Filme zwischen Kirk und Kafka seit 2004

Podcast 6: Der Mann,
der den Mond verkaufte

Hendriks imaginäre Anthologie
NICER FICTIONS, Band 1, Erste Geschichte

Robert Anson Heinlein
DER MANN, DER DEN MOND VERKAUFTE
(The Man Who Sold the Moon, 1950)

Neben Entenza saß Gaston P. Jones, Direktor der Trans-America und eines halben Dutzends anderer Banken, einer der reichsten Männer im Saal. Er entfernte sorgfältig zwei Zoll Zigarettenasche und sagte trocken: „Mr. Harriman, ich will Ihnen alle meine Ansprüche an den Mond, die gegenwärtigen und die zukünftigen, für fünfzig Cents verkaufen.“
Harriman strahlte. „Gemacht!“

Eine meiner ersten Begegnungen mit der Science Fiction war der auf irgendeinem Bahnhof rasch noch für unterwegs gekaufte „Heyne Science Fiction Jahresband 1980“, und diese Kurzgeschichte daraus übte einen seltsamen Reiz auf mich aus. Vielleicht habe ich damals schon gespürt, daß diese Economic Soap Opera trotz des ganzen monetären Hin und Hers im Grunde sehr romantisch und kindlich ist: Das Weltall ist ein großer Abenteuerspielplatz und der Mond der Geburtstagskuchen für die junge Menschheit im Aufbruch: wer zuerst kommt, erhält mehr vom Zuckerguß. Die gesamte „Future History“ Heinleins (die 4 Romane und 17 Erzählungen umfaßt) ist die Chronik der Unschuld vor dem Begreifen der Verlorenheit des Menschen in der unfaßlichen zeitlichen und räumlichen Weite des Alls. Es ist aus heutiger Perspektive eine völlig unzeitgemäße, undemütige und ganz und gar homozentrische Geschichte, und eben dieser Kern ist eines der Gravitationszentren der SF: der Traum, der sich der Realität nicht beugt und genau damit der Wirklichkeit jene zusätzliche Nuance verleiht, die sie für den Menschen atembar macht.

Ich fand diese Geschichte in…: Wolfgang Jeschke (Hg.), „Heyne Science Fiction Jahresband 1980“, 1980 Heyne Verlag, sowie Robert A. Heinlein, „Future History – Die Vergangenheit der Zukunft“, 1988 Heyne Verlag