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Dietmar Bertram und Christoph Maasch, zwei Stimmen aus der Sprechbude, stimmen uns ein auf „Titus Andronicus“, das blutrünstige Shakespare-Spektakel – gäbe es einen sechsten Akt, wären die Schauspieler wahrscheinlich auf die Zuschauer im ersten Rang losgegangen, sagt Harold Bloom.

„Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert fallen, Wer den Wind sät, erntet den Sturmwind, Auge um Auge Zahn um Zahn!“

Thomas erinnert sich: Um „Titus Andronicus“ hatte ich immer einen Bogen gemacht. Das war auch nicht schwer, steht ja selten genug auf dem Spielplan. Das ging solange bis der befreundete Regisseur und Schauspieler Christoph Maasch den Titus als fünfteilige Shakespeare-Soap unter dem Titel „SPQR/Reloaded“ inszenierte. Also saß ich in einem als Restaurant eingerichteten Kulturzentrum an einem Tisch und befand mich gleichzeitig im Zuschauerraum und auf der Bühne. „Titus“ ist das brutalste Stück Shakespeares und da ließ auch Christophs Inszenierung nicht den Hauch eines Zweifels.

In die Begeisterung über die Inszenierung mischte sich aber auch der Schrecken durch Splattereffekte – nervenschonende innere Distanz lässt sich nicht aufrechterhalten, wenn eine vergewaltige junge Frau eine Handbreit neben einem steht und wimmert. Schreien konnte sie nicht, denn die Vergewaltiger hatten ihr die Zunge herausgerissen. Da stand sie und das Blut tropfte aus ihren Armstümpfen (die Vergewaltiger hatten ihr die Hände abgeschlagen). Und sie hörte einfach nicht auf mit dem Wimmern und dabei tropfte und tropfte es dunkelrot aus ihren Ärmeln. Das ging mir auch nach dem Theaterabend nicht aus dem Kopf, auch nicht am nächsten Tag. So hätte Tarantino Titus inszeniert, wenn er was von Theater verstünde. Und für mich bleibt es das schrecklichste, schönste und schaurigste Theatererlebnis … so far.

Und wer jetzt Lust bekommen hat, der schaut sich den Titus heute abend an, mit Anthony Hopkins in der Titelrolle, bei 3sat, um 22:25 Uhr (Donnerstag, 20. März). In der Fassung von Julie Taymor, USA/Italien 1999 in deutscher Erstausstrahlung – auch wenn Hendrik sie als reichlich unfiligran und kühlmonströs inszeniert empfindet 🙂

Hier das Shakespeare-Programm bei 3sat im Überblick

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