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Traum der BuchliebhaberInnen: „Meine wundervolle Buchhandlung“

Foto: picturepest CC BY 2.0

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Viele Buchliebhaberinnen, die ich kenne, haben so eine Art heimlichen Es-kommt-irgendwann-doch-noch-ein-Prinz-auf-einem-weißen-Pferd-Traum: Eine eigene Buchhandlung. Vielleicht heutzutage nicht mehr so häufig, im Zeitalter von „Kunden, die das kauften, interessierten sich auch für …“, aber manchmal sitzen wir dann doch da und malen uns aus, was Petra Hartlieb vor zehn Jahren tatsächlich gewagt hat.

„Wir haben eine Buchhandlung gekauft. In Wien. Wir haben eine Mail mit einer Zahl geschrieben, ein Gebot, einen Betrag, den wir nicht hatten, und nach einigen Wochen kam die Antwort: Sie haben eine Buchhandlung gekauft! So etwas passiert dir nur bei eBay, wenn du dich hinreißen lässt und mehr bietest, als du eigentlich wolltest, weil sich das Kind das Harry-Potter-Lego so sehr wünscht und du dann diese eine Zahl hingeschrieben hast und keiner, verdammt noch mal keiner, findet sich, der mehr bietet. Und nun haben wir für eine Buchhandlung geboten, in einer Stadt, in der wir nicht leben, mit Geld, das wir nicht haben. Und haben sie bekommen. Und jetzt? Jetzt müssen wir das durchziehen.“

Petra Hartlieb verabschiedet sich vom Leben als Literaturkritikerin, ihr Mann kündigt seinen guten Job bei einem großen Verlag, der Sohn will nicht von Hamburg nach Wien, die kleine Tochter kommt mit (sie liebt Bücher, möchte aber niemals Buchhändlerin werden), die Wohnung über dem Geschäft muss erst renoviert werden, sie müssen sich Geld leihen, arbeiten jahrelang, erst ohne, dann mit Personal quasi rund um die Uhr und schaffen es. Irgendwann kommt sogar noch eine zweite, auf fremdsprachige Literatur spezialisierte Buchhandlung dazu. Nun hat sie ihre Geschichte aufgeschrieben, nüchtern, nichts beschönigend, amüsant, mitreißend, ohne den Zuckerguss mancher Romane von entzückenden kleinen Buchhandlungen in Paris, London oder Mailand, in die irgendwann der Prinz – oder wie im Film „Notting Hill“ – die Prinzessin hineinschneit und dann selige Happy-End-Musik …

Nein, alles sehr realistisch, mit allen Krisen und Fast-Zusammenbrüchen und vor allem dem Weihnachtswahnsinn, der jedes Jahr in den Buchhandlungen ausbricht – wie viele Geschichten kenne ich von befreundeten Buchhändlerinnen, die im Trubel schon mal fragen, „Darf ich es Ihnen als Tütchen einpacken?“ – diesem Vorweihnachts-Stress, ohne den auch die Hartliebs finanziell die elf Monate zuvor nicht überleben würden.

Man kann sie für ihren Mut, ihr Durchhaltevermögen, ihre Lust an Literaturveranstaltungen, für ihre schöngestaltete Webseite und vor allem ihre grenzenlose Liebe zu Büchern nur bewundern. Ich hatte sehr viel Lesevergnügen mit diesem Buch, von dessen sehr schön gezeichnetem Umschlagbild ich magisch angezogen wurde – das zum Thema „Romantischer Traum“ einer Bibliophilen …

PS: Petra Hartlieb schreibt auch Krimis, zusammen mit Claus-Ulrich Bielefeld, mehr dazu demnächst.

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: Petra Unger/SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

Petra Hartlieb
Meine wundervolle Buchhandlung
Dumont € 18.-
978-3- 8321-9743-8