Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Ein (fast) perfekter Mord

Endlich wieder zurück!
Prof. Pu empfiehlt: Heilige Mörderin von Keigo Higashino

Prof. Pu und die Pücher

Yoshitaka Mashiba liegt tot in seinem Wohnzimmer, neben ihm eine Tasse vergifteten Kaffees. Zum Zeitpunkt seines Todes war er allein im Haus. Seine Frau Ayane, eine angesehene Künstlerin, besuchte ihre Eltern, und wird von Kommissar Kusanagi zurückgeholt. Trotz ihrer Abwesenheit ist sie die erste Verdächtige, doch auch ihre Assistentin Hiromi gerät ins Blickfeld der Ermittler.

Mit freundl. Genehmigung des Verlags Klett-CottaSie hatte ein Verhältnis mit dem Mann ihrer Chefin, hatte ihn kurz zuvor daheim besucht, noch dazu ist sie von ihm schwanger. Nach und nach erfährt Kusanagi, wie eiskalt Yoshitaka sein Ziel verfolgte, ein Kind zu zeugen, ohne Rücksicht auf die Frauen. Nicht zeugungsfähig zu sein bedeutete für ihn schlicht Trennung. Trotzdem begreift der Kommissar nicht, wieso Ayane ihre Mitarbeiterin verteidigt:

„Ich bin nach Sapporo gefahren, weil er sich von mir trennen wollte und ich es im Haus nicht nicht mehr ausgehalten habe. Es tut mir leid, dass ich Sie belogen habe.“ Ayane ließ den Kopf hängen. „Hiromi hatte nicht den geringsten Grund, meinen Mann umzubringen. Sie dürfen sie nicht länger verdächtigen.“ Sie sah Kusanagi flehend an, und er blickte verwirrt zurück. Wie konnte sie die Frau, die mit ihrem Mann geschlafen hatte, verteidigen?

Doch selbst wenn Ayane ihren Mann vergiftet hat, so kommt die Polizei einfach nicht dahinter, wie das Arsen in das Kaffeewasser kam, hatte doch auch Hiromi kurz vor Yoshitakas Tod Kaffee mit ihm getrunken. Es gibt Spuren im Wasserkessel, nur woher?

Schon aus dem ersten Roman von Keigashino kennen wir den mit dem Kommissar befreundeten findigen Physiker Yukawa, der immer gerne bei den Ermittlungen behilflich ist. Leider sind sich die beiden gerade nicht so grün, also wendet sich Kusanagis Kollegin Utsumi heimlich an den Professor. Ihn packt wie immer der Forscherdrang, er beginnt zu experimentieren. Kusanagi ist nicht gerade begeistert von der Eigeninitiative seiner Kollegin, außerdem ist er längst dem Charme seiner Hauptverdächtigen erlegen. Doch Utsumi behält alles konsequent im Blick und am Ende löst sich auch der rätselhafte Romantitel auf, der mir wirklich Kopfzerbrechen bereitet hat.

Auch mit diesem Roman ist Higashino ein höchst intelligentes, spannendes und vertracktes Rätselspiel gelungen. Ein weiterer Kriminalroman zum Thema „Der (fast) perfekte Mord“. Sehr empfehlenswert!

Keigo Higashino
Heilige Mörderin
Übers. von Ursula Gräfe
Klett-Cotta € 19,95
978-3-608-98012-7