Wanderung unter dem Fleischmond


Ein Beitrag von Hendrik, abgelegt unter Buch, English, Podcast am 1.März 2010

Gedichte, die du siehst, bevor du stirbst – Hendrik traut sich trotzdem

Gedichte, die du liest, bevor du stirbt - ich traue mich trotzdem...

Gedichte, die du siehst, bevor du stirbst? Scheint mir die beste Zeit zu sein, Gedichte anzuschauen

„Poems you see before you die“

… nein, das ist nicht die lyrische Version des guten alten Monty Python-Sketches vom ‘Tödlichen Witz’, sondern es ist schlicht das Motto, unter das der Frankfurter Bildkünstler Ray Rubeque und der Autor George Koehler ihre gemeinsame Bild/Textkunst gestellt haben, die in einigen handlichen kleinen Bändchen (fünf sind geplant, der dritte gerade frisch erschienen) in der „Handschmeichler edition“ vorliegen.

Warum sich die Beiden nicht nur als The Glutton Group, sondern u.a. auch als „a two-man army of Verbindlichkeit“ bezeichnen, ist mir schleierhaft. Aber meine dadurch genährte Befürchtung, die von klassischen Haiku- und Senryu-Poesiekurzformen inspirierten Texte Koehlers würden sich jetzt in Dinglisch abspielen, bewahrheitet sich zum Glück nicht.

Die bisher erschienenen Bändchen schmeicheln tatsächlich der Hand, und ich merke schon beim ersten Durchblättern, warum es „poems you SEE before you die“ heißt und nicht „poems you READ before you die“. Denn die Texte Koehlers sind kurz genug, um mit einem Blick erfasst, mit einem zweiten Blick um das jedem Text beigefügte Bild ergänzt zu werden und so Text und Bild zugleich zu sein, und das ist ja nun so ziemlich das Multimedialste, was ein in Schwarzweiss gedrucktes Bändchen auf die Schnelle zu leisten vermag.

Die Texte sind in englischer Sprache, die dazugehörigen Illustrationen ebenso wie  Haikus auf die wesentlichen Pinselstriche reduziert: konkretisierend vergröbert, wenn man so will. Was formal einen Haiku der traditionellen Sorte ausmacht – siebzehn Silben, ein Naturbezug, ein lyrisches Ich –, kann man meistens hier wiederfinden, wie z.B. in dem Gedicht

NIGHTSTALKER
A cold meat moon and
Thousands of stars, lighting my
Path with midnight thoughts.

Aus Poems You See Before You Die Band 2

Aus Poems You See Before You Die Band 2

Nächtliche Melancholie ist wohl eines der ältestehrwürdigen Themen für die Form des Haiku. Schon die frühen Beat-Poeten haben solche formalen und atmosphärischen Konventionen dann gerne aufgenommen und damit gespielt – sie mit bewusst gesetzten Modernismen, Brüchen, Provokationen angereichert, manchmal damit gesprengt, manchmal zu neuem Leben erweckt. Die Bildgedichte/ Gedichtbilder der Glutton Group stehen ganz klar auch in dieser (längst selbst zur Konvention gewordenen) Tradition der Brechung von Tradition. Aber sie hinterlassen angenehmerweise insgesamt nicht das Gefühl, hier werde eine längst verpasste literarische Anarchie mangels eigener Ideen aus dem Wachkoma gerüttelt. Dazu sind die „poems you see before you die“ insgesamt nicht effektheischend genug. Ein bisschen spaßbesoffen zuweilen schon, aber dabei auch sehr entspannt und nicht anbiedernd: man will sich erstmal selbst eine Freude bereiten, und wenn dann andere den Spaß teilen möchten, sind sie herzlich eingeladen. Damit entfalten die poems ein Charisma, das von den spielverliebten, sinnlichen Gedichten Adrian Mitchells nicht weit entfernt ist (ich erinnere z.B. an Ten Ways To Avoid Lending Your Wheelbarrow To Anybody), oder vielleicht auch das vor Jahrzehnten schon in die Literatur hineingelebte genüsslich-skurrile Daseinsgefühl eines Richard Brautigan runderneuert und quietschvergnügt in unserer Gegenwart abliefert.

Entsprechend legt sich die Glutton Group auch thematisch weiterlesen

 
 Romeo und Julia [0:37m]: Play Now | Download
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HÖRTIPP: Kriegslied


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Podcast am 14.August 2009

Im Krieg befinden sich viele Menschen, in Afrika, in Afghanistan und anderswo. Die meisten kämpfen nicht freiwillig. Viele werden das Ende ihres Krieges nicht miterleben, noch mehr werden den Krieg nicht unbeschadet überstehen. Daran denkend der heutige Hörtipp: Christoph Maasch von der Sprechbude liest Matthias Claudius “Kriegslied”.

 
 Matthias Claudius: Kriegslied [1:04m]: Play Now | Download

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Ein Kommentar




Unterirdische Vorstellung – eine Empfehlung


Ein Beitrag von Hendrik, abgelegt unter Buch am 30.April 2009

Hendrik lauscht dem Abenteuer-Hörspiel “Schwarzes Gold”, nach einer Vorlage von Jules Verne.

 
 Licht aus. Ton ab. [3:23m]: Play Now | Download

Wenn man in nur achtzig Minuten eine Abenteuergeschichte in Hörspielform erzählen will, hat man keine Zeit zu verlieren. Innerhalb weniger Sekunden bricht der Hörer gemeinsam mit dem Ingenieur James Starr auf in eine stillgelegte Kohlemine ins Schottland des 19. Jahrhunderts, nachdem Starr von seinem ehemaligen Freund Simon Ford, der mit seiner Familie als Letzter die Mine bewohnt, eine dringende Einladung erhalten hat – und kurz darauf einen zweiten anonymen Brief, der ihn bittet, nicht zu kommen.

Und – darauf kann man sich bei dem Verfasser der Romanvorlage Jules Verne verlassen – es dauert nicht lange, bis in den weitläufigen, lichtlosen Gängen und Cavernen der alten Mine unfreundliche Dinge geschehen, die der kühle Denker Starr und seine alten Freunde sich einfach nicht erklären können …

Mehr sei zum Inhalt des Hörspiels nicht verraten, das auf der Grundlage des 1877 erschienenen Romans “Les Indes Noires” entstanden ist, und mit dem sich zugleich das freie Produzententeam Nicola-Andrea Neuse und Jan-Sören Haas unter dem Labelnamen Hoerbucht vorstellt.

Um das alte und doch immer wieder spannende Spiel mit dem Grusel der Zappendusternis akustisch adäquat umzusetzen, hat man sich neben der Auswahl geeigneter Sprecher und Sprecherinnen bewusst das Ziel gesetzt, auch die Klangkulisse inkl. der Musik an neuen Aufnahmestandards zu messen. Das ist auf unspektakuläre Weise auch ganz gut gelungen, und wenn man sich das Ganze z.B. entspannt im Dunklen anhört, entfaltet auch eine so alte Geschichte wie diese durchaus noch ihren Charme und “funktioniert”.

“Wer hört denn diese Art Hörspiel noch?” höre ich manche(n) unterhaltungsverwöhnt fragen, “gibt’s doch auch als Film längst, sowas” … richtig. Aber: na und? Gerade im Augenblick bietet es sich zum Beispiel an, das Hörspiel “Schwarzes Gold” mit der ganzfamilienunterhaltsamen neuen Filmversion der “Reise zum Mittelpunkt der Erde” zu vergleichen, die zwar liebevoll und ganz kurzweilig umgesetzt ist, aber keinerlei Platz lässt für die Tätigkeit des besten Regisseurs von allen: der eigenen Pantasie nämlich, und genau das ist der Grund, aus dem für mich Hörbücher und Hörspiele immer eine Daseinsberechtigung haben werden: wegen der Gelegenheit zur Teilnahme der eigenen Vorstellungskraft.

Also: Licht aus. Ton ab.

Das 80-minütige Hörspiel ist auf CD für unter 10 Euro zu haben. Näheres inkl. Hörproben siehe hier: www.hoerbucht.de Und hier der Trailer:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

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