Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

„Captain America“: Der Indiana Jones unter den Superhelden

Die Üblichen Verdächtigen hatten ihren Spaß mit dem ersten Avenger – im Podcast reden sie über den Unterschied zwischen „dicke Backen machen“ und „dicke Backen haben“, reales Real3D, trockene Oneliner, sehr gelungenes Retrodesign, Ironiesignale und der Atem der gelungenen B-Pictures:

Manch einer wird die Naivität, den übertriebenen Pathos und den unreflektierten Patriotismus eines amerikanischen Heldenmärchens nicht ertragen. So einfach ist das aber mit „Captain America“ nicht, denn der Held wird erstmal in seinem lächerlichen Kostüm auf einer lächerlichen Tingeltangel-Bühne der Lächerlichkeit preisgegeben. Statt mit seinen neuen Superkräften den Krieg zu entscheiden, verkauft er Kriegsanleihen, in dem er so tut als ob er einen Hitlerdarsteller K.O. schlägt. Dann werden seine nicht stattgefundenen Abenteuer als Comic verkauft, schließlich wird er in schwarzweißen Abenteuerfilmen zumindest in Hollywoodkulissen an die Front geschickt. Mehr Meta geht für eine Comicverfilmung doch gar nicht mehr. Als dann in der zweiten Hälfte unser Held tatsächlich an die Front geht und die Bösen bezwingt, lagen für mich alle grandiosen Bilder aus der zweiten Filmhälfte immer auf der Folie der verhergehenden Tingeltangelnummer – und das tut dem Film wirklich gut! Abgesehen davon sieht der Film über weite Strecken sehr gut aus, so gut war eine 40er-Jahre-Ästhetik noch nicht überhöht worden, zumindest nicht seit „Indiana Jones“ – und das ist kein Zufall, wie uns flightattendantlovesmovies erklärt:

„Bevor Joe Johnston selbst Regie führte, hat er mit Steven Spielberg zusammengearbeitet. Für den ersten Indiana Jones-Film „Raiders of the Lost Ark“ hat er einen Oscar für Visuelle Effekte erhalten. „Captain America“ wirkt auch teilweise wie ein Indiana-Jones-Abenteuerfilm.“

Captain America – The First Avenger
USA 2011, 124 Min., Regie: Joe Johnston

Andere Meinung

Skeptischer bleibt man bei Blockbuster Entertainment:

„Johnston macht in keiner einzigen Szene einen Hehl daraus, ein charmantes B-Movie auf den Spuren Indys, teutonischer Fantasymythen, Haudraufkloppereien und trashiger Reizüberflutung zusammengezimmert zu haben.“