Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Einen Oscar für eine Handvoll Reichsmark

Anläßlich des mehr als verdienten Oscars für Christoph Waltz nocheinmal unser Beitrag zu “ Inglourious Basterds“:

Die üblichen Verdächtigen – bislang nicht unbedingt als ein Haufen fanatischer Tarantino-Fans bekannt – kommen aus „Inglourious Basterds“. Sie sind begeistert und müssen sich einiges von der Seele reden – daher diesmal in Überlänge:

„Bastarde“ gehört zu den Filmen, die man gesehen haben muss. Ein Brett von einem Film, sehr intensiv, oft sehr klug, unglaublich besetzt – bisher Tarantinos bester Film. Dass er ein besonderes Gespür für die Entwicklung von Situationen und die Inszenierung von Dialogen hat, ist nicht neu. Hier beweist Tarantino aber auch großes handwerkliches Können.

Tarantinos Kino ist immer auch ein Kino über DAS KINO und folgerichtig konzentriert sich das Geschehen in „Inglourious Basterds“ immer mehr   in einem Kinosaal. Hier finden die Guten Zuflucht und Liebe, hier dringen die Bösen ein, hier wird applaudiert, gemordet, hingerichtet. SPOILER. Und am Ende ist es nicht eine Kirche voller Juden, sondern ein Kino voller Nazis, das in Flammen aufgeht. Und wenn das Gesicht einer Jüdin über den verbrennenden Nazis auf den Rauch projeziert wird wie das Antlitz einer Rachegöttin, dann muss man zugeben: Das konnte nur Tarantino auf die Leinwand bringen. Respekt.

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Marcus Wessel über die Rolle, die Christoph Waltz spielt: „Der Bösewicht trägt SS-Uniform und ein süffisantes Lächeln.“ Und die Fünf Filmfreunde finden, dass Tarantino mehr geschafft hat, als das Genre Nazifilm aus der Betroffenheitsecke zu holen. Christian Hellwig ist ebenfalls begeistert von Landa/Waltz:

Paradestück in Tarantinos Weltkriegs-Mär ist jedoch ohne Zweifel seine Figur des SS-Oberst Hans Landa (Christoph Waltz). Anstatt den gängigen dämonischen Pathologen in rassistisch-ideologischer Verblendung in SS-Uniform zu beschwören, zeichnet Tarantino seinen Antagonisten als eloquenten, charismatischen und höflichen Technokraten des Regimes, und erschafft somit ein Monster, welches zu den bemerkenswertesten Bösewichten der jüngeren Filmgeschichte gezählt werden muss.

Wunderbar dieses Zitat des Mediensüchtigen:

„Quentin Tarantino ist neben M. Night Shyamalan und Michael Mann wohl einer der missverstandensten Regisseure unserer Zeit.“

Bei Flo finden wir gar keine Kritik, nur eine dahingeworfene Bemerkung in seinem Twitterkanal:

„INGLOURIOUS BASTERDS – gab so gut wie keine Handlung, zudem teils grauenhafte Schauspieler. Tarantinos schlechtester Film bisher.“

(Dieser Beitrag erschien erstmals am 9. September 2009)