Die „Anonymen Sterblichen“

PJ liest Arto Paasilinna: „Der Wunderbare Massenselbstmord“

Sie nennen sich die „Anonymen Sterblichen“ und diese 30-köpfige Gruppe aus Finnland reist in einem supermodernen Reisebus quer durch Europa, vom Nordkap bis an die Algarve. Das Ziel der Frauen und Männer unterschiedlichen Alters – ein gemeinsamer Massenselbstmord. Der Bus soll mit ihnen in eine Schlucht oder über eine Klippe ins Meer stürzen.

Denn Skandinavien, insbesondere Finnland, wird von Depressionen heimgesucht, die gerade nach den langen Wintermonaten, wenn alles in mit-sommerlichem Überschwang feiert, bei vielen Finnen zum Ausbruch kommen. Begonnen hat das ganze Unternehmen mit dem gescheiterten Selbstmord der beiden Führer, einem Oberst ohne besondere Aufgaben im Generalstab und einem pleite gegangenen Wäschereidirektor.

Sie versammeln weitere Suizid-Entschlossene um sich und wollen das ganze geordnet in die Wege leiten. Es sei nur soviel gesagt: In Grenzsituationen verspürt der Mensch einen unstillbaren (Über-)Lebenswillen und so ergeht es auch den anonymen Sterblichen …

Paasilinna gelingt es, das todernste Thema mit staubtrockenem Humor in eine skurille und dennoch lebensnahe Geschichte einzupacken, so daß der Leser stellenweise laut lachen muß und immer neugieriger auf den Schluß wird. Denn die Truppe der „Anonymen Sterblichen“ genießt ihre Europatour in vollen Zügen, man mag kaum glauben daß der wunderbare Massenselbstmord wirklich vollzogen werden könnte. Mehr soll nicht verraten werden, denn das Buch lebt von dieser Spannung zwischen geniessender Lebenlust und immer wieder deutlich deklarierter Selbsttötungsabsicht.

Arto Paasilinna
Der Wunderbare Massenselbstmord
Lübbe-Verlag
7,95 Euro
ISBN 978-3404921683

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