Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Brennendes Herz

Prof. Pu präsentiert für die Teo-Net-Blogparade ihren Lieblingsfilm: „Sodbrennen“ von Mike Nichols

„Sodbrennen“ ist einer meiner Lieblingsfilme, seit ich ihn 1986 im Kino gesehen habe. Ein wenig erstaunt war ich dann schon über meine Geschmackstreue – Mike Nichols (Regie, letzter Film: Der Krieg des Charlie Wilson) und Nora Ephron (Drehbuch, letzter Film: Julie & Julia) tauchen immer wieder in meinen Filmlisten auf – von Meryl Streep und Jack Nicholson ganz zu schweigen. Außerdem ein Highlight: Kevin Spacey als Dieb in seiner ersten Kinorolle. Die Komödie basiert auf dem autobiografischen Roman Ephrons, „Heartburn“, über ihre Ehe mit dem Watergate-Enthüller Carl Bernstein. Es ist eine einfache Geschichte:

Rachel Samstat und Mark Forman, beide beziehungsgeschädigt, lernen sich auf einer Hochzeit kennen, heiraten, kaufen ein heruntergekommenes Haus, Rachel bekommt ein Kind, der Alltag verwässert die Liebe. Erst während der zweiten Schwangerschaft wird ihr klar, dass die Affäre, die man einer bekannten Journalistin nachsagt, eine Affäre mit ihrem Ehemann ist. Sie trennt sich, er will zurück zu ihr, gelobt Treue und wird rückfällig. Rachel verlässt ihn endgültig. So weit, so gewöhnlich.

Was ich an diesem Film liebe, ist das Spiel von Streep und Nicholson. In ihrer ersten gemeinsamen Nacht verblüfft sie ihn: ganz un-new-yorkish kocht sie für ihn eine Riesenschüssel Spaghetti, die sie dann gemeinsam im Bett essen. Für immer lieben werde ich die Szene, in der sie ihm von ihrer Schwangerschaft erzählt, während sie im notdürftig renovierten und zugigen Schlafzimmer sitzen, Pizza aus dem Karton essen und Nicholson – auch in der deutschen Version nicht synchronisiert! – sehr schräg alle Lieder mit dem Wort „Baby“ im Titel anstimmt, einfach göttlich.

Oder Meryl Streeps Mimik, ihr Blick in den Spiegel, Method-acting-geübt, als ihr beim Friseur klar wird, dass und vor allem mit wem sie betrogen wird. Und wie oft denke ich an den Moment, als sie ihrem Ehemann während eines Essens – jenseits aller Tortenschlachten-Peinlichkeiten – vollkommen ungerührt den Nachtisch ins Gesicht drückt, den Autoschlüssel nimmt und verschwindet. Diese Nonchalance möchte man gern besitzen. Ja, es ist nicht so sehr die Handlung, es ist das Spiel der beiden, das mich diesen Film für immer lieben lässt.