Zwischen Kirk und Kafka

The Future … revisited: „Phase IV“-Privatverkostung (Podcast)

Ameisenhorror, die Zweite. Im Podcast reden wir über eingebildete Bilder und realistische Aufnahmen, holpernde Szenen und schwache Charakterzeichnung. Und entdecken, dass Gott in diesem Fall weder eine Rolle spielt noch in irgendeiner Form erwähnt wird. „Andromeda Strain“ ist ein Thema und Hendrik erklärt, wie Regisseur Saul Bass die Ameisen Geschichten erzählen lässt – ohne Worte, sogar ohne Mimik:


(Bild von von ThiagoSposito / Creative Commons-Lizenz BY 3.0 Unported)

Für Hendrik ist „Phase IV“ ein Privatklassiker, für mich dagegen eine akustische SF-Früherfahrung, denn ich durfte den Film nicht sehen. Aber als Kind ist man ja gerissen und so habe ich mir den ganzen Film durch einen Türspalt angehört. 35 Jahre später werden die Bilder, die ich mir damals vorgestellt habe (riesige Ameisen!) durch die richtigen Bilder überlagert. Und das stärkste Bild dieses frühen (vielleicht ersten) Ökothrillers von 1974? Definitiv Kendra, die eine Ameise betrachtet, die in einem Glasbehälter gefangen ist. Im Vordergrund ganz nah und scharf die Ameise, im Hintergrund – leicht unscharf – das Gesicht Kendras, fast nur die Augen der jungen Frau. In Wirklichkeit ist es die Ameise, die die Menschen beobachtet. (Dieses Bild ist gemeint.)

In Phase IV bahren die Ameisen ihre Toten auf – sehr beeindruckend, weil ein Totenritus als ein subtiles Zeichen nicht nur für Intelligenz sondern auch für Kultur gedeutet werden kann. Die im Film gezeigten Bilder der Ameisen hat übrigens Ken Middleham aufgenommen, der 1970 auch Kameramann war bei „The Hellstrom Chronicle“, einer Dokumentation über Insekten, die nahelegt, dass Insekten uns überlegen sein könnten. Wirft man einen Blick in diese Dokumentation, fallen einem mehr Gemeinsamkeiten mit „Phase IV“ auf als nur der Kameramann:

Andere Meinungen

Tumulder (Zeitverschwender) sieht den Film politisch:

„Phase IV ist ein höchst politischer Film, erscheint er vielleicht auf dem ersten Blick als New Age Horror, der Wissenschaft und menschliche Arroganz gegenüber der Natur an eben ihrer eigenen Kraft scheitern läßt, versteckt sich doch in ihm mehr als eine Allegorie zum Kalten Krieg. Es ist kein Zufall, daß Hubbs und Lesko einem Gegner gegenüber stehen, der vielleicht technisch unterlegen ist, durch seine Homogenität und Masse jedoch die vielfache Stärke eines seiner einzelnen Individuen erreicht. Ganz dem westlichen Bild einer kommunistischen Welt entsprechend. „

Jens Adrian (Treffpunkt: Kritik) zeigt, dass der Film nicht wirklich gut gealtert ist:

„Gewohnt hölzern gespielt, interessieren die Figuren nur am Rande. Sie sind Mittel zum Zweck einer Aussage, die sich interessanter und vielschichtiger anhört, als sie dargebracht ist. Das macht die Umsetzung von Regisseur Saul Bass mit ihrem künstlerisch angehauchten Bilderreigen und den verblüffenden Realaufnahmen verschiedener Ameisenkolonien nicht schlecht, doch bindet die Geschichte die Zuschauer nicht ein und arbeitet auf eine Auflösung hin, die denkwürdiger anmutet, als es das voran Gezeigte rechtfertigen würde.“

Stefan Knoke (Movienerd) zieht ein sehr positivies Fazit:

„Die schauspielerische Darbietung ist teilweise schon etwas amüsant und der Verlauf der Handlung etwas überstürzt und sprunghaft. Nichtsdestotrotz bleibt am Ende ein unheimlich beklemmender Science-Fiction Film, der ohne große Schockeffekte eine extrem unheimliche Atmosphäre vermittelt. Dann wiederum sind es eigentlich doch all seine Effekte, die dazu führen, doch ist es kein Blutvergießen, kein übertriebenes Morden, sondern ganz intime (Trick-)Aufnahmen einer Welt, die sonst ganz im Verborgenen liegt.“

Christian Lorenz (Grauen II) verweist auf die Änderungen, die von den Produzenten erzwungen worden sind:

„Leider zwangen die Produzenten den Regisseur dazu, neben einigen kleineren Szenen auch das ursprünglich vorgesehene Ende komplett herauszuschneiden. Ganze acht Minuten fielen so der Schere zum Opfer. Interviews zufolge bot die erste Fassung des Finales einen mystischen Licht-Trip, der wohl zu stark an Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum erinnert hatte.“

Und als Schluss- und Höhepunkt ein Zitat aus dem sehr klugen und lesenswerten Beitrag von Scott Ashlin (1000misspenthours):

„The entire point here, after all, is that the challenge posed by the intelligent ants is one that can’t really be met with firepower. This isn’t war we’re talking about, but evolutionary change. Modern man is so far removed from the days in which he existed at the same level as the rest of the biosphere that most of us have never stopped to consider what it would be like if we had meaningful ecological competition. By positing a rival for humanity that is too small to be hunted, too adaptable to be poisoned out of existence, and at least potentially too ubiquitous to be quarantined, Phase IV forces just such a consideration. „

Quelle: Hendrik Schulthe und Thomas Laufersweiler / SchönerDenken

Schreibe einen Kommentar

Standard-HTML ist erlaubt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Abonnieren Sie die Kommentare zu diesem Beitrag über RSS