Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Prinz Eisenherz revisited
Interview mit Verleger Achim Dressler

SchönerDenken proudly presents: Ein Beitrag von Barbara Buchholz Achim Dressler gründete 2006 den Bocola-Verlag, um eine Prinz-Eisenherz-Edition zu starten – digital restauriert und bibliophil aufgemacht. Vorher führte Dressler den Bonner Comic-Laden, nach dem er seinen Verlag genannt hat. Barbara Buchholz hat mit ihm gesprochen: Achim Dressler vor dem Prinz-Eisenherz-Regal in seinem Büro, Foto: Christoph Pierschke (unter Creative Commons BY-NC-ND 4.0)

Achim Dressler vor dem Prinz-Eisenherz-Regal in seinem Büro
Foto: Christoph Pierschke (unter Creative Commons BY-NC-ND 4.0)


Vom Comic-Händler zum Verleger – wie haben die Kollegen aus der Branche reagiert?

Die meisten haben den Kopf geschüttelt und haben mir das Projekt nicht zugetraut. Jemand, der bisher mit Verlagsarbeit gar nichts zu tun hatte, wollte solch einen Klassiker stemmen? Zumal es seit den 50er Jahren schon etliche Eisenherz-Editionen gab.

Und?

Schon mit Band eins stellte sich heraus, dass sich sehr viele Leute gerne noch ein weiteres Mal Eisenherz zulegen wollten – jetzt erstmals in der vollständigen und farblich korrekten Version. Wir haben das Projekt im Dezember 2012 abgeschlossen, sind mit einigen Bänden schon in zweiter oder dritter Auflage und haben insgesamt mehr als 150.000 verkauft. Das spricht ja für den Erfolg.

© 2013 Bocola/King Features Syndicate,Inc./Distr. Bulls

©2013 Bocola/King Features Syndicate, Inc./Distr.Bulls

Wie kamen Sie eigentlich an die Lizenz für Prinz Eisenherz?

Durch meine Tätigkeit im Comic-Laden kannte ich die Comic-Szene in Deutschland sehr gut. Wir haben mit dem Carlsen-Verlag zusammengearbeitet und eine der Serien, die immer viel Umsatz brachten, war Prinz Eisenherz. Aus mir bis heute unerfindlichen Gründen hat der Carlsen-Verlag irgendwann den Nachdruck der Alben eingestellt. Viele Kunden haben uns darauf angesprochen, und wir haben beim Verlag nachgefragt. Aber der druckte nicht nach, und schließlich war kaum noch etwas lieferbar. Da dachte ich: Bring das Material doch selbst heraus. Und zwar in einer noch besseren, dem Original möglichst nahen Edition. Ich habe den Bocola Verlag gegründet und mich mit meinem Konzept bei der Firma beworben, die die deutschsprachigen Rechte an Prinz Eisenherz für den amerikanischen Lizenzinhaber verwaltet. Das ist seit 1937 King Features Syndicate in New York. Fast zu meinem Erstaunen haben die tatsächlich mein Konzept akzeptiert und mir als Neuling eine Chance gegeben. Inzwischen sind sie mehr als zufrieden.

Sie haben Ihr Vorhaben durchgezogen, drei Eisenherz-Bände pro Jahr herauszubringen. Hatten Sie den Aufwand richtig eingeschätzt?

Nein, wir hatten das unterschätzt. Dafür war ein wahnsinniger Arbeitsaufwand nötig. Ich habe an zahlreichen Abenden und Wochenenden gearbeitet, um den Druckunterlagenschluss einzuhalten. Aber ich hatte das Ziel vor Augen, die Edition zu vollenden – und es ist uns gelungen, das ist ja das, was zählt.

Sie und Ihre Kolleginnen haben für die Prinz-Eisenherz-Edition 1.788 Seiten restauriert. Was war das Schwierigste dabei?

Immer wieder Lücken füllen oder mit Vorlagen arbeiten zu müssen, die von schlechter Qualität waren, und daraus gute Seiten zu produzieren. Bei qualitativ guten Zeitungsseiten waren wir nach ein, zwei Tagen fertig. Es gab aber auch Seiten, da mussten wir den Schwarzstrich von der einen Seite und die Farbe von der anderen zusammenfügen und das Ganze nochmal überarbeiten. Bei einzelnen Panels, also Bildern, nochmal Teile austauschen und verbessern. Da haben wir für eine Seite auch mal vier oder fünf Tage gebraucht. Insgesamt stecken tausende Arbeitsstunden in der Edition.

(Oben die eingescannte Zeitungsseite vor der digitalen Bearbeitung, unten danach.) © 2013 Bocola/King Features Syndicate,Inc./Distr. Bulls

Oben die eingescannte Zeitungsseite vor der digitalen Bearbeitung, unten danach.
© 2013 Bocola/King Features Syndicate,Inc./Distr. Bulls


Was gefällt Ihnen an Prinz Eisenherz?

Mich hat daran immer schon fasziniert die wirklich selten vorzufindende Kombination aus wunderbaren, fantastischen, detaillierten Zeichnungen mit spannenden, packenden Storys. Auf der anderen Seite, für einen Comic auch ungewöhnlich, dass Prinz Eisenherz keine Sprechblasen hat. Das mag in gewisser Weise den Lesefluss etwas erleichtern. Ich will nichts gegen die herkömmlichen Comics mit Sprechblasen sagen – aber das ist bei diesem Comic vielleicht sogar das i-Tüpfelchen.

Wann sind Sie zum Prinz-Eisenherz-Sammler geworden?

Ich habe Prinz Eisenherz in meiner Kindheit, Jugend kennengelernt durch Veröffentlichungen in „Zack“ zum Beispiel oder die von dem Wiener Verleger Pollischansky herausgebrachte Ausgabe. Das waren schon die Anfänge meines Sammelns. Als ich Anfang zwanzig war, konnte ich durch Zufall ein paar amerikanische Zeitungsseiten erwerben. Ich habe dann versucht, diese Sammlung auszubauen. Das ist schwierig. Die ersten Seiten von Prinz Eisenherz sind zum Beispiel nur von zwei Zeitungen veröffentlicht worden. Die sind also sehr selten und teuer. Aber auch die späten Seiten aus den 60ern sind – da sie nur noch von wenigen Zeitungen im Großformat gedruckt wurden – schwer zu finden. Trotzdem konnte ich zum Start des Projekts auf ein paar hundert Prinz-Eisenherz-Seiten aus amerikanischen Zeitungen zurückgreifen.

Sie waren weltweit der erste Verlag, der Prinz Eisenherz originalgetreu restauriert hat …

Ja, alle Versionen, die es vorher gab, basierten auf Schwarzweiß-Ausgaben. An die Originalfarben hat sich keiner getraut. Zum Einen, weil die Technik noch nicht so weit war, dass man diese Zeitungsseiten in einer gleichförmigen Qualität hätte reproduzieren können. Zum Anderen, weil es keine Originalfarbvorlagen mehr gab. Die hat der amerikanische Verlag nicht mehr in seinem Archiv. Das erforderte mühsame Detektivarbeit.

Interessieren sich Verlage in anderen Ländern für Ihre Ausgabe?

Ja, mittlerweile haben wir fünf internationale Lizenzen verkauft. Darunter sind sehr Comic-bekannte Länder wie Frankreich, Italien, Spanien. Das macht schon stolz.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Der Eisenherz-Schöpfer Hal Foster ist 1982 gestorben. Wenn Sie ihn hätten treffen können – was hätten Sie ihn gerne gefragt oder ihm gesagt?

Ich hätte ihn gerne mal gefragt, wie er das durchgestanden hat, über so viele Jahre die Disziplin aufzubringen, jede Woche eine wirklich grandiose Seite abzuliefern.

© 2013 Bocola/King Features Syndicate,Inc./Distr. Bulls

Die Seite 177 © 2013 Bocola/King Features Syndicate,Inc./Distr. Bulls

Diese Prinz-Eisenherz-Seite mag Achim Dressler besonders gerne. Im Podcast erzählt er, warum:

Der Auswahlband umfasst ein Dutzend Eisenherz-Episoden aus verschiedenen Bänden der digital restaurierten Bocola-Edition, darunter auch Achim Dresslers Lieblingsgeschichte mit dem Riesen.
Prima für Eisteiger und Wiederentdecker:

Hal Foster
Prinz Eisenherz – Auswahlband
80 Seiten, 9,95 Euro
ISBN 978-3-939625-42-1