der Regel einfach gehalten.
Tolstois „Krieg und Frieden“  - wäre das nicht ein Kandidat für einen unscheinbaren Auftakt?  Tolstoi, Calvino hat es uns bestätigt, vermittelt den Eindruck, was er zu Papier bringe, sei das Leben selbst, so wie es ist, und daher lässt er auch „Krieg und Frieden“ wie mitten im Leben beginnen. Sein historisches Panorama beginnt auf einer Abendgesellschaft, jemand spricht, in Französisch, wir wissen zunächst nicht einmal wer, so als seien wir selbst Gäste dieser Party und würden diese Worte aufschnappen fühlt es sich an: „Eh bien, mon prince. Genes et Lucques ne sont plus des apanages, des Landgüter, de la famille Buonaparte.“ Fa[...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Thomas Laufersweiler</itunes:author>
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		<title>Freitag feiert Mainzer Programmkino Capitol/Palatin 4. Geburtstag!</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Apr 2013 18:17:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf dem Programm am 26. April ab 20.00 Uhr steht der Hammerfilm &#8220;Drive&#8221; und ein Überraschungsfilm, der Filmwissenschaftler PD Dr. habil. Andreas Rauscher wird zu beiden Filmen etwas Kluges sagen und es werden Plakate verschenkt. Der Eintritt ist frei &#8211; aber hey, wir spenden ordentlich, oder?]]></description>
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		<title>&#8220;Maschinenmann&#8221;: Perfekte Körper sind nicht aus Fleisch und Blut</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Apr 2013 08:27:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Der futurologische Leser]]></category>
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		<category><![CDATA[Max Barry]]></category>
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		<description><![CDATA[Thomas liest Max Barrys &#8220;Maschinenmann&#8221;. Es ist eine weitverbreitete Annahme, dass unser Bewusstsein, unsere Wahrnehmung, der ganze intellektuelle Kern unserer Persönlichkeit weitgehend unabhängig von unserem Körper zu sehen ist. Ein Mensch, dessen Gehirn in einen anderen Körper oder in einen Roboter verlagert werden würde, bliebe demnach immer noch der gleiche Mensch &#8211; als Bewusstsein und [...]]]></description>
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Thomas liest Max Barrys &#8220;Maschinenmann&#8221;.

Es ist eine weitverbreitete Annahme, dass unser Bewusstsein, unsere Wahrnehmung, der ganze intellektuelle Kern unserer Persönlichkeit weitgehend unabhängig von unserem Körper zu sehen ist. Ein M[...]</itunes:subtitle>
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Thomas liest Max Barrys &#8220;Maschinenmann&#8221;.

Es ist eine weitverbreitete Annahme, dass unser Bewusstsein, unsere Wahrnehmung, der ganze intellektuelle Kern unserer Persönlichkeit weitgehend unabhängig von unserem Körper zu sehen ist. Ein Mensch, dessen Gehirn in einen anderen Körper oder in einen Roboter verlagert werden würde, bliebe demnach immer noch der gleiche Mensch &#8211; als Bewusstsein und Persönlichkeit. Ich teile diese Annahme nicht.
Körper und Bewusstsein sind in sehr hohem Maße ineinander verschränkt und voneinander abhängig. Jede Veränderung auf der einen Seite verursacht eine Änderung auf der anderen Seite. (Wer das genauer durchdenken möchte: hier entlang zum Wikipedia-Beitrag über das Leib-Seele-Problem.) Da im 21. Jahrhundert unsere Körper auf verschiedenste Weisen massive &#8220;Verbesserungen&#8221; erfahren werden, lohnt sich der Gedanke, was das mit unserem Bewusstsein anstellen wird. Wie komme ich überhaupt auf dieses interessante Thema? Durch das Buch &#8220;Maschinenmann&#8221;, das mir Prof. Pu geschenkt hat.
Dr. Charlie Neumann, der Held dieses Romans, ist Ingenieur. Er denkt in Lösungen und liebt klare Regelsysteme, auch wenn sie komplex sind. Mit Menschen und vor allem mit Frauen kommt er dagegen nicht so gut zurecht. Seine Konzentration auf technische Probleme und Lösungen geht aber weiter: Neumann empfindet auch seinen eigenen Körper als unangenehme, chaotische, unzuverlässige Maschine, die dringend verbessert werden sollte.
Als er bei einem Laborunfall ein Bein verliert, entwickelt er eine völlig neuartige Hightechprothese, die seinem natürlichen Bein haushoch überlegen ist. Also liegt der nächste Schritt auf der Hand: Er entscheidet sich, auch das verbliebene, biologische Bein abzutrennen &#8230;
Neumann arbeitet für die &#8220;Better Future Corporation&#8221; und diese erkennt, dass sie mit Neumanns Erfindungen Milliarden Dollar verdienen könnte. Also bekommt er freie Hand und ein Team, das ihn unterstützt. Schnell geht es nicht mehr nur um Beine. Neumann, der sich mittlerweile in die Prothesenexpertin Lola verliebt hat, macht sich selbst zum Versuchsobjekt Nummer Eins und verwandelt sich Körperteil für Körperteil in etwas Anderes. Aber seine verbesserten Teile zeigen einige gefährliche Nebenwirkungen. Das macht aus Dr. Neumann keinen netteren Menschen:
&#8220;Halten Sie den Mund. Nichts verstehen Sie. Sie haben Körperteile. Ich bin Körperteile. Ich bin die Technologie. Sie sind ein Mann mit Krücke. Sie sind überhaupt nicht wie ich.&#8221;
findet Neumann. Max Barry erzählt seine Geschichte schwungvoll, zwischendurch fast atemlos, die einzelnen Kapitel sind kurz und knackig, fast immer gibt es Action und einen kleinen Cliffhanger, der einen von Seite zu Seite treibt. Diese Struktur verdankt der Roman seiner Entstehungsgeschichte: Ungeduldige Leser hatten Barry vorgeworfen, zu lange schon nichts mehr veröffentlicht zu haben. Also entschied er sich, eine Geschichte, die er im Kopf hatte, als täglichen Fortsetzungsroman auf seiner Website zu veröffentlichen. &#8220;Ich schrieb die meisten Seiten in den vierundzwanzig Stunden, bevor ich sie postete.&#8221;
Die Geschichte wurde von den Lesern umfangreich kommentiert und einige dieser Gedanken hat Max Barry dann auch in die stark überarbeitete Romanfassung übernommen. Das Ergebnis ist eine leicht lesbare und sehr unterhaltsame Science-Fiction-Abenteuergeschichte mit überraschenden Wendungen, die einen ständig anregt, über sehr grundsätzliche und philosophische Aspekte nachzudenken. Sehr lesenswert, allerdings nicht ohne makabre Details. Ich jedenfalls sehe jetzt jede Unvollkommenheit meines Körpers mit ganz anderen Augen &#8211; im übertragenen Sinne versteht sich.
Text und Podcast stehen unter einer Creative Commons-Lizenz.
Quelle: Thomas Laufersweiler/SchönerDenken
Max Barry
Maschinenmann (Machine Man)
Broschiert, 352 Seiten
Heyne Verlag, 14,99 Euro
ISBN 9783453267978

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		<itunes:author>Thomas Laufersweiler</itunes:author>
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		<title>&#8220;Oblivion&#8221;: Schöner kann Science-Fiction nicht aussehen</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Apr 2013 07:33:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
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		<itunes:summary>Was für ein Augenschmaus &#8211; das Produktionsdesign von &#8220;Oblivion&#8221; macht ganz den Eindruck, als hätte Steve Jobs den Arbeitsplatz in den Wolken persönlich gestaltet. Irgendwann kann dann die Story nicht mehr mit dem überwaltigenden Stil mithalten, aber &#8211; so what &#8211; trotzdem ein großer Kinospaß für die große Leinwand, Bildtechnik und Sounddesign vom Feinsten. Im Podcast reden die Üblichen Verdächtigen über den Helikopter, den Pool über den Wolken, Iain Banks, den Namen Jack und über gemachte und nicht gemachte Fehler:

&#8220;Ich bin die Waffe.&#8221;
Jack Harper in &#8220;Oblivion&#8221;
Und noch ein Wort zu den Darstellern: Andrea Riseborough überzeugt als unterkühlte Victoria, Olga Kurylenko gelingt das leider nicht. Und der 50-jährige Tom Cruise spielt einen etwa 30 Jahre alten Mann &#8230; Spannend übrigens, dass der Film NICHT auf einem Comic basiert, auch wenn das so von den PR-Leuten erzählt und von Journalisten weitergegeben wird. Was genau dahinter steckt, hat der Abspannsitzenbleiber für Comicgate recherchiert.
Der Podcast steht unter einer Creative Commons-Lizenz.
Quelle: SchönerDenken
Oblivion
USA 2013, 125 Min., Regie: Joseph Kosinski

Andere Meinungen
Bastian G. (filmfutter.com) lobt den souveränen Style &#8211; und die beeindruckende Bildtechnik:
&#8220;Gefilmt auf Sonys brandneuer CineAlta F65-Kamera mit gestochen scharfem 4K-Output, verfügt die Umsetzung über eine ganz eigene Autorität, die durch die beeindruckende, futuristische Ausstattung und den zwischen Low Key-Tönen und orchestraler Größe pendelnden Score der französischen Synthpop-Band M83 bis zum Maximum verstärkt wird. Dies ist ein feuchter Traum für Fetischisten der audiovisuellen Gestaltung und ein waschechter Grund dafür, das Heimkino mal wieder für die (am besten ganz) große Leinwand zu verlassen.&#8221;
Die Rechnung geht auf, wird in Christians Foyer konstatiert:
&#8220;Manche Filme wünscht man sich besser, Oblivion hingegen kann man schlucken, wie er ist: für Look und Sound allein lohnt sich der Kinobesuch, für Claudio Mirandas geschliffene Bildnisse der Nachmenschwelt und für das Echo einer zweckorientierten Zukunft, die seit Ridley Scotts Alien nicht mehr so viel „Freude“ am sehnenzerrend-knarrzenden Getöne bereitet hat, wenn die kugelförmigen Drohnen ihre Waffensysteme in Stellung bringen oder den Standort ihres Absturzes akustisieren.&#8221;
Thomas Lenz (screen/read) bringt es auf den Punkt:
&#8220;Die Geschichte beginnt vielversprechend, kann aber die hohen Erwartungen, die sie weckt, nicht wirklich erfüllen. Das mag bedauerlich sein, ist aber kein ernstzunehmendes Problem, denn „Oblivion“ genügt sich als eklektische Hommage ohne Meilensteinanspruch.&#8221;
Lida Bach (kinozeit.de) misst den Film an den zitierten Vorbildern:
&#8220;In The Omega Man war der Gleichmut des Überlebenden in verseuchten Zivilisationsruinen rebellisch. In Silent Running war die Naturverbundenheit des einsamen Astronauten philosophisch. In Solaris war die Begegnung mit dem verloren Geglaubten aus der eigenen Erinnerung tragikromantisch. In Kosinskis Science-Fiction-Seifenopfer sind alle drei gleichermaßen plump-reaktionär.&#8221;</itunes:summary>
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		<title>Über Romananfänge: &#8220;Denn euer Sinn muss unsre Könige schmücken …&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Apr 2013 07:22:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Goetz</dc:creator>
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Erster Teil

Der englische Dichter Samuel Taylor Coleridge sah in der „willentlichen Aussetzung der Ungläubigkeit“ eine Voraussetzung dafür, dass Literatur, und insbesondere [...]</itunes:subtitle>
		<itunes:summary>Während Pu noch Pause macht, erzählt uns Götz von berühmten ersten Worten.
Erster Teil

Der englische Dichter Samuel Taylor Coleridge sah in der „willentlichen Aussetzung der Ungläubigkeit“ eine Voraussetzung dafür, dass Literatur, und insbesondere die romantische Dichtung, mit Sympathie aufgenommen werden kann. Seiner Auffassung nach lässt sich der Leser auf eine Illusion ein, weil er sich von ihr etwas verspricht. Er akzeptiert daher die Prämissen eines Werks, seien sie auch naiv, fantastisch, unwahrscheinlich. Wie aber gewinnt man die Aufmerksamkeit des Lesers?
Nach klassischer Lehre, indem man Naturtreue verknüpft mit den Farben der Imagination. Der Dichter zeigt etwas Bekanntes in neuem Licht. Er schenkt den Alltagsdingen den Zauber des Unbekannten. Doch was geschieht, wenn es nicht naturwahr und gemäß tagtäglicher Erfahrung, sondern „supernatural, or at least romantic“ zugeht, wie  Coleridge in seiner „Biographia Literaria“ schreibt und wie es den stärksten lyrischen Ausdruck in seinem Gedicht „Kubla Khan“ fand? Wie bildet sich dann das Vertrauen des Lesers? Nicht anders, als indem er seinen rationalen Widerstand aufgibt, um sich unterhalten und in ferne Welten entführen zu lassen:
„In Xanadu did Kubla Khan a stately pleasure-dome decree…&#8221; 
Aber sind wir überhaupt a priori ungläubig, wenn es um das Geschichtenerzählen geht? Sind wir nicht vielmehr leichtgläubig, immer bereit uns einen Bären aufbinden zu lassen, allzeit begierig auf Märchen und Fabeln? Die Hürde, die ein Autor überwinden muss, um unsere Aufmerksamkeit zu erhalten, ist vielleicht gar nicht so hoch, wie es Coleridges These vermuten lässt, die vor allem dann gerne herangezogen wird, wenn es um die Akzeptanz phantastischer Literatur geht.
Es scheint so, als sei Coleridge, dem theoretisch und philosophisch gebildeten Kopf unter den englischen Romantikern, das Zusammenspiel von Dichter und Leser nicht ganz geheuer gewesen. Vielleicht war ihm der unmittelbare, selbstvergessene Zugang zur Poesie nicht so gegeben wie Keats oder Shelley, die ihre eigene Vorstellungskraft feierten. Für Coleridge folgte die Dichtung aus der Theorie, für die beiden anderen war die poetische Theorie bloß eine Begleiterscheinung ihres unwillkürlichen Schaffens.
„Schönheit ist Wahrheit, Wahrheit Schönheit, &#8211; das ist alles, was ihr auf Erden wisst, und alles, was ihr zu wissen braucht“,
heißt es in einer Ode von Keats und in diesen Zeilen steckt sein gesamtes poetisches Konzept. Coleridge war ein romantischer und rationaler Kopf zugleich, geprägt von den Philosophen des Empirismus, dem nüchternen britischen Geist der Praxis, dem alles Spekulative, Schwärmerische zuwider war. Und das breite literarische Publikum dachte eben genau so,  hielt die Werke der Romantiker für „childish“ und „silly“. Ihm wollte er sagen: lasst Euch doch auf die romantische Dichtung ein, so wenig sie auch mit der gegenwärtigen Realität zu tun hat, ihr werdet einen Profit davon haben. Es ist allein eure Entscheidung, den Widerstand aufzugeben. Ganz anders Shelley:
„Es ist unmöglich, die Werke der gefeiertsten Dichter unserer Zeit zu lesen, ohne dass die Elektrizität überspringt, die in ihren Worten knistert.“
Beim hochfahrenden Shelley packt es den Leser unwillkürlich, er lässt sich nicht überwältigen, er wird überwältigt. Für Coleridge war die Literatur das Gegenbild zur Wirklichkeit, er sah eine Trennlinie zwischen beiden, während für die rund zwanzig Jahre später geborenen Keats und Shelley Literatur und Wirklichkeit gar nicht zu trennen waren, was bei Shelley zu Aussagen führte wie: „Dichter sind die nicht anerkannten Gesetzgeber der Welt.“ Warum sollten wir auch kein Vertrauen in die Kunst haben, wenn sie uns doch, nach Keats´ Auffassung, nichts als die Wahrheit vermittelt?
Das entscheidende Kriterium ist gewiss die Qualität: Ist es gut geschrieben, akzeptieren wir alles; ist es schlecht geschrieben, akzeptieren wir gar nichts. Wichtig ist nicht, dass das Kunstwerk der Logik der Realität und de[...]</itunes:summary>
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		<title>&#8220;Die Zeit ist wie eine Krankheit &#8211; man erkennt sie nur an ihren Symptomen&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Apr 2013 07:05:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>PJ</dc:creator>
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		<description><![CDATA[PJ liest Martin Suters: &#8220;Die Zeit, die Zeit&#8221;: &#8220;Die Zeit ist wie eine Krankheit – man erkennt sie nur an ihren Symptomen.&#8221; Mal ehrlich – wer hat sich nicht schon mal gewünscht, etwas ungeschehen machen zu können, einfach die Uhr zurückdrehen und vor dem unglückseligen Ereignis neu ansetzen, anders agieren, etwas besser machen &#8230; ? [...]]]></description>
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&#8220;Die Zeit ist wie eine Krankheit – man erkennt sie nur an ihren Symptomen.&#8221;
Mal ehrlich – wer hat sich nicht schon mal gewünscht, etwas ungeschehen machen zu können, einfach die [...]</itunes:subtitle>
		<itunes:summary>PJ liest Martin Suters: &#8220;Die Zeit, die Zeit&#8221;:

&#8220;Die Zeit ist wie eine Krankheit – man erkennt sie nur an ihren Symptomen.&#8221;
Mal ehrlich – wer hat sich nicht schon mal gewünscht, etwas ungeschehen machen zu können, einfach die Uhr zurückdrehen und vor dem unglückseligen Ereignis neu ansetzen, anders agieren, etwas besser machen &#8230; ? Oft sind es kleinere Dinge, die man ungeschehen machen möchte; bei Martin Suter hingegen geht um die existenzielle Frage von Leben und Tod: Die Lebensgefährtin von Peter Taler wird vor seiner Haustür erschossen. Mehr als 20 Jahre zuvor war die Ehefrau seines Nachbarn gegenüber gestorben. &#8220;An etwas vermeidbarem&#8221;, wie ihr Witwer formulierte.
Peter Taler hatte den Kontakt zu dem mittlerweile 82-jährigen Eigenbrötler vermieden, ein knorriger, wortkarger Zeitgenosse. Bis zu dem Tag, an dem er das Gefühl hatte, daß auf dem Grundstück gegenüber etwas anders war &#8230; Taler beschließt, den Mann zu besuchen und will dabei auch erfahren, warum dieser seine Bäume radikal stutzt, ja sogar gesunde Pflanzen durch jüngere ersetzt. Die Antwort verwirrt ihn, es geht um die Zeit.
&#8220;Verstehen Sie die Zeit?&#8221; fragt ihn Knupp.
 &#8220;Die Zeit?&#8221;
 &#8220;Verstehen Sie sie?&#8221;
 &#8220;Sie vergeht. Mehr weiß ich nicht.&#8221;
 &#8220;Schon falsch. Sie vergeht nicht.&#8221;
&#8230;
Knupp trank einen Schluck.
&#8220;Die Zeit vergeht nicht, alles andere vergeht. Die Natur. Die Materie. Die Menschheit. Aber die Zeit nicht. Die Zeit gibt es nicht.&#8221;
Ruhig und geduldig trug er seine bizarre Theorie vor wie ein greiser Lehrer einer neuen Klasse einen alten Stoff.
&#8220;Dieses ständige Werden und Vergehen hat nur einen Zweck: Es täuscht vor, daß die Zeit verstreicht.&#8221;
&#8230;
 &#8220;Die Veränderung schafft die Illusion von Zeit.&#8221;
Solange sich das Gespräch der beiden mit diesen theoretischen Erörterungen begnügt, ist das interessant, aber noch nicht sehr spannend. Doch der alte Mann will mehr. Er will die Theorie in die Praxis umsetzen, das heißt konkret: Er möchte in seinem Haus und um sein Haus herum exakt den Zustand des 11. Oktober 1991 wieder herstellen. Warum? Von diesem Tag besitze er die meisten Fotos seiner direkten Umgebung und damals lebte seine Frau noch. Peter Talers Laura sowieso &#8230;
Taler, der die sinnlose Ermordung Lauras nicht überwunden hat – die Polizei tappt im Dunkeln, das Motiv fehlt – hofft insgeheim auch ein wenig, daß diese abstruse Zeit-Theorie stimmen könnte. Er beschließt Knupp zu helfen, sucht aber gleichzeitig auf eigene Faust nach Lauras Mörder. Dabei können ihm die Fotos, die Knupp zu allen möglichen Zeiten gemacht hat, möglicherweise helfen.
Nun beschreibt Martin Suter phantasievoll bis ins kleinste Detail, wie die beiden mit allen möglichen technischen Hilfsmitteln das Innere und die Umgebung des Hauses Gustav-Rautner-Weg Nr. 39 zuerst vermessen und dann akribisch in den Zustand des 11. Oktober 1991 zurückversetzen. Da müssen jüngere, aber identisch aussehende Pflanzen her, Hausfassaden müssen umgepinselt werden, die drei damals vor dem Haus parkenden Autos müssen wieder her, usw. usw. Das kostet Unsummen an Geld, die aber beschafft werden können.
Peter Taler schwankt zwischen Unglauben und Hoffnung, ob die beiden wirklich der allgegenwärtigen Entropie ein Schnippchen schlagen können, denn wenn das fast uferlose Experiment wirklich gelingt, dann – ja dann müßte auch Laura irgendwie wieder auftauchen. Er verbringt schlaflose Nächte.
&#8220;Das Foto mit der leicht verschwommenen Laura vor den Briefkästen kam ihm wieder in den Sinn. &#8230; Jetzt in diesem unwirklichen Zustand, in den ihn die Übermüdung und der Umgang mit Knupp versetzt hatten, kam ihm die Vorstellung, daß es keine Zeit gab, nicht mehr so unwahrscheinlich vor. Und wenn es keine Zeit gab, gab es auch das Jahr nicht, das seit Lauras Tod vergangen war.
 &#8230;
 Peter löschte das Licht. Doch der Gedanke ließ ihn nicht zur Ruhe kommen.
 Zeit und Raum[...]</itunes:summary>
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		<title>TV-Tipp: &#8220;Das Lied in mir&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Apr 2013 22:15:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
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		<itunes:summary>Mittwoch &#124; 10. April 2013 &#124; 22.45 Uhr &#124; rbb
Ausgesprochen glücklich waren die Üblichen Verdächtigen schon im November 2010 über &#8220;Das Lied in mir&#8221;, Damals eröffnete das FILMZ-Festival mit dem Debüt- und Diplomfilm von Regisseur Florian Cossen. Im  Podcast redeten sie über verschwundene Menschen in Argentinien, echte und falsche Familien, perfekte Geschwindigkeiten, eine traumschöne Liebesszene, sehr starke Bilder aus Buenos Aires und über einen argentinischen Darsteller, dessen Telefonnummer man bei den Zuschauerinnen für teuer Geld hätte versteigern können:

Das Lied in mir, Deutschland 2010, Regie: Florian Cossen
Darsteller: Jessica Schwarz, Michael Gwisdek, Raphael Ferro
Mit einer ungewöhnlich klaren und intensiven Bildsprache setzt Florian Cossen seine Geschichte um: Eine 31-jährige Frau aus Deutschland hört am Flughafen in Buenos Aires ein argentinisches Kinderlied. Sie kann es sofort mitsingen und wird tief berührt. Statt weiterzufliegen bleibt sie in Buenos Aires und deckt ihre eigene Geschichte auf. Stück für Stück nähern wir uns den Figuren und ihren Geschichte, die ihre Wurzeln in der argentinischen Militärdiktatur haben. Und im Umgang mit diesem politischen Hintergrund beweist der Film ausgesprochenes Fingerspitzengefühl.
Ich freu mich schon auf den nächsten Film von Florian Cossen, der im Gespräch nach der Vorstellung ein bisschen aus dem Nähkästchen plauderte über 40 Tage Dreharbeiten in Buenos Aires, 14 Monate Schnitt und warum die argentinischen Beleuchter deutsches Bier und Sauerkraut wollten und am Ende Maultaschen bekamen (von denen sie begeistert waren). Bilder und Trailer gibt es zu &#8220;Das Lied in mir&#8221; noch nicht, weil der Film gerade erst seinen Verleih für Deutschland gefunden hat. Aber da der Bayerische Rundfunk und der Südwestrundfunk den Film mitfinanziert haben, ist der Film auch werbefrei im Fernsehen zu sehen. Obwohl: So intensiv wie Cossen Buenos Aires zeigt, sollte man sich den Film besser auf der Leinwand sehen &#8211; wenn sich die Gelegenheit bietet.

Zuerst veröffentlicht am 24.11.2010</itunes:summary>
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