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„Anleitung zum Unglücklichsein“: Vom Wegklatschen der Elefanten

Prof. Pu empfiehlt: “Anleitung zum Unglücklichsein” von Paul Watzlawick

Von meinen Kinder- und Jugendbüchern abgesehen, gibt es es nicht einmal eine Handvoll Bücher, die ich mehrmals gelesen habe. Watzlawicks Leitfaden gehört dazu.

Als ich ihn 1983 zum ersten Mal las, löste es Aha-Effekte und Verblüffung aus. Beim zweiten Mal wollte ich prüfen, ob etwas hängengeblieben ist. Jetzt zog es mich erneut zu ihm. Freudig stellte ich fest, dass es mir gelungen ist, doch einige Mechanismen aus dem Weg zu räumen.

Jeder kennt wohl die Geschichte mit dem Hammer – vielleicht sogar aus der Sesamstrasse mit Ernie und Bert. Man braucht einen Hammer, denkt darüber nach, den Nachbarn zu bitten. Dann fällt einem ein, seit Tagen guckt der schon so komisch, grüßt kaum – der hat bestimmt etwas gegen mich – und schon klingelt man an dessen Tür und sagt: Behalten Sie Ihren blöden Hammer. Watzlawicks ironischer Ratgeber führt uns alle vor.

Unglücklich sein kann jeder; sich unglücklich machen aber will gelernt sein.

Mit selbsterfüllenden Prophezeiungen, Vergangenheitsverklärung, Verfolgungswähnchen, unerfüllbaren Liebeswünschen wie

Wenn Du mich wirklich liebtest, würdest Du Knoblauch essen.

Und meinem Lieblingskapitel

Wer mich liebt, mit dem stimmt etwas nicht.

Auch entlarvend, die Kunst der Vermeidung:

Das Grundmuster dafür liefert die Geschichte vom Manne, der alle zehn Sekunden in die Hände klatscht. Nach dem Grunde für dieses merkwürdige Verhalten befragt, erklärt er:
„Um die Elefanten zu verscheuchen.“
„Elefanten? Aber es sind doch hier gar keine Elefanten.“
Darauf er: „Na also! Sehen Sie?“
Die Moral von der Geschichte ist, dass Abwehr oder Vermeidung einer gefürchteten Situation oder eines Problems einerseits die scheinbar vernünftigste Lösung darstellt, andererseits aber das Fortbestehen des Problems garantiert. Und darin liegt der Wert der Vermeidung für unsere Zwecke.

Na, schon mal in der Liebe diesen Satz gehört oder gar gesagt: „Hättest Du mich nicht erhört, wären wir besser dran …“ Er beherrscht die Kunst, mit Leichtigkeit, literarischen Beweisen, zum Beispiel mit Dostojewskis

Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen

und alltäglichen Beispielen, vor allem aber mit sehr viel Humor, die kleinen Fallen aufzuzeigen, die jeder kennt, um dafür zu sorgen, dass das Glas immer schön halb leer bleibt. Oder wie es in der Vorbemerkung des Verlags steht:

Man kann Paul Watzlawick mit einem weinenden und einem lachenden Auge lesen. Jeder Leser dürfte etwas von sich selbst in diesem Buch wiederfinden – nämlich seine eigene Art und Weise, den Alltag unerträglich und das Triviale enorm zu machen.

So sollten Ratgeber sein – nicht anbiedernd, indem man sich auf jeder Seite wohlig bestätigt findet, sondern aufrüttelnd und provokant. Wenn es auch Jahrzehnte gedauert hat, dieses Buch hat mich in gewisser Weise vor mir selbst gerettet. Und mein halbleeres Glas zu einem halbvollen gemacht. Und außerdem, ist Glück nicht immer nur eine Momentempfindung? Zufriedene Gelassenheit ist doch auch schon eine prima Alternative …

Text und Podcast stehen unter einer Creative Commons-Lizenz. Quelle: Petra Unger/SchönerDenken

Paul Watzlawick
Anleitung zum Unglücklichsein
Piper € 10.-
978-3-492-27354-1