Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

„Madame de“: Man kann an gebrochenem Herzen sterben

Prof. Pu empfiehlt: „Madame de“ von Louise de Vilmorin

An Schnitzlers Reigen erinnerte mich die Geschichte über Madame de, einer adlige Dame der französischen High Society der 1950er Jahre. Sie geniesst Ansehen, wird für ihre Eleganz geschätzt:

Sie gab in ihrer Gesellschaft den Ton an, und weil die Männer sie für unnachahmlich erklärten, bemühten sich die auf Wirkung bedachten Frauen, sie zu imitieren, einen Hauch von Ähnlichkeit zu erzielen, um wenigstens ein Echo der Komplimente zu bekommen, die Madame de unentwegt erhielt. (…)
Monsieur de war sehr wohlhabend, er war stolz auf seine Frau und versagte ihr nicht einen Wunsch.

Leider neigt sie zu dem, was man heute Kaufsucht nennt. Um ihre Schulden vor ihrem Ehemann zu verbergen, verkauft sie ihre kostbaren Ohrringe und behauptet später auf einem Ball, sie habe sie verloren. Im Laufe der Geschichte wird sie sich unsterblich-unglücklich verlieben, werden die Ohrringe zu ihr zurückkehren. Am Ende wird der Juwelier die Ohrringe viermal in Zahlung genommen und wieder verkauft haben. Er wird der einzige Gewinner in dieser kleinen Geschichte bleiben. Reizvoll, sich auszudenken, was geschehen wäre, hätte der Juwelier geschwiegen und alle anderen miteinander geredet. Traurig das Ergebnis von Contenance und falschverstandenem Stolz.


Die Autorin 1955

Zu Unrecht war der Roman aus dem Blickfeld verschwunden. Dank des Medien-Rituals, nach Jahrestagen zu fahnden, ist er zum 110. Geburtstag der Autorin neu übersetzt worden. Louise de Vilmorin war mit Antoine de Saint-Exupéry verlobt und lebte lange mit André Malraux zusammen, der sie zum Schreiben animierte. Sie veranstaltete literarische Salons, in denen die französischen Intellektuellen ein und aus gingen. Max Ophüls verfilmte den Roman im Jahr 1953 mit Danielle Darrieux und Vittorio de Sica (hier ein Ausschnitt).

Louise de Vilmorin
Deutsch von Patricia Klobusiczky
Madame de
Dörlemann € 15,90
978-3-908777-74-8

Quelle: Petra Unger/SchönerDenken