Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Mr. Lee And Me: Isabell und die Filme des Ang Lee

Ang Lee, Foto: Rex Bennett Creative Commons BY SA 2.0

Nicht ohne Stolz beginnen wir heute mit unserer Reihe über den Regisseur Ang Lee. Die Filmwissenschaftlerin und Ang Lee- Expertin Dr. Isabell Wohlfarth, geb. Gössele, wirft für uns in den kommenden Wochen einen ganz persönlichen Blick auf das Werk des taiwanesischen Regisseurs.


Ein Chinese, der einen Jane Austen-Roman verfilmt, den furiosen Hulk zappeln lässt und etwas von schwulen Cowboys erzählt? Ja, genau. Aber genauer gesagt ist er Taiwanese und längst auch Amerikaner: Mister Ang Lee. Ich komme nicht umhin, ihn „Mister“ zu nennen. Die internationale Filmwelt heißt ihn schließlich schon lange Größeres – spätestens seit er 2006 mit „Brokeback Mountain“ den Regie-Oscar gewann.

Meine Beziehung zu Mister Ang Lee dauert schon seit vielen Jahren an – ein intensives Verhältnis, wundervoll und häufig haarsträubend mühsam. Alles begann damals mit einer rührenden, geradezu kitschig aufrichtigen Bewunderung für seine Filme. Aber hallo, wow, die muss doch einfach jeder sehen, davon muss doch erzählt werden! Warum gibt’s denn keine Bücher, die den Herrn über den grünen Klee loben und preisen? Und ich wurde Gewehr bei Fuß von der filmwissenschaftlichen Neugier überwältigt: Was hat dieser wortkarge Taiwanese in sich, dass er Filme von solcher Schönheit, Wahrheit und Intensität macht? Und wieso sucht er sich eigentlich jedes Mal ein neues Genre, eine neue Kultur und ein neues Land dafür aus – ist das sein persönliches kleines Memory-Spielchen?

Als selbst ernannte Ang-Lee-Missionarin machte ich mich auf, seinen liebenswürdigen, strauchelnden, zarten, mächtigen und geschundenen Figuren auf die Spur zu kommen: Den Töchtern und Vätern, den kulturell Verwirrten und konventionell Gebremsten, den familiär Gesegneten und Gebeutelten, den fuchtelnden Kämpfern und heimlichen Liebenden, den nuschelnden Cowboys und grünen Giganten. Was haben sie alle gemeinsam – und wo in ihnen hat sich eigentlich Ang Lee versteckt?

Mein Promotionsthema war geboren: Ang Lee und ich wurden Gefährten für Jahre. Auf der Zielgeraden, nach hundertfachem Zerpflücken, Drehen und Wenden der Filme, der Bücher, Artikel und ausführlichen Analysen, da hat sich der rote Faden im Leeschen Werk immer weiter heraus geschält. Ein Faden mit vielen Strängen, die mal lose, mal fest geknüpft sind, aus einem starken menschlichen Kern bestehen, der überall auf der Welt verstanden wird. Ang Lees Figuren sind Gleichgesinnte im Herzen – quer durch alle Kulturkreise. Sie haben ähnliche Ängste, Hoffnungen, machen ähnliche Erfahrungen. Seine Geschichten sind universal, auch wir alle sind ein bisschen Dame, ein bisschen Cowboy, ein bisschen Hulk und ein bisschen Kämpfer.

Seit langem habe ich das erste Mal wieder einen Ang Lee Film geguckt – mit Abstand zu meiner wissenschaftlichen Arbeit, ohne den Druck, die Korrekturen, die endlosen Wiederholungen. Einfach so. Und da war sie wieder, die Liebe zu seinen Filmen. Also will ich mich als Ang-Lee-Verkünderin aufmachen und euch seine Filme ans Herz legen. In kleinen feinen Häppchen – das würde Mister Ang Lee, dem Zeremonien-Meister üppiger Filmmahle, sicher gut gefallen.

Es geht am 25. August 2013 weiter mit „Brokeback Mountain“.


Dr. Isabell Wohlfarth, geb. Goessele, arbeitet als Journalistin in Köln. Ihre Doktorarbeit wurde unter dem Titel “Das Kino des Ang Lee: Im Atem des verborgenen Drachen” veröffentlicht. Der Podcast wurde gesprochen von Susanne Hagen.
Hier alle Beiträge der Reihe „Mr. Lee And Me“.

Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY NC ND 4.0.
Quelle: Dr. Isabell Wohlfahrt, geb. Goessele
Das Foto im Banner stammt von Rex Bennett und steht unter der CC-Lizenz BY SA 2.0


Das Kino des Ang LeeIsabell Gössele
Das Kino des Ang Lee
Im Atem des verborgenen Drachen

Wissenschaftliche Beiträge
aus dem Tectum Verlag
Medienwissenschaften, Band 5
349 Seiten, Paperback, 2009
ISBN 978-3-8288-2046-3