Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Immer diese Hexen!

Nach dem 3sat-Tag der Hexen macht sich PJ Luft:

Ein Tag der Hexen! Das hat uns männlichen Magiern gerade noch gefehlt! Reicht es nicht, dass seit Jahrzehnten die schwere Schuld der Hexenverbrennungen eingestanden und beklagt wird, wie viele kundige, weise Frauen dabei hinweggerafft wurden? Ich behaupte, sie waren einfach zu PR-geil, sie konnten mit ihrem Wissen nicht hinter dem Berg halten! Typisch Weib eben – einfach alles rausplappern müssen, was man weiß. Eine der wenigen, die sich lange zurück und im Wald versteckt hielt, war diejenige, die dann doch per Zufall von Hänsel und Gretel geoutet wurde. Das Ende vom Lied: Wieder mal eine Hexenverbrennung.

Die sollten sich ein Beispiel an uns Zauberern nehmen. Die haben sich nicht mit dem einfachen Pöbel abgegeben, nein! Mit den Großen der Welt saßen sie an einem Tisch und stimulierten sie zu noch größeren Taten. Man denke nur an die Gralssuche, die Merlin auf den Weg brachte oder seine Hintergrundarbeit im Umfeld der artus’schen Tafelrunde. Das waren Leistungen, die eine Hexe nie fertig gebracht hätte! Ja, immer wieder mal aus dem Halbdunkel nach langem Rühren im Kräuterpott ein Tier verhexen oder verwirrende Liebesbande herbeihexen – das können die Kräuterweiblein! Von den selbstverliebten Ausschweifungen am 1. Mai auf traditionellen Hexentanzplätzen gar nicht zu reden.

„Wenn es keine Hexen gäbe, wer, Teufel, möchte Teufel sein?“,

fragte ganz richtig Goethe. Diese Ekstasen dienen doch nur der egomanischen weiblichen Lustbefriedigung und könnten unerschöpfliches Thema in einem Buch über Feuchtgebiete sein. So verkörpern Hexen die emotionale und irrationale Seite der Welt und wehe dem Magier, der sich zur triebhaften Seite hinziehen läßt! Da schiebt das meist verlotterte, zerlumpte Hexenoutfit bei ästhetisch orientierten männlichen Wesen wie Magiern glücklicherweise einen soliden Riegel vor.
Der Magier, Zauberer wandelt auf den Pfaden der Enthaltsamkeit und der inneren Einkehr. Ich gebe zu, den Stein der Weisen haben diese Wesen – soweit bekannt – noch nicht gefunden. Doch allein das Streben ist verdienstvoll und anerkennenswert und weit entfernt von kicherndem, düster-erotischem Hexenritual. Denn wenn es um den ewigen Kampf von Gut gegen Böse geht, um den Beginn neuer Epochen in der Geschichte der Welt – dann stehen an entscheidender Stelle Magier wie Merlin oder Gandalf und mit ihrem Wachsen entwickelt sich die Welt weiter. Zur Versorgung von Schlachtenwunden können dann gerne kräuterkundige Weiblein herangezogen werden.

Wer also einen Tag der Hexen ausruft, der sollte sich mindestens eine Woche lang den Zauberern und Magiern widmen, denn deren Wirken angemessen darzustellen und alle seine Verästelungen zu beleuchten, das benötigt viel Zeit. Magier sind Götter, Hexen bestenfalls Erfüllungsgehilfinnen und Mägde dieser Götter.