Nur der ist wirklich Superheld …

… der sich selbst für super hält

Thomas hat die erste Staffel von „Heroes“ hinter sich

Hiro Nakamura ist ein kleiner Angestellter in einem Büro in Tokyo, der Superhelden-Comics liebt. Eines Tages stellt er fest, dass er selbst ein Held ist: Er kann die Zeit anhalten, sogar durch Raum und Zeit reisen. Isaac Mendez ist ein heroinsüchtiger Comiczeichner in New York. Irgendwann entdeckt er, dass seine im Drogenrausch gemalten Bilder alle Wirklichkeit werden – er kann in die Zukunft sehen. Und ein Polizist, der Gedanken lesen kann, eine Cheerleaderin, die unverwundbar ist, ein Politiker, der fliegen kann … in der Serie „Heroes“ wimmelt nur so von Superkräften.

Man kann viel an dieser Serie herummäkeln, deren Grundidee vergleichsweise schlicht ist: Einige Menschen haben genetisch bedingte Superkräfte, aber statt in dämlichen Kostümen herumzulaufen und gute Taten zu vollbringen, sind die meisten verunsichert und versuchen ihr Alltagsleben weiter zu leben. Aber die Zukunft, die Mendez sieht, bringt die Zerstörung New Yorks durch eine nukleare Explosion (warum eigentlich immer New York?). Also heißt es, die Superkräfte zu bündeln und die Welt zu retten.

Alles läuft auf ein Duell hinaus: Da ist der Bösewicht Sylar. Er übernimmt die Superkräfte, in dem er den anderen Helden den Schädel öffnet und das Gehirn herausnimmt. Mit jedem Serienmord wird er stärker. Und da ist Peter Petrelli, der als Krankenpfleger und Sterbebegleiter die Kräfte anderer Helden durch Mitgefühl übernehmen kann. Er sammelt die Guten um sich, darunter auch Hiro, der sich mittlerweile nach New York teleportiert hat und mit ansteckender, kindlicher Naivität seinen Teil zur Rettung der Welt beitragen will.

Pluspunkte

Da ist die ungewöhnliche Figur des Japaners Hiro, der mit einer Mischung aus Naivität, Dummheit, reinem Herzen und Mut die Herzen der Zuschauer erobert, überragend dargestellt von Masi Oka. Schauspielerisch überzeugen kann auch Adrian Pasdar, der Darsteller des Politikers Nathan Petrelli, und Ali Larter als Online-Striptease-Girl Niki Sanders mit einem Dr-Jeckyl-Mr-Hyde-Geheimnis. Andere Darsteller bleiben blass, weil sie im Drehbuch immer wieder auf die gleichen stereotypen Gefühle reduziert werden.

Absolut überzeugend: der Einsatz der Comics und Gemälde in den Episoden. Sehr geschickt sind die Zeichnungen vom (farbenblinden) Comic-Künstler Tim Sale in die Dramaturgie eingewoben, erhöhen die Spannung, treiben die Handlung voran. Sehr stimmungsvoll auch die Musik – da steht der Kauf einer Soundtrack-CD an. Nicht zu vergessen einfallsreiche Special Effects, bei denen einem ab und an schon mal der Mund offen stehen bleibt. Insgesamt sehr hoher Unterhaltungswert.

Minuspunkte

Handlungslogik! Wenn Superkräfte und Zeitreisen möglich sind, dann bleibt sie schnell auf der Strecke. Hatte ich schon stereotype Charaktere erwähnt? Die Helden haben kaum Tiefe – da und dort werden häusliche Probleme gezeigt, berufliche Probleme, Ängste, Zweifel. Aber jede Figur bleibt in ihrer Schublade – die Charaktere sind nicht gebrochen (von den Knochen der Cheerleaderin mal abgesehen). Da reißt es auch ein bisschen Küchen-Psychologie nicht heraus, wenn der Serienmörder bei Muttern zuhause kleinbürgerlichen Horror erlebt.

Schließlich taucht eine namenlose Organisation auf, die alles weiß und alles kontrollieren will – es war klar: eine große Verschwörung ist am Start. Und ich wette, das wird das erste sein, was mich in der zweiten Staffel anöden wird. Meine Erwartung für die nächste Runde: nur verhalten optimistisch. Ich fürchte, dass die Serie nicht noch einmal mit ungewöhnlichen Details und spannenden Wendungen von ihren Schwächen ablenken kann.

Links

Was Comic-Zeichner von „Heroes“ halten, gibt es im Zettgeist-Podcast zu hören. Der Abspannsitzenbleiber ist nach der ersten Staffel enttäuscht.

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