Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

„Im Winter ein Jahr“

Es soll im Film „Im Winter ein Jahr“ ums Malen gehen, hat mir jemand gesagt. Und da ich selbst ein wenig mit Farben hantiere, interessierte mich der Film. Der Titel sagte mir nichts, auch während des Films dämmerte es erst allmählich, dass er von einem Ereignis handelt, das im kommenden Winter (der Film spielt im Herbst) ein Jahr zurückliegt. Es geht schon ums Malen, das aber erst später. Zuerst geht es um eine Familie, die Mutter (Corinna Harfouch) eine erfolgreiche Innenarchitektin, der Vater (Hans Zischler) ein renommierter Wissenschaftler und Fachbuchautor, die Tochter (Karoline Herfurth) mehr oder weniger ehrgeizige Tanzelevin und der Sohn, von dem man anfangs nur erfährt, dass er den ersten Schnee über alles liebt. Genauer gesagt, liebte – denn er verschwindet recht bald aus der Szenerie. Nun will die Mutter ein Bild von Tochter und Sohn bei einem renommierten Maler in Auftrag geben. Beide sollen abgebildet werden, obwohl – erfährt man im Gespräch mit dem Maler (Josef Bierbichler) – der Sohn tot ist. Im Winter ein Jahr. Und jetzt geht es ums Malen und zwar ums ernsthafte Malen. Denn der Maler kniet sich rein, er will sich ein Bild machen, bevor er anfängt, fragt nach Fotos, redet mit der Tochter, und das alles löst viel, fast zuviel aus. Den Rest sollte man selbst erleben, erfahren. Ein Familiendrama, das die Beteiligten nicht wirklich wahrhaben wollen; tiefe, oft verzweifelte Gefühle; die Entfremdung innerhalb einer Familie; die (lebens-)klugen, fast einsilbigen Bemerkungen und Fragen des Malers, der selbst auch nicht das leuchtende Beispiel intakten Familienlebens bietet.

Dazu eine fast minimalistische Musik von Niki Reiser, die ihr Ziel, eher unterschwellig und unaufdringlich zu wirken, bestens erreicht. Sicher, man kann über die reportagehafte Kamera und einige unruhig machende, springende Schnitte diskutieren, doch an der subkutanen Gesamtwirkung ändert dies nichts. Oscar-Preisträgerin Caroline Link ist ein Film der starken Emotionen gelungen, dessen Wirkung recht weit oben der auf der Nachhaltigkeitsskala rangiert. Und man erfährt ganz nebenbei, was ernsthaftes Malen, was Kunst (manchmal) bewirken kann …

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„Echtes und durchaus schmerzhaftes Leben“ entdeckt Thomas Lenz. Der Film wirkt noch lange nach, sagt Marcus Wessel. Aus Regisseursperspektive betrachtet Roland Zag den Film. Und hier der Trailer: