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Das Moleskine-Notizbuch: Der Maulwurf in der digitalen Welt
Ein Beitrag von Nicole, abgelegt unter Blogparade am 10.November 2009
Nicole will’s wissen: Wie halten wir es mit Notizbüchern?
Was da Ende der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts seine Wiedergeburt feierte, war eine Herausforderung an die junge, digitale Generation, die zwar schnell tippen konnte aber keine echte Handschrift mehr besaß. Jung wie alt wurde gleichermaßen infiziert von den 9 x 14 Zentimetern. Rasant eroberte die Maulwurfshaut Rucksäcke von Webbern der zweiten Generation und elegante Designer-Handtaschen, nahm ihren Platz ein neben Palms, Subnotebooks und i-Phones. Und es gab Nachahmer, zahllose, die aufsprangen auf den Zug der Zeit und Replikate schufen, manche besser, manche schlechter als das Original, aber alle mit einem Ziel, Heimat für zu Papier gebrachte Skizzen und Gedanken zu sein.
+++ Moleskine – Der Maulwurf in der digitalen Welt Dieser Beitrag ist der Start einer Blog-Parade von SchönerDenken. Wir rufen jeden bloggenden Notizbuchbenutzer auf, seine oder ihre “Moleskine-Geschichte” auf seinem Blog zu erzählen. Welche Notizbuch-Geschichten können Sie erzählen? Seit wann haben Sie ein Moleskine und was vertrauen Sie ihm an? Bitte schreiben Sie die Links zu Ihrem Blogbeitrag in einen Kommentar zu diesem Beitrag. Oder einfach die Geschichte direkt in unser Kommentarfeld schreiben. Diese Blogparade läuft bis zum 1. Dezember 2009 und wird am Ende alle Notizbuchgeschichten in einem Beitrag versammeln. +++
Moleskine, das ist das legendäre Notizbuch, das die Pariser Künstler- und Literaturszene der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für ihre Aufzeichnungen nutzte. Gemacht aus schwerem Baumwollstoff, unkaputtbar, mit einem Gummiband versehen, mit dem man das Buch schließen konnte und einer Innentasche für Reisereminiszenzen: Bons, Eintritts- und Visitenkarten und vieles geheimnisvolle mehr. Vincent van Gogh soll es genutzt haben, Pablo Picasso, Ernest Hemingway. Und Bruce Chatwin, dem es ein besonders treuer Reisegefährte gewesen sein soll und der mit den Worten zitiert wird:
Losing my passport was the least of my worries, losing a notebook was a catastrophe.
Als die Produktion der kleinen schwarzen Bücher 1986 in Frankreich eingestellt wurde, soll er tieftraurig gesagt haben:
Le vrai moleskine n’est plus …
Doch seit einigen Jahren gibt es sie wieder. Die italienische Firma Modo & Modo hatte 1998 die brilliante Idee, das Notizbüchlein wieder aufzulegen. Mit enormen Erfolg. Wer heute intellektuell dazugehören will, zieht leger sein Moleskine aus der Jackentasche und notiert seine Gedanken, während er seinen Espresso schlürft. Moleskine, das ist der Inbegriff für Kultur, Weltgewandtheit und Persönlichkeit.
Erstaunlich ist es nicht, dass sich das anachronistisch anmutende Notizbuch im digitalen Zeitalter so großer Beliebtheit erfreut. Die Hersteller der „Maulwurfshaut“ jedenfalls haben den scheinbaren Spagat zwischen der alten und der neuen Welt spielend geschafft. Wer sich auf ihre Homepage begiebt, kann sich mit Moleskinecity auf eine globale Reise begeben und Blicke werfen in die Notizbücher von Menschen aus aller Welt.
Aber egal ob Moleskine oder billiges Imitat. Damals wie heute kommt es auf den Inhalt an. Es gibt viele, die sich die schönsten und teuersten Notizbücher kaufen und keine Zeile hineinschreiben, aus Angst vor dem weißen Blatt Papier. Und es gibt jene, die am Fließband Notizbücher füllen ohne das jemand sie jemals lesen wird. Vielleicht ist Moleskine ja nur ein Ausdruck für den Wunsch vieler, mehr zu hinterlassen, als flüchtige Spuren in einer digitalen Welt.
Tags:Moleskine, Nicole, Notizbuch



















Wer schöner denken will, sollte auch mal überprüfen, _was_ er denkt: die Moleskines haben mich nie überzeugt, sie verlieren zu schnell an Haltung, bekommen einen schiefen Rücken und das Papier ist nicht wirklich von guter Qualität. Noch dazu sollten Individualisten nicht einem Marketingmärchen aufsitzen (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/376/316261/text/) sondern mal bei Buchbindern und ähnlich versierten Menschen schauen, was es dort an qualitativ hochwertigen und tatsächlich einzigartigen Notiz- und Skizzenbüchern gibt. Das sind keine “billigen Imitate”, sondern richtig gute Handarbeit. Als erste Anlaufstelle empfehle ich DaWanda.
Nein, ich bin kein Individualist, eher wie der unerträglich hochnäsige Autor des zitierten Süddeutschen-Beitrags mich nennen würde: ein Poser. Andererseits sind die von der “Leserin” so geschmähten Hefte von Modo&Modo besser als viele Konkurrenzprodukte, denn hergestellt werden die alle in China. Oh Entschuldigung, bis auf die individuellen Einzelstücke für Individualisten im einzigartigen DaWanda. Was ich allerdings nicht wusste, ist, dass die Geschichte mit den alten “originalen” Notizbüchern nicht nur mächtig aufgehübscht ist, sondern vollständig erstunken und erlogen. Darum werde ich, wenn ich mein nächstes Moleskine kaufe, breit grinsen über meine eigene Einfältigkeit als Kunde.
Also, ich breche mal eine Lanze für das klassisch-schöne-strenge Moleskine, das ich seit Jahren als dicken fetten Kalender und als schmales elegantes Notizbuch benutze und das NOCH NIE IN ALL DIESER ZEIT einen “schiefen Rücken” bekam oder dessen Papier “von nicht wirklich guter Qualität” war – im Gegenteil. Mein Tintenroller gleitet über das Papier wie es sein muß, und auch nach 365 stark genutzen Tagen fällt nichts auseinander. Mag sein, daß “eine Leserin” geklöppelte Häkelheftchen von DaWanda sehr viel besser/schöner findet, das sei ihr unbenommen, aber genauso genieße ich meine Moleskines!
Ich schreibe schon seit Jahren Notizbücher voll. Von welchem Hersteller sie sind, ist mir völlig egal. Ich suche immer nach schönen Notizbüchern – in Buchhandlungen, Billigshops oder im Internet. Ohne diese Notizen könnte ich mir mein Leben gar nicht mehr vorstellen. Ich halte dort meine Gedanken fest, ähnlich eines Tagebuchs. Ich habe zwischenzeitlich eine ansehnliche Sammlung vollgeschriebener Notizbücher, die ich in schönen Kartons sammele. Hin und wieder schau ich nochmal rein, um zu sehen, wie sich meine Einstellung oder meine Gedanken zu einem Thema verändert haben. Ist wirklich interessant :-)
… und hier, zur Abwechslung mal als Beitrag auf unserer eigenen Editionshomepage, mein Beitrag zu Nicoles schöner blogparade:
http://www.hahn-im-mohn.de/2009-11%20-%20Blogparade%20Moleskine%20(Hendrik%20Schulthe).pdf
Angefangen habe ich mit ganz normalen A4-Heften und billigen Chinaimport-Kladden, alle kariert. In Wien war ich einige Jahre den gebundenen Blanko-Büchern der ›Vienna Factory‹ treu. Gabs nur in einem Schreibwahrenladen bei mir um die Ecke in der Sechshauserstraße. Die Firma ist inzwischen pleite, nachdem was ich so höre.
Erst in Frankfurt, vor etwa 10 Jahren, wurde ich zu einem Moleskin-Mann (mit Ausnahme einer dicken, gebundenen A4-Leuchtturm-Kladde, blanko, für großere Skribbels).
Blick auf mein Kladdenarchivregal. Sind nicht sooooo viele Moleskins zu sehen. Die meisten fliegen in meiner Bude in verschiedenen Taschen herum und einem anderen Regal herum, wo ich Expertien-Moleskins in A5 aufhebe.
Überhaupt: heutzutage bin ich ein ziemlicher Schlendrian, was meine Tage- und Skribbelbuchführung angeht. Okey: das hochformatige A5-Moleskin wird recht ordentlich hauptsächlich für meine Portraitzeichnungen und die ein oder andere Improscape genutzt. Aber meine Notiz-Moleskins sind ein einziger Verhau. Früher habe ich ein Tagebuch brav fast täglich mit einem Eintrag versehen. Nun sind die verschiedenen Gedankenstützen für Rezis und längere Artikel wild kreuz und quer in zig angefangenen Moleskins verstreut. Waren Listen und Kapitelübersichten einst ein selteneres Gewürz, dominieren sie nun die Seiten meiner diversen Moleskins. Zuweilen hege ich die Illusion, es gäbe ein System in der Art, wie ich zwischen den verschiedenen Heften wechsele. Aber wenn ich mit kritischem Auge und beim Versuch, bestimmte Notizen zu finden die Molsekins durchforste, stelle ich fest, dass es wohl das Diktum des Augenblicks ist, welches Heft ich für unterwegs mitnehme und welche Inhalte darin landen.
Hier meine derzeit ›aktiven‹ Moleskins auf einen Blick.
Was könnt Ihr sehen? (Von links oben nach rechts unten.)
Rechts oben ist ein großes quadratisches Soft-Moleskin, liniert, mit einem »Adele«-Aufkleber der edition moderne. Da führe ich meineLektüre- sprich: Rezesionsnotizen, wenn ich zuhause bin. — Daneben ein A6-Reportermoleskin, kariert, das ich unterwegs hernehme, z.B. wenn ich in Leipzig oder Frankfurt auf der Buchmesse rumgurke, oder wenn ich Termine bei nem Amt oder bei meinem Arbeitgeber habe. Aufgeblättert ist die Seite bei der Matt Ruff-Lesung 2008 (English Theatre, Frankfurt). — Aufgeschlagen bei meiner Kapitelzusammenfassung von Moorcocks »Byzantinum Endures« ist mein aktuelles gebundenes A5-Moleskin, das ich unterwegs und zuhause nutze. — Rechts oben sind drei bunte A5-Hefte zu sehen. Im blauen (liniert) befinden sich z.B. Personenübersichten zu meinen Pynchon-Lektüren. Im roten (blanko) verschiedene Übersetzungsbrocken für Molochronik-Einträge. Im beschen (liniert) wollte ich eigentlich meine PS3-Erlebnisse festhalten, aber derweil wuchert hier eine ausführliche »Snow Crash«-Zusammenfassung. — Links unten aufgeschlagen mein blanko A5-Querformat-Moleskin mit dem Improscape »Ich glaube, ich sehe da einen Weg« (und einem durchschimmernden alten Borges). — Zuletzt mein unentbehrliches Tageskalender-Moleskin (vom letzten Jahr) für die Arbeit.
In der Mitte eine Auswahl meiner Stifte, mit denen ich gerne auf das gute Moleskin-Papier schreibe und zeichne. Allermeistens verwende ich HB- und 2B-Druckbleistifte, Faber-Castell Grip 2001 und Junbo Grip, rote und grüne Stabilo Point-Stife, Stylo refill MLJ20 und aktuell Stabilo bionic (bin aber nicht zufrieden mit denen).