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Kinojahrgang 2001 – Thomas über Drogen, Orks und Diamanten


Thomas für Markus über den Kinojahrgang 2001: Ganz subjektiv ist 2001 für mich das Jahr der verpassten und nicht nachgeholten Filme. Nicht gesehen habe ich unter anderem: „Amores perros“, „Chocolat“, „Das Versprechen“, „Die innere Sicherheit“, „Die Klavierspielerin“, „Intimacy“, „Memento“, „Thirteen Days“ und „Training Day“ – da verstecken sich vielleicht ein paar potientielle Lieblingsfilme darunter. Davon abgesehen ist 2001 für mich ein Kinojahrgang mit eher wenigen Highlights.

Sehenswert

Bei Spielbergs SF-Märchen A.I. haben mich im Kino einzelne Szenen tief beeindruckt (zum Beispiel wenn der Kindandroid eingeschaltet wird), er funktioniert aber als ganzer Film dann doch nicht wirklich. Blow mit Johnny Depp und Franka Potente hat wirklich Spaß gemacht, fürs Meisterwerk fehlt dann aber doch ein bisschen. Sehr gelacht habe ich über den Schuh des Manitu und gestaunt über die hochprofessionelle Produktion, für den Kino-Olymp ist er allerdings nicht tiefsinnig genug. Aus den unzähligen Einfällen für Die fabelhafte Welt der Amelie hätte man zehn Filme machen können – und müssen. Das war eine Überdosis. Der bessere französische Beitrag zum Filmjahr 2001 war ganz klar Die purpurnen Flüsse – düster, hochspannend und fantastisch besetzt. Eher alleine mit meiner Begeisterung bin ich bei The Mexican mit einer Paraderolle für James Gandolfini.

Die Top Five

Platz 5. Helden aus der zweiten Reihe (The Replacements) war für mich der Überraschungsfilm des Jahres. Sportfilme sind in Sachen Qualität und Einfallsreichtum in der Regel nach oben gedeckelt. Anders bei den „Replacements“. Das Drehbuch und die Spitzendarsteller (Gene Hackman, Keanu Reeves und vor allem Rhys Ifans) holen aus der konventionellen Ausgangsidee (Verlierer bekommen eine zweite Chance als die Profis streiken) wirklich alles heraus. Ganz großer Spaß:

Platz 4. Wir verdrängen gerne, welche Monster in jedem von uns lauern. Das Experiment erinnert uns daran. Moritz Bleibtreu liefert hier als aufmüpfiger Gefangener in einer psychologischen Versuchsanordnung, die katastrophal außer Kontrolle gerät, seine beste Leistung ab. Muss man gesehen haben.

Platz 3. Die Ausnahmestellung, die Tolkiens Der Herr der Ringe in der Fantasy-Literatur hat, nimmt auch die Verfilmung in ihrem Genre ein. Dank Peter Jackson bleibt besonders bei Die Gefährten ungewöhnlich viel der Vorlage erhalten, das bis dato mit Abstand beste Produktionsdesign aller Fantasysfilme ever und die starken Schauspieler begeisterten Millionen Kinobesucher. Mich auch.

Platz 2. Harte Sprüche, schnelle Schnitte, trockener Humor, perfektes Timing, brutale Action: Snatch ist die ultimative britische Gangsterfilmparodie und Guy Ritchies Meisterwerk. Einziger Vorwurf: Nach 99 Minuten hatte ich noch längst nicht genug von Jason Statham, Benicio del Toro, Dennis Farina und Brad Pitt als „One Punch“ Mickey O’Neil. Tipp: Als Double Feature genießen mit Ritchies Vorgängerfilm „Bube, Dame, König, grAS.“

Platz 1. Steven Soderbergh löst die Widersprüche zwischen anspruchsvollem Autorenkino und Blockbuster-Mainstream auf als wäre es das Einfachste der Welt. Bei Traffic gelingt es ihm, aus einer düsteren Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse einen sehr spannenden Thriller zu weben. Drei Geschichten um Drogenkriminalität bindet er darin zusammen und hat dabei noch die Nerven auf ästhetischer Ebene Maßstäbe zu setzen. Besser geht es nicht.

Der Text steht unter einer Creative Commons-Lizenz. Quelle: Thomas Laufersweiler/SchönerDenken