Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

American Dreamz – Alles nur Show

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Genau in vier Wochen wählt das amerikanische Volk den mächtigsten Mann der Welt. Der Präsident der Vereinigten Staaten … das Amt an sich ist schon eine Ikone der Populärkultur, inklusive White House, Oval Office und Air Force One. In einem Monat endet die Amtszeit des Präsidenten, dem das öffentliche Wohl weniger bedeutet hat als je einem seiner Amtsvorgänger. Und der nächste Präsident wird vielleicht zum ersten Mal ein Farbiger. Die Wartezeit vertreibt Ihnen SchönerDenken mit der Serie „All the Presidents“. Hier geht es immer wieder um den US-Präsidenten, in der Musik, in Büchern, im Fernsehen und im Kino.

Martina beginnt unsere kleine Reihe mit einer leichten US-amerikanischen Komödie aus dem Jahr 2006.

„American Dreamz“ ist die große Schwester von „Deutschland sucht den Superstar“, eine beliebte Casting Show mit hohen Einschaltquoten. Ihr Moderator ist Martin Tweed, auf eine abgefuckte Art sexy, zynisch und ein wenig geckenhaft, in jedem Fall beim Publikum sehr beliebt – im Film kongenial verkörpert von Hugh Grant.

Die zwei wichtigsten Protagonisten der neuesten Staffel von „American Dreamz“ sind Sally Kendoo, eine singende Blondine aus der Provinz, die für ihre Karriere alles tut, und Omer Obeidi, ein musicalverrückter Araber, der eigentlich in einem Terrorcamp für den Großen Djihad ausgebildet und als „Schläfer“ in die USA zur Familie seines reichen Onkels geschickt wurde, sich aber wesentlich mehr für den Broadway interessiert. Da er als Kämpfer eine ziemliche Niete war, soll er eigentlich nie aktiviert werden – bis er jedoch einen Platz bei „American Dreamz“ bekommt und dort das Publikum durch seine etwas antiquierte Art des Singen und Tanzens, seine Naivität und den arabischen Akzent gewinnt – er ist schräg und liebenswürdig zugleich und schafft es bis ins Finale.

Genau dieser Erfolg aber führt dazu, daß Omer als Heiliger Krieger „erweckt“ werden soll, denn – und hier kommt unser Thema ins Spiel – der amerikanische Präsident, der dringend eine volksnahe Imagekampagne benötigt, wird beim Finale der Show live im Studio sein. Omer soll sich mit einem Bombengürtel in der Nähe des Präsidenten in die Luft sprengen.

Nicht nur auf „American Dreamz“ und den Teilnehmern und damit verbunden auf satirischen Seitenhieben auf das amerikanische Showbiz und viel schwarzem Humor liegt der Schwerpunkt der kurzweiligen Komödie, sondern vor allen Dingen kreist die Story auch um den Präsidenten der Vereinigten Staaten, der ohne Vornamen daherkommt und schlicht „Präsident Staton“ heißt.

Überzeugend gespielt von Dennis Quaid durchlebt der Präsident eine schwere Sinnkrise – denn er hat tasächlich angefangen zu lesen und sich selbst seine Meinung zu den Dingen zu bilden. Deshalb bleibt er lieber im Bett, anstatt zu regieren und sich in der Öffentlichkeit blicken zu lassen und liest und liest und liest … sein Weltbild bricht binnen kürzester Zeit zusammen, denn er bemerkt, daß die Realität deutlich anders ist als das, was ihm seine Berater bislang vermittelt haben.

Nur durch Tabletten überhaupt gefügig gemacht, willigt er nach Wochen des Rückzugs in eben jene Imagekampagne ein, die ihn als Stargast bei „American Dreamz“ anwesend sein läßt. Das furiose Finale zu beschreiben spare ich mir, denn vielleicht mag sich der ein oder andere den Film noch anschauen. Ich halte ihn für eine gelungene Medien- und Realsatire, die noch tiefer hätte gehen können, aber prächtig unterhält und mit wirklich guten Schauspielern aufwartet. Prädikat: gerne gesehen!