Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

„Hidden Figures“: Mutmacher zur rechten Zeit

Octavia Spencer, Taraji P. Henson und Janelle Monáe in HIDDEN FIGURES © 2017 Twentieth Century Fox

Octavia Spencer, Taraji P. Henson und Janelle Monáe © 2017 Twentieth Century Fox


Ohne schwarze Mathematikerinnen kein Amerikaner im All, kein Amerikaner auf dem Mond. Höchste Zeit sich daran zu erinnern. „Hidden Figures“ ist ein Film, der (nicht nur Frauen) Mut macht, um ihre/seine Rechte zu kämpfen und ihre/seine Träume wahr werden zu lassen. Ein Feelgood-Movie, ja, aber das macht den Film in seiner politischen Aussage auch jenseits des kunstsinnigen Anspruchspublikums wirkmächtig. Starke Frauen, starke Gefühle, sehenswerter Film! Am Mikrofon direkt nach dem Film: Tom, Uwe und Thomas.

Und eine Frage haben wir noch an unsere Hörer: Warum wird in einer Szene von den NASA-Ingenieuren nicht geklatscht, sondern mit den Fingern geschnippst? Harald hat einen Hinweis gefunden, aber so ganz schlüssig erscheint es uns noch nicht … Weiß jemand mehr?


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Hidden Figures
USA 2016, 127 Min., Regie: Theodore Melfi


Andere Menschen,
andere Meinungen

„Freigegeben ist er ab 0 Jahren, also am besten die Töchter und Schwestern mit ins Kino nehmen. Es wird der Tag kommen, da wollen sie auch einen Mann zum Mond schießen, hier lernen sie, dass sie es können.“
Laetitia für blugadgets

„Heldinnen wie Katherine, Dorothy und Mary sind längst überfällig. Sie fungieren als Identifikationsfiguren, die Mädchen* und Frauen* anspornen, ihr Licht niemals unter den Scheffel zu stellen, niemals an den eigenen Fähigkeiten zu zweifeln und jede Hürde in ihrem Weg zu überwinden. Sie motivieren dazu, sich die Entscheidung zwischen Familie und Karriere nicht aufzwingen zu lassen, sondern für Vereinbarkeit zu kämpfen.“
Sophie Rieger für Filmlöwin

„Die Rassisten im Film werden meist nur als Personen dargestellt, die es einfach nicht besser wissen. Diese „Es ist ja nicht ihre Schuld“, bzw. „Sie wussten es ja nicht besser„-Mentalität stört gewaltig. Es scheint fast so, als ob Melfi sein Publikum nicht überfordern möchte. Deswegen verzichtet er weitestgehend darauf die angestaute Wut auf beiden Seiten zu kanalisieren. So wirkt seine Darstellung von Unterdrückung und Diskriminierung oftmals fast schon naiv. Kein wirklich guter Ansatz für diese Thematik.“
Sebastian Groß für Moviebreak

„Das emotional anrührende Drehbuch gibt vor allem drei großartigen Darstellerinnen Raum, die in „Hidden Figures“  ein wahres Feuerwerk an Selbstbewusstsein abbrennen. Selten sieht man im Mainstream-Kino so starke Frauenfiguren.“
Frank Schmidke für cinetastic

„Melfi sucht unentwegt nach Bildern für die Sonderstellung seiner Heldinnen. Das liebste ist ihm ein Textilmeer aus weißen Herrenhemden, aus dem der Kontrastfleck ihrer Blazer hervorschimmert. Damit wird die Kluft zwischen uninformierten Uniformierten und jenen bunten Freidenkern deutlich, die den rettenden Fortschritt bringen. (…) Alles fügt sich, als wäre es Schicksal. Liebespaare gleiten zueinander, politische Prozesse gefrieren zu Symbolbildern, etwa zur Kamera hin in eine bessere Zukunft marschierende Afroamerikanerinnen. Es ist eine Vergangenheit mit Schutzumschlag, die man betrachtet wie in einem Museum, distanziert, glücklich über die so viel bessere Gegenwart.“
Lucas Barwenczik für Longtake

„Sein Umgang mit der Vergangenheit, der rassistischen Politik der USA, aber auch seine warme Menschlichkeit und sein Respekt, den er auf alle ProtagonistInnen erstreckt, sind das komplette Gegenbeispiel zum derzeitigen politischen Umgang mit Menschen in den USA. Und so ist seine klassische Form, die auf das amerikanische Kino seit den 1950er Jahren rekurriert, in gewisser Hinsicht ein genialer Schachzug in einer Erinnerungspolitik, die eine Geschichte vom Anfang der 1960er Jahren im Jahr 2017 erzählt – einer Zeit, in der man dringend erinnern muss, welchen Horror die Geschichte schon geschrieben hat, aber auch welche Humanität man schon wieder zu verlieren im Begriff ist.“
Beatrice Behn für kinozeit