Die heilige Socke von Wanne-Eickel


Ein Beitrag von Gastautor, abgelegt unter Kino am 10.August 2009

Die Diskussion ist eröffnet: Christian Hellwig vom Blog “Kino, TV & Co.” mit einigen spannenden Bemerkungen zu Martinas Filmkritik.

Tom Cruise ist in Deutschland so umstritten wie nirgendwo sonst auf der Welt; hier kann man „nicht an Cruise als Stauffenberg denken – und dabei Scientology vergessen“

Jaja, das Wettern von Teilen der deutschen Politik und des Feuilletons waren in der Summe fast aufregender, als es der letztendliche Film geworden ist. Zumindest zeigte sich in diesem Zusammenhang mal wieder die immer noch virulente deutsche Unentspanntheit im Umgang mit der eigenen Geschichte. Die Mitgliedschaft von Cruise bei Scientology und das zähe Ringen um die Drehgenehmigung im Bendlerblock kamen in der Tat einem Schmierentheater aus deutschen Landen gleich. Jedoch darf man auch nicht unerwähnt lassen, dass dies nur die eine Seite der medialen Auseinandersetzung rund um einen Film war, den zu diesem Zeitpunkt noch niemand gesehen hatte: Vor allem die FAZ unter Schirrmacher hat „Valkyrie“ ebenso genüsslich zum umfassenden Erlöser des internationalen Deutschland-Bilds emporgejubelt, wie ihn die andere Seite schon mal prophylaktisch verdammt hat. Mir persönlich ist hinsichtlich der Bewertung des Films im Übrigen völlig egal, ob Tom Cruise Mitglied bei Scientology ist, oder gar Anhänger der heiligen Socke von Wanne-Eickel (So viel vielleicht schon mal vorweg).

Und das ist gelungen: das hypertrophierte Bild der Deutschen als in der Geschichte einmalig böses Volk von Mördern ist durch „Operation Walküre“ zweifellos aufgebrochen worden.

Und dieses Fazit ist dann wohl die konsequente Folge aus der in den vorigen Absätzen entworfenen (und gut zu lesenden) Argumentation. Aber warum eigentlich? Warum könnte dieser Film das Deutschlandbild in der Welt und in den USA entscheidend verändert haben? weiterlesen

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Ein Kommentar




„Operation Walküre“: ein klassisches Lehrstück


Ein Beitrag von Martina, abgelegt unter Kino, schönerverstehen:amerika am 9.August 2009

Martina setzt mit ihrer Filmkritik “Operation Walküre” unsere Serie schönerverstehen:amerika – die Amerikaner und ihr Deutschlandbild fort.

Zunächst einmal: Ich verstehe es! Ich verstehe die Schmallippigkeit und die ablehnende Haltung, die zu spüren war, als ich meinen ansonsten grundtoleranten und offenen SchönerDenkern beim letzten gemeinsamen Frühstück mitteilte, den Film “Operation Walküre” mit Tom Cruise als Claus von Stauffenberg besprechen zu wollen – und daß der Beitrag kein Verriß wird. (Zum Glück konnte ich zumindest bei dieser Gelegenheit erfolgreich verschweigen, daß ich auch durchaus gerne mal Richard Wagner höre, sonst hätte ich wohl das ein oder andere Buttermesserchen am Halse gehabt.)

Ja, ich weiß: Tom Cruise ist in Deutschland so umstritten wie nirgendwo sonst auf der Welt; hier kann man „nicht an Cruise als Stauffenberg denken – und dabei Scientology vergessen“ (Thorsten Dörting auf Spiegel online). Welche Hysterie dräute da schon weit vor Drehbeginn! Sektenexperten der Bundesregierung und der einzelnen Fraktionen traten medienwirksam auf, Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) polterte gegen Cruise, der Vorsitzende des Bundestag-Kulturausschusses, Hans-Joachim Otto (FDP), nannte die Besetzung der Stauffenberg-Rolle mit Cruise „instinktlos“, da die Scientologen eine „hochproblematische Organisation“ seien, die schon „viel Not über die Menschen“ gebracht habe, und der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Frank Henkel, empörte sich gar, daß der „mutige deutsche Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur“ nicht für die „PR-Zwecke einer gefährlichen und totalitären Psycho-Organisation wie Scientology“ mißbraucht werden dürfe. Auch der Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Uwe Benneter meinte: „Dies (Cruise als Stauffenberg) ist ein Schlag ins Gesicht aller aufrechten Demokraten, aller Widerstandkämpfer im Dritten Reich, aller Opfer der Scientology-Sekte.“

Und was ist nun, zu einem Zeitpunkt, nachdem der Film längst im Kino gelaufen und seit 20. Juli 2009 die Kauf-DVD im Handel ist, aus all dem Entrüstungs-Hype geworden? Aus Zorn, Erregung, Aufwallung, aus Geifern und Poltern wegen Cruises Mitgliedschaft bei Scientology?

Auch als Spielfilm an sich wurde „Operation Walküre“ bereits schon während der Planung und Entstehung in Deutschland (dort am heftigsten), aber auch in den USA kritisiert, verspottet, für unglaubwürdig und mißlungen erklärt; das Drehbuch wurde z.B. von der „Bild am Sonntag“ als „Lügendrehbuch“ diffamiert, und in Amerika hieß es, das Projekt sei keines für Cruise, „lauter Männer über dreißig, die keine Frau ins Kino locken werden, keinerlei jüdisches Publikum (ist) zu erwarten, und am Allerschlimmsten – kein Happy-End mit Sieg des Helden.“ (Roger Friedman für den Hollywood-Blog des Fox-News-Kanals). Man warnte: der Film sei ein echter Karrierekiller für Cruise.

„Die schärfsten Internetpropheten Hollywoods kannten kein Halten mehr, als sie die ersten Bilder von Tom Cruise mit Stauffenbergs Augenklappe sahen – sofort war das Wort vom ‚Nazi-Film’ in der Welt, und die Geschichtskundigen wiesen noch hämisch darauf hin, daß der Plot, Adolf Hitler in die Luft zu sprengen, am Ende ja wohl jämmerlich gescheitert sei.“ (Tobias Kniebe in der Süddeutschen Zeitung)

Nirgendwo schien man an den Erfolg des Drehbuchs von Christopher McQuarrie, die Umsetzung durch den Regisseur Bryan Singer und natürlich an den Hauptdarsteller Tom Cruise zu glauben – die  Gesamtheit der Vorverurteilungen faßte Tobias Kniebe sehr schön unter der Schlagzeile „Die Stunde der Besserwisser“ zusammen. weiterlesen

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20. Juli 1944: Helmuth James von Moltke
Unerfüllter Widerstand


Ein Beitrag von Christopher, abgelegt unter Buch, Juli am 20.Juli 2009

Christopher über Helmuth James von Moltkes Briefwechsel und sein Bekenntnis zu einem christlichen Deutschland

Für die „Zeit” waren sie das „ewige Paar”. Helmuth James von Moltke und seine Frau Freya führten, gemessen an dem was möglich gewesen wäre, eine kurze Ehe. Allen Schicksalsschlägen zum Trotz überdauerte ihre Beziehung den Tod. Auch nach der Hinrichtung Helmuth James von Moltkes am 11. Januar 1945 blieb Freya mit dem Leben ihres Mannes verbunden.

Moltke und seine Frau schrieben einander Briefe. Räumlich häufig getrennt, tauschten sie regelmäßig Erfahrungen, Beobachtungen und Erlebnisse aus. Immer wieder waren die Vorgänge in Berlin und Kreisau, waren die Kinder und die Landwirtschaft Gegenstand ihrer Gespräche. Gleichwohl überschritten die beiden „Ehewirte” in ihren Briefen die Grenzen der praktischen Kommunikation. Neben Alltäglichem prägte die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus das schriftliche Leben der beiden. Damit wurden ihre Briefe zugleich auch Dokumente des Widerstandes und der Selbstbehauptung. Freya von Moltkes Nachlass-Arbeit diente daher immer beidem: Dem Vergessen ihres Mannes entgegen zu wirken und ihre gemeinsame Geschichte zu bewahren.

Moltkes Weg in die Opposition

Mit dem Anspruch des Nationalsozialismus den „ganzen Menschen” besitzen zu wollen, wurden Grenzen überschritten, setzte die Vergewaltigung des Individuums ein. Helmuth James von Moltkes „Briefe an Freya” liefern dafür einen Beleg. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verschärfte die Situation und ließ aus Bedrängten Bedrohte werden. Moltkes Ablehnung des NS-Regimes und des von Hitler ausgelösten Krieges veranlasste ihn seit 1939 nach Gleichgesinnten Ausschau zu halten. Sein Weg in die Opposition vollzog sich jedoch schrittweise und blieb nicht frei von Widersprüchen.

Zwischen 1940 und 1943 sammelte Moltke in Kreisau Vertraute um sich und plante für die Zeit nach Hitler. Die Verhaftung Moltkes, seine Inhaftierung im Konzentrationslager Ravensbrück setzten dieser Entwicklung ein jähes Ende. Moltkes Aufenthalt „Im Land der Gottlosen” lässt ihn den KZ-Alltag aus der privilegierten Position eines Schutzhäftlings erleben. Seit 1944 prägen Ungewissheit und Todesahnungen die Briefwechsel und Tagebuchaufzeichnungen. weiterlesen

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“Operation Walküre”: Globales Kinoereignis


Ein Beitrag von Christopher, abgelegt unter Kino am 14.Februar 2009

“Operation Walküre” stieß in Deutschland teilweise auf heftige Kritik. Zu unhistorisch lautete der Vorwurf. Doch der Film ist besser als seine Kritiker wahrhaben wollen.

Es ist viel geschrieben worden über Claus Schenk Graf von Stauffenberg in den letzten Tagen und Wochen. Was ist geschehen? Mit dem Kinostart von „Operation Walküre“ kehrten die Ereignisse des 20 Juli 1944 auf die deutsche Leinwand zurück. Ein umstrittener Film über ein schwieriges Thema. Dennoch blieb die Kinokritik so vorhersehbar wie das Ende des Hitler-Attentats. Routiniert machte man sich auf die Fehlersuche, beschwor den Geist von Plötzensee und verlor sich in Detailstudien. Dank Jahrzehnte langer politischer Aufklärung versprüht Stauffenberg mittlerweile in Deutschland den Charme eines Staatsbegräbnisses: Wichtig, staatstragend aber auch ein wenig der Realität entrückt.

Eine komplexe Person

Stauffenbergs Hitler-Attentat oder der „Aufstand des Gewissens“, wie er später bezeichnet wurde, fand räumlich wie politisch in der Peripherie statt. Fernab der Metropole detonierte eine Bombe. Das “erlösende” Attentat fand im Hinterzimmer statt weiterlesen

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