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The Art of Title Design – Interview mit Remco Vlaanderen von watchthetitles.com

Wer im Gutenbergmuseum in Mainz im Sommer die Ausstellung „Moving Types“ gesehen hat, konnte dort viele typographische Spielereien in Filmtitelsequenzen bewundern. Im Rahmenprogramm der mittlerweile geschlossenen Ausstellung wurde auch das einstündige und sehr beeindruckende Programm „Forget the Film, Watch the Titles“ gezeigt, dass der Niederländer Remco Vlaanderen vom Submarine Channel in Amsterdam zusammengestellt hatte. Einen guten Eindruck bekommt man durch den Trailer der Watchthetitles-DVD:

Forget the Film, Watch the Titles DVD trailer. Mehr Videos auf dem Submarine Channel auf Vimeo.

Vlaanderen ist auch der Kopf hinter der empfehlenswerten Website watchthetitles.com, die sich mit der Kunst der Filmtitelgestaltung beschäftigt. Am 11. August 2012 zeigte er sein Programm im Mainzer Capitol. Die SchönerDenker und andere haben danach die Gelegenheit genutzt, Remco Vlaanderen einige Fragen zu stellen:

Gibt es einen besonderen Grund, dass die Titel, die wir jetzt gesehen haben, eigentlich alle aus den den letzten acht Jahren etwa stammen?

Ja. Die gezeigten Titelsequenzen stammen alle aus dem Zeitraum vom Start unserer Website watchthetitles.com bis heute. Die Auswahl der Titelsequenzen hängt auch mit der Klärung der Rechte zusammen. Das ist ein Sachzwang, und es ist sehr schwierig eine rechtliche Freigabe zu bekommen, wenn man zum Beispiel Saul Bass zeigen will. Unser Ziel war es, den gegenwärtigen state of the art des Titeldesigns zu zeigen.

Welche Titelsequenzen aus klassischen Filmen sind ihre liebsten?

Aus klassischen Filmen? Das ist eine gute Frage. Da müssen wohl besonders berühmte Sequenzen genannt werden – „Dr. Strangelove oder wie ich lernte die Bombe zu lieben“ von Pablo Ferro oder „Vertigo“ von Saul Bass. Es gibt eine Menge Lieblingstitel. Zurzeit erstelle ich für die Website eine Zusammenstellung, die meiner Meinung nach sehr interessant ist: Es geht um Titelsequenzen, die ganz ohne Typographie auskommen. Nur die Regisseure der französischen Nouvelle Vague wie Godard zum Beispiel haben Titelsequenzen verwendet, in denen die Titel direkt von den Schauspielern gesprochen werden. Es gibt viele Beispiele dafür. Das ist wirklich großartig, ich mag experimentelle Titelsequenzen, wenn der Regisseur ein Risiko eingeht und etwas neues ausprobiert. Was ist Ihr Lieblingstitel?

„North by Northwest“ von Saul Bass und „Alien“ von Jack Deacon.

Alien ist sehr cool.

Wieviele Mitglieder sind in Ihrem Team, um zu planen, zu schreiben und auszuwählen?

Von mir abgesehen gibt es noch zwei Redakteure, die gemeinsam mit mir die Artikel für die Website schreiben. Die Interviews mit den Regisseuren sind immer richtige, kleine Produktionen, da habe ich manchmal Unterstützung und einen Kameramann und einen Cutter – das wird von einem ganzen Team erstellt. Das Website-Design wurde von einer weiteren Person gestaltet. Unter dem Strich ist das Projekt eine sehr kleine Produktion.

Was ist die wichtigste Funktion der Titelsequenzen?

Tja, das ist eine Frage, die ich bei jedem Interview gestellt habe. Im Grunde geben die Regisseure immer eine ähnliche Antwort: Sie erklären, dass die Titel natürlich die Abspanninformationen beinhalten müssen, dass sie den Film und die Hauptdarsteller einführen sollen. Und eine weitere wichtige Funktion ist, dass die Titel die Zuschauer in Stimmung bringen sollen – schon bevor der Film richtig angefangen hat. Also müssen die Titel in einer Komödie lustig sein, in einem Horrorfilm gruselig sein – die Titel müssen eine bestimmte Wirkung, eine bestimmte Atmosphäre haben. Ich habe Darius Ghanai – ein deutscher Designer, der in Berlin lebt, befragt. [Anmerkung: Das Video-Interview mit Darius Ghanai wird Ende 2012 online gestellt. Es ist auf der „Watch the Titles-DVD“ zu finden.] Er erzählte von einem interessanten Beispiel für eine Titelsequenz für einen deutschen Krimi, „Die Tür“. Die Titelsequenz verwirrte das Publikum, denn die Titel waren nicht auf Krimispannung ausgerichtet, sie hatten den Zuschauern nicht klargemacht: „Jetzt folgt ein Krimi“. Das Testpublikum hat die erste Viertelstunde des Films überhaupt nicht verstanden – durch die Titel. Das war ein gutes Beispiel für die Funktion der Titelsequenz.

Wo kann man sich die Titel noch einmal anschauen?

Gehen Sie auf unsere Website watchthetitles.com. Ich denke, wir haben zur Zeit etwa 118 Titel auf unserer Seite. Und es gibt einen anderen Internetauftritt, der auch sehr gute Arbeit leistet – er nennt sich „Art Of The Title“. Dort finden Sie auch eine Menge Titel, aber die Auswahl ist eine andere. Auf beiden Seiten zusammen finden Sie also viele Titelsequenzen.

Vielen Dank.

P.S.: So haben die SchönerDenker auf das Programm reagiert:

P.P.S.: Wie oben angesprochen – das Team von watchthetitles hat eine DVD zusammengestellt für Liebhaber der Titelsequenzen.