“Mr. Banks, sprechen wir doch mal über Ihre Unkultur …” 3. Die Aufsteigerin
Ein Beitrag von Hendrik, abgelegt unter Buch, Podcast am 17.Juni 2009
Hendrik liest drei der Nicht-SF-Romane vom Autoren des <Culture>-Zyklus: <Die Wespenfabrik>, <Träume vom Kanal> und <Die Aufsteigerin>
Dritter Teil: Die Aufsteigerin
<Die Aufsteigerin> ist <Träume vom Kanal> in einer Beziehung recht ähnlich: wiederum steht hier eine starke und erstmal nur bedingt sympathische Frauenfigur im Mittelpunkt. Die Erzählerin Kate Telman ist eine selbstbewusste, gutaussehende Enddreißigerin und im oberen Management eines reichlich mysteriösen, weltumspannenden Konzerns tätig, den es offenbar bereits seit gut zweitausend Jahren gibt. Sie wird damit beauftragt, für den Konzern den Ankauf eines ganzen Landes vorzubereiten, weil man auf diesem Wege einen Sitz in den Vereinten Nationen erhält und sich auch ansonsten jede Menge Vorteile verspricht. Die Wahl fällt auf den Zwergstaat Thulahn hoch oben im Himalaja, und Kate ist von der Aussicht, dort für längere Zeit leben zu müssen, nicht wirklich begeistert:
“Anständig? Thulahn ist ein Rattenloch! Die haben so wenig ebenen Boden, dass ihre einzige Landebahn gleichzeitig als ihr Fußballstadion herhalten muß; als ich dort eingeflogen bin, wären wir fast bei unserem ersten Landeanflug abgestürzt, weil sie vergessen hatten, die Torpfosten abzubauen. Der königliche Palast wird mit schwelendem Yak-Dung beheizt, Onkel Freddy. Ihr Nationalsport ist Emigration.” (S.63)
Vor allem der bissige Humor der Erzählerin verleiht dem Ganzen eine wesentlich leichtere Note als <Träume vom Kanal>, zumal es nicht so offenkundig um Leben und Tod, sondern nur um Macht und gigantische Mengen Geld geht. Wiederum gerät Banks seine Zentralfigur so vielschichtig und stark, dass die Ereignisse um sie herum fast in den Hintergrund treten. Kate entdeckt sowohl in der Organisation, für die sie arbeitet, als auch in ihrer eigenen Gefühlswelt nach und nach Dinge, die sie nie für möglich gehalten hätte.
Banks versucht gar nicht erst, sich hier verkrampft irgendetwas Brandneues einfallen zu lassen, sondern reichert u.a. das ewig alte Thema des dekadenten Strebens der Mächtigen nach immer mehr Macht einfach kurzerhand mit so skurrilen Handlungsdetails an, dass es eine schlichte Lesefreude ist: wer führt schon ein Bewerbungsgespräch mit jemandem, der gerade vergnügt dabei ist, weiterlesen


















