Darwin und der Fluss des Lebens


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Allgemein am 3.Oktober 2009

In Stuttgart widmet sich eine Ausstellung dem größten aller Naturforscher. Der Südwestrundfunk berichtet dazu online:

“Mit modernem Blick wird hier die Geschichte und Bedeutung der Evolutionstheorie erkundet. Angefangen bei Darwins Forschungsreise mit der “HMS Beagle” und seinen zentralen Erkenntnissen bis hin zum aktuellen Stand der Evolutionsforschung, etwa der High-Tech-Untersuchungen in Genlabors.”

Dort findet sich auch eine Soundslide-Galerie über den Aufbau einer fast maßstabsgetreuen Version des Forschungsschiffs Beagle. Bei dieser Gelegenheit natürlich ein Hinweis auf die Beiträge von Götz zu Darwin: “Darwin und das Erdbeben von Chile” und “Charles Darwin: “Abenteuer Erde”.

Zum Abschluss ein Video aus der PBS-Serie “Evolution”:

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Darwin und das Erdbeben von Chile


Ein Beitrag von Goetz, abgelegt unter Buch, Podcast am 12.Juni 2009

Götz Kohlmann spürt einem Darwin nach, der sich auf unsicherem Grund bewegt:

 
 Das Erdbeben in Chile [8:54m]: Play Now | Download

Während seiner Reise um die Welt mit dem Expeditionsschiff „Beagle“ verbrachte Darwin auch eine längere Zeit in Chile. Eines Tages wurde er dort Zeuge eines gewaltigen Erdbebens. Allerdings hielt er sich zum Zeitpunkt des Bebens nicht in einer Ortschaft auf, sondern befand sich in einem Wald nahe des pazifischen Ozeans. So kam es, dass er das Beben zunächst nicht als Katastrophe, sondern als „zutiefst interessantes, aber keineswegs furchterregendes Phänomen“ erlebte. Es war der 20. Februar 1835. Im Wissen um Darwins späteres Werk und dessen heutige Bedeutung nimmt das Erlebnis einen prophetischen, gleichnishaften Charakter an.

„Ich war gerade an der Küste und hatte mich im Wald niedergelegt, um auszuruhen“,

schreibt Darwin in seinem Reisetagebuch. Ein Wald in Meeresnähe: ein romantischer Topos, der Assoziationen weckt, der Wald als Ort des Geheimnisvollen und Unheimlichen, als die Lokalität, in der sich im Märchen alle Schrecken und manche Wunder verbergen, in der man mit ungeheuren Begegnungen rechnen muss, die sich außerhalb der Gegenwart ereignen.

Ich stelle mir die Bäume jenes Waldes vor, in dem Darwin lag, und es sind alte, von Stürmen gebogene und zerzauste Kiefern und ich stelle mir vor, dass er dem Sausen in ihren Nadeln lauschte. Vielleicht war da kein anderer Laut, als dieses Sausen. Mir fällt auch Hitchcocks „Vertigo“ ein, der Wald der Mammutbäume in Kalifornien, in dem Kim Novak unter den Blicken James Stewarts somnambul umherwandelt, einer lebenden Toten gleich, der Zeit enthoben. Darwin ist nicht allein, ein Begleiter ist bei ihm, und doch ist es, als sei diese Erfahrung in dieser Weise nur ihm zugedacht gewesen. Darwin schreibt:

„Es brach unvermittelt aus und dauerte zwei Minuten, doch erschien die Zeit viel länger. Das Schwanken des Bodens war deutlich zu spüren … Es war nicht schwer aufrecht zu stehen, doch die Bewegung machte mich fast schwindelig; sie glich der Bewegung eines Schiffes in einem kleinen Wellenschlag von querab oder eher noch jener, die man empfindet, wenn man auf dünnem Eis Schlittschuh läuft und dieses sich unter dem Körpergewicht beugt.“

Darwin zeigt sich in diesem Augenblick der Gefahr ganz und gar als Naturwissenschaftler; es fasziniert ihn, dass die scheinbare Gewissheit des festen Bodens unter den Füßen sich als trügerisch erweist. Scheinbare Gewissheiten zu hinterfragen, zu stürzen und neue zu errichten – das ist es auch, was auf der Fahne der Wissenschaften steht. In Darwin selbst bereitet sich auf dieser Weltreise ein Beben vor, ein intellektuelles Beben, das Jahrzehnte später, nach stiller Arbeit in einem südenglischen Landhaus, die Grundfesten menschlichen Denkens erschüttern sollte. Es klingt in diesen Tagebuchzeilen schon an, dass Darwin einst bereit zum Äußersten sein würde.

„Es ist, als würde man einen Mord gestehen“

so äußert er sich selbst in einem Brief an den Botaniker Joseph Hooker über die Veröffentlichung seiner Evolutionstheorie. Der unvoreingenommene, freie Blick auf die Dinge – das war weiterlesen

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6.1.1884: Gregor Mendel


Ein Beitrag von Christopher, abgelegt unter Januar, Video am 6.Januar 2009

Ein wenig unscheinbar war es schon, was dieser Mönch aus Brünn da machte. Aber es half zu erklären, was Darwin nur vermutete. Gregor Mendels Vererbungsregeln waren ein Schlüssel bei der Suche nach dem Mechanismus der Evolution. Mit buchhalterischer Akribie kreuzte er Erbsen verschiedener Farbe und Form, notierte die Ergebnisse und entdeckte ein System.

Sein Ergebnis: Das Aussehen der Erbsen war nicht willkürlich, sondern folgte bestimmten Regeln. Einige ihrer Eigenschaften ließen sich, wenn man diese Regeln beachtete, gezielt von Generation zu Generation weiter vererben. Sie waren also dominant. Andere schienen nach einer Generation zu verschwinden, tauchten aber nach weiteren Kreuzungen wieder auf. Mendel nannte dieses Verhalten „rezessiv“. Entgegen der Meinung der Evolutionskritiker verschwanden die Erbeigenschaften also nicht, sondern wurden nur zeitweise von dominanten Erbanlagen überlagert. Vererbung war kein Glücksspiel mehr, sondern durch reproduzierbare Versuche belegbar. weiterlesen

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Charles Darwin: Abenteuer Erde


Ein Beitrag von Goetz, abgelegt unter Buch am 1.Januar 2009

2009 ist das Darwin-Jahr. Wir warten nicht, bis am 12. Februar sein 200. Geburtstag gefeiert wird. Götz hat vor einem Jahr bereits Darwins “Die Fahrt der Beagle” gelesen:

Als sehr junger Mann nahm der noch unbekannte Charles Darwin an einer großen Expedition teil. Zuvor hatte er ein Theologiestudium an der Universität Cambridge abgeschlossen, sich aber auch intensiv mit den Naturwissenschaften befasst. “Die Fahrt der Beagle” ist das nachträglich von Darwin überarbeitete Tagebuch seiner fünfjährigen Weltreise. Darwin beschreibt darin die Fauna, Flora und Geologie, aber auch die Menschen eines fremden Planeten, der unser eigener ist.

Die Sprache, mit der er all diese Wunder festhält, ist voller Ruhe und Klarheit und bei aller wissenschaftlichen Nüchternheit bleibt er jederzeit ein des Staunens fähiger Mensch. Die Beobachtungen der Reise bildeten die Grundlage für Darwins revolutionäre Theorie, die er aber erst mehr als zwanzig Jahre später veröffentlichen sollte.

Darwins Tagebuch hält, was die Bildkraft seiner Schilderungen angeht, jeden Vergleich mit großer Literatur aus, etwa wenn er erzählt, wie eine Herde von Pferden einen Fluss in Patagonien durchschwimmt. Anfangs müht man sich noch mit den Passagen über “Mimus orpheus”, “Polyborus brasiliensis” und andere Tiere, doch bald wundert man sich, dass man auch solche Stellen nicht mehr auslässt oder überfliegt, sondern aufmerksam liest, denn es ist jederzeit spürbar, dass Darwin kein trockener Stubenbiologe und Spezialist, sondern sich des gesamten Abenteuers der Erde bewusst ist. weiterlesen

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