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„Aron und die Liebe zur Oper“: Die Oper, der Regisseur, sein Hund und die Zauberflöte

Die Üblichen Verdächtigen sind unterschiedlich fasziniert von der Oper. Von der Dokumentation „Aron und die Liebe zur Oper“ von Birgit-Karin Weber über den Opernregisseur Aron Stiehl aber sind sie alle begeistert. Im Podcast diskutieren sie den leidenschaftlichen aber sehr ruhigen und integren/integrierenden Weg als Regisseur zu arbeiten – und über Pancho, den Hund:

Mittlerweile kann man die DVD käuflich erwerben bei Silver Cine oder bei Amazon und noch besser – der Film läuft zur Zeit in ausgewählten Kinos:

Frankfurt – Orfeos Erben
24.4.-30.4.2014
Karlsruhe – Kinemathek Karlsruhe
4.6.-10.6.2014
Hannover – Hochaus Lichtspiele
8.6.2014

Prof. Pu ist ebenfalls von der Dokumentation und seinem Protoganisten beeindruckt:
Neun Monate hat Birgit-Karin Weber den Opernregisseur Aron Stiehl, der dieses Jahr in Bayreuth „Das Liebesverbot“ inszenierte, begleitet und ihn erzählen lassen, ganz unkommentiert.

Aufgefallen ist mir, dass Aron Stiehl in diesem Porträt immer wieder anders aussieht. So wie er sich selbst als ein Mensch mit einem ganz normalen Leben beschreibt, durchaus aber auch seine Opern-Verrücktheit gesteht, scheint sich das in seiner Anmutung widerzuspiegeln. Der Schwenk durch sein opernkulissenhaft dekoriertes Bad zu Beginn des Filmes und seine Aussage „Erden ist so wichtig“ ist eine schöne Bebilderung seiner zwei Seiten.

Aron Stiehl mit Hund als ständigem Begleiter wirkt tatsächlich geerdet und besessen zugleich, ein besonnener Besessener. Ergriffen vom Spiel des Schulorchesters bei seiner Einschulung brennt er seit frühester Jugend für die Oper. Er wünscht sich ein Jugendabo und spätestens bei Verdi und Puccini war er „verloren“. Vierzehn Mal die Zauberflöte, und den Eltern Kinobesuche vorgegaukelt, damit sie ihn eben nicht für verrückt erklären. Wer so früh genauestens weiß, was er machen will, hat meine Bewunderung.

Auch Stiehls Art, mit Sängern, Dramaturgen, Bühnen- und Kostümbildnern umzugehen, zeugt von großem Respekt gegenüber deren Arbeit. Man spürt, dass seine empathische und besonnene Art, Regie zu führen, das Ensemble entspannt arbeiten lässt. Auch wenn er ehrlich zugibt, „sechs Wochen Wagner ist eigentlich furchtbar“. Die einfühlsame Beobachtung Birgit Webers hinter den Kulissen, beim Probenablauf, die steigende Anspannung Richtung Premiere, zeigt, Opernregie ist harte Arbeit. Als freier Regisseur ist er mehrmals im Jahr an einem anderen Ort, in fremden Wohnungen, mit neuen Kollegen. Ein paar Wochen intensivstes Zusammensein, und danach auseinandergehen. Stiehl gibt freimütig zu, es sei nicht zu leisten, den Kontakt mit allen danach noch aufrechtzuerhalten. Ein neues Theater wartet, eine neue Inszenierung, eine andere Stadt.

Das Sich-Erden geht nur zu Hause, in der Natur, beim Spazierengehen mit dem Hund. Das Zitat von Michael Althen, dem Film vorangestellt, ist perfekt ausgewählt:

Auch darum geht es ja in der Kunst, dass der Trost, den sie den Vielen spendet, in keinem Verhältnis steht zu dem Schmerz, den sie dem Einzelnen spendet.

Dieses Porträt ließ mich Regiearbeit noch einmal neu wertschätzen.

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 3.0
Quelle: Petra Unger/SchönerDenken

Der Beitrag erschien zuerst am 29. September 2013.