Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Podcast 11: Dodkins Job


Hendriks imaginäre Anthologie,
NICER FICTIONS, Band 1
Fünfte Geschichte
Jack Vance
DODKINS JOB
(Dodkin’s Job, 1959)

Tief im Herzen war er gar kein Nonkonformist, war es nie gewesen. Luke war für die obersten Stufen geboren, und durch gute Beziehungen hatte er gleich einen hohen Status in der Organisation erhalten. Aber die Umstände und seine chronische Aggressivität hatten ihn ständig gegen eingefahrene Geleise aufbegehren lassen, und so war er die Statusleiter hinuntergerutscht, bis er nun als Versager, Klasse D, vor der endgültig niedersten Stufe stand – und immer noch war er zu eitel, eine Schaufel zu tragen.

Man kann es gar nicht oft genug klarstellen: Science Fiction ist eine besondere Art, Geschichten zu erzählen, sie definiert sich nicht durch ihre futuristischen Requisiten. Sie ist eine spezielle Art, erzählerisch die Welt zu betrachten und spielerisch Perspektivenwechsel zu versuchen: dem „Es ist“ das „Was wäre wenn“ zur Seite zu stellen, und auf dem Umweg über das „Stell dir vor“ gelingt nicht selten ein neues und vertieftes „Ach deshalb ist“.

Es ist schon komisch, daß eine Lebensform, die ihre zeitweilige Vorherrschaft in bestimmten Bereichen der moleküldünnen Ökosphäre eines Sandkorns inmitten der Unendlichkeit weitestgehend ihrer Fähigkeit verdankt, über aktive Veränderungen ihrer Umwelt nachzudenken, sich oft so schwer damit tut, das Hebelprinzip der Vorstellungskraft zu begreifen.

„Dodkins Job“, mein zweiter Geschichtenfavorit von Jack Vance, erinnert uns daran, wo die eigentlichen geistigen Erstkontakte stattfinden: Nicht die Raumschiffkapitäne, phaserbewerten Outlaws und lichtjahrevermessenden Forscher sind die Figuren, die uns Lesern das wahrhaft Andere (oder den Kern des Eigenen wahrhaft anders) vorstellen; oftmals sind es die Nichthelden – Streuner, Diener, Sekretärinnen, Hausmeister oder ungelernte Arbeiter, denen das gelingt. Und gerade die hier naheliegende Frage, ob diese Geschichte wirklich so fern von unserer bürokratischen Wirklichkeit stattfindet, qualifiziert sie als SF im allerbesten Sinne. Sie werden nach der Lektüre graubekittelte ältliche Männer, die aus unscheinbaren „Nur für Personal!“-Türen treten, mit ganz anderen Augen sehen.

Ich fand diese Geschichte in: „Staub ferner Sonnen“, Heyne Verlag, München.