Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Secret Honor

Am 4. November wählt das amerikanische Volk den mächtigsten Mann der Welt. Der Präsident der Vereinigten Staaten … das Amt an sich ist schon eine Ikone der Populärkultur, inklusive White House, Oval Office und Air Force One. Die Wartezeit bis zur Wahl vertreiben wir Ihnen mit der Serie “All the Presidents”.


„Secret Honor“ von 1984 blüht im Vergleich zu „All the President’s Men“ eher im Verborgenen, ist allerseltenst im Fernsehen zu sehen und schon gar nicht im Kino, trotz guter Kritiken, einem überragenden Hauptdarsteller – Philip Baker Hall – und seinem Regisseur Robert Altman. Das liegt natürlich in erster Linie an der für viele sicherlich erst mal schwer verdaulichen äußeren Form des Kammerspiels – das Werk wurde zunächst als Theaterstück aufgeführt und fußt ausschließlich auf einem fiktiven Monolog Richard Nixons, in dem er sein Verhalten während des Watergate-Skandals rechtfertigt.

Nixon ist hierbei nicht der rhetorisch gewiefte, strahlende Redner, sondern das genaue Gegenteil, nervös, stotternd, jähzornig, paranoid, verzweifelt – und gottlos betrunken. Die „One-Man-Show“ des Philip Baker Hall ist so beeindruckend, daß ein zeitgenössischer Kritiker schrieb:

„Philip Baker Hall doesn’t simply portray Nixon, he inhabits him. The familiar hunched shoulders and odd poses employed by every Nixon impersonator, in Hall’s hands seem less like imitation than brilliant artistic choices, revealing the inner struggles of a remarkable, tormented man.“

Natürlich ist der Film Fiktion, aber eben eine solche, die eine Form von tieferer Wahrheit beinhaltet, gepaart mit einer effektiven Geschichtslektion. Ein Theaterstück – und gerade ein Einpersonenstück – filmtauglich zu machen, ist eine echte Herausforderung, der Altman mit Bravour begegnet; er dreht die Schraube von Paranoia, Verleugnung, Leiden, Gebrochenheit, Schmähung, Selbstbezichtigung, Selbstmitleid, Intimität und Klaustrophobie immer fester, bis der Zuschauer nur noch atemlos folgen kann. Altman inszeniert – auch durch die brilliante Kameraführung von Robert Harders und Pierre Mignot – gerade das Ende auf so eine „dunkle“ Art und Weise, daß noch lange nach dem Abspann ein unbehagliches und in gewisser Weise „unordentliches“ Gefühl zurückbleibt, so als sei das vorher trennscharfe Schwarz-Weiß-Gut-Böse-Spiel für immer eine graue Fläche geworden.