FilmPodcast zwischen Kirk und Kitano

MORD IM ORIENT-EXPRESS: Es gibt nur Gott und den Schnurrbart

Mord im Orient-Express, Olivia Colman, Josh Gad, Willem Dafoe, Daisy Ridley, Tom Bateman, Michelle Pfeiffer, Derek Jacobi, Leslie Odom Jr., Penelope Cruz, Johnny Depp, Judi Dench, Kenneth Branagh © 2017 Twentieth Century Fox


Warum? Warum ein Remake? Kenneth Branagh hat nichts relevantes Neues beizutragen außer einem unübersehbaren Ego und einem ebenso unübersehbarem Schnurrbart. Die Requisiten und das Ensemble sind absolut exquisit, Edelkitsch vom Allerfeinsten – leider ohne Belang und ohne Timing. Und auf den zweiten Blick entpuppen sich die zuerst überwältigenden Landschaftsaufnahmen als Computeranimationen – direkt aus dem uncanny valley. Fazit der Üblichen Verdächtigen direkt nach dem Film: Sehr viel Schnurrbart, wenig Screentime für alle außer Kenneth und ein bisschen Langeweile. Am Mikrofon: Heidi, Johanna, Bettina, Katharina, Hendrik, Uwe und Thomas.
Thomas bittet die suboptimale Tonqualität zu entschuldigen – er hatte den Windschutz vergessen :-(
Wer sich für Zug-Filme an sich interessiert, dem legen wir unsere Jubiläumsserie „10Jahre10Filme10Züge“ ans Herz.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Mord im Orient-Express (Murder on the Orient Express)
USA 2017, 114 Min., Regie: Kenneth Branagh


Andere Menschen,
andere Meinungen

„Allerdings zeigt sich hier (mal wieder) Branaghs Liebe zu sich selbst. Der Brite dominiert jede einzelne Szene, alleine mit seinem imitieren Akzent und übergroßen Schnauzbart. Das fabriziert zwar immer mal wieder durchaus amüsante Momente, gleichsam erdrückt Branagh mit seiner Person aber auch alle anderen Charaktere. Nach Ende des Films werden die Figuren wohl alleine durch ihre Bezeichnung (die Gräfin, der Doktor, der Professor usw.) in Erinnerung bleiben, wenn überhaupt. Das angesprochene Setting ist ebenfalls etwas, dass vom Film in Eigenregie torpediert wird. So gelingt es der Kamera zwar die luxuriöse Enge des Orient Express durchaus gut einzufangen und ein klassisches, visuelles Gefühl für die Geschichte zu entfalten, sobald es Detektiv Poiriot aber nach draußen verschlägt, reißen die sichtlich am Greenscreen entstanden Naturpanoramen das Gesamtbild des Films wieder ein.“
Sebastian Groß für moviebreak

„Darüber hinaus interessiert sich Kenneth Branagh vorrangig an der Gemächlichkeit und Eleganz der Erzählung, anstelle auf seinen starken Spannungsbogen inklusive nervenaufreibender Suspense-Momente zu setzen. So wie der Zug im Schnee stecken bleibt, wirkt auch Murder on the Orient Express etwas aus der Zeit geworfen – und dennoch ist von diese kostbaren Gut nicht genug vorhanden, um sämtlichen Nebenfiguren die Aufmerksamkeit entgegenzubringen, die sie verdienen. Während Hercule Poirot routiniert im Zuge der einzelnen Verhöre an Facetten gewinnt, bleibt den meisten Charakteren nicht mehr als zwei, drei große Augenblicke, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen.“
Matthias Hopf für Das Film Feuilleton

Podcast-Tipp

Patrick und Daniel diskutieren über „Mord im Orient-Express“ im Podcast der „Letzten Website“



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