Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Eine Liebe zwischen Paris und Tübingen

Prof. Pu empfiehlt: Madame Cottard und die Furcht vor dem Glück von Rainer Moritz

Wie habe ich mich gefreut, als ich die Ankündigung für die Fortsetzung von „Madame Cottard und eine Ahnung von Glück“ gesehen habe. Wie schön, dachte ich, es geht weiter mit der Liebesgeschichte von Robert Bernthaler, dem deutschen Spezialisten für Weinkorken in Paris und der charmanten Buchhändlerin Nathalie Cottard. Doch schon ihren ersten gemeinsamen Urlaub in der Bretagne muss er abrupt abbrechen. Der Patriarch seiner Firma ist gestorben und Robert wird in den Hauptsitz nach Tübingen bestellt. Seine schlimmsten Befürchtungen werden wahr – er muss nach Deutschland zurück, sein geliebtes Appartement – dank Nathalie jetzt noch mehr geliebt – aufgeben. Und dann sitzt er plötzlich wieder im schwäbischen Wohnzimmer seiner Eltern und muss sich verhören lassen:

Ja, was hatte er in der Bretagne gemacht? Mit einer Frau geredet, geschlafen, Milchkaffee getrunken und den Strand von links nach rechts und dann von rechts nach links abgewandert, mit einer Frau, die er erst seit ein paar Wochen kannte und die dabei war, seine ausgeklügelte Lebensanordnung durcheinanderzubringen.

Und jetzt, bevor es überhaupt richtig angefangen hat mit den beiden, auch noch eine Fernbeziehung. Jede zweite Woche die Strecke Paris-Tübingen, Tübingen-Paris. Nathalie meint, „eine Fernbeziehung sei doch schon ein Widerspruch in sich“. Und findet Tübingen erst einmal nicht gerade umwerfend. Während Robert sich in seiner Firma immer schrecklicher fühlt, schlägt sie sich mit ihrer Mutter herum, die nicht in ein Altersheim ziehen will. Zum Glück hat sie ihre Freundinnen:

Da Josette, die unter ihrem vielbeschäftigten Mann litt und sich gleichzeitig kein anderes Leben vorstellen wollte. Und da Emilie, die ihr Privatleben selbst vor ihren Freundinnen unter Verschluss hielt. Seit Jahren übersetzte sie dies und das für eine Werbeagentur, eine Arbeit, die sie offensichtlich unterforderte. Was sie jedoch nicht zu stören schien, sie genoss ihre freie Zeit, ging alle Tage ins Kino und hatte – so mutmaßten Nathalie und Josette – irgendeinen Mann in der Hinterhand, einen, der verheiratet war. Ich komme damit gut zurecht, hatte sie einmal, nach ein paar Gläsern Wein, festgestellt und Nathalie zu verstehen gegeben, dass es nicht die schlechteste Lösung sei, eine Langzeitaffäre mit einem verheirateten Mann zu haben.

Wie gut doch Rainer Moritz die Frauen beobachtet und studiert hat. Wie realistisch er die Gespräche zwischen ihnen wiedergibt, das hat mir besonders gefallen. Vielleicht hat er ja auch eine gute Beraterin zur Seite? Auf jeden Fall ist Madame Cottard doch zu charmant als dass Herr Bernthaler sich lange in Tübingen von Umstrukturierungen und neuen Marketingstrategien quälen lässt – Entscheidungen stehen an … Ich bin gespannt, ob es einen dritten Teil geben wird!

Rainer Moritz
Madame Cottard und die Furcht vor dem Glück
Piper € 17,95
978-3-492-05425-6