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Torsten Knoll: Lieder über Aufruhr, Liebe und Ungewöhnliches

Optisch gesehen ist allenfalls seine schwarze Schieberkappe typisch. Noch schwieriger verhält es sich bei Torsten Knoll, wenn man versucht, seine Musik auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Das ist Protest und Provokation, das ist permanenter Diskurs und Erinnern, das ist Verarbeiten und schließlich Mitteilen. Torsten Knoll ist Komponist, Pianist und Sänger. Dabei deckt er gleich drei Musiksparten ab: Theater, Film und Chanson.

Ende Mai präsentierte er in den Mainzer Kammerspielen seine Chansons. Unter dem Motto „Lieder über Aufruhr, Liebe und Ungewöhnliches“ sang er über sich und seine Generation, über Liebe, Einsamkeit und Wut, Gefühle, die jeder kennt. Vor der Veranstaltung sprach Carina mit Torsten Knoll über sein Verständnis als Musiker und den Entstehungskontext seiner musikalischen Auswüchse:

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Torsten Knoll in den Mainzer Kammerspielen

Über Sofasozialismus und vergessene Lieben

Während des Konzertabends bettete er seine Lieder vorab in ihren Entstehungskontext ein: „Gute Nacht“ sei in Erinnerung an die Dienstagabende bei seiner Oma entstanden, die immer alles kommentierte, sich selbst aber scherzhaft als reine „Sofasozialistin“ bezeichnete. Es stecke aber auch der Ärger darüber drin, „dass man unglaublich viel reden kann, ohne etwas Sinnvolles zu unternehmen.“ Humorvoll zeigte er sich im Umgang mit dem Thema Liebe. In „Seelenfrei“ sang er über ein anfangs überschwängliches Verliebtsein, das binnen drei Wochen verpuffte, während „Schlaraffenland“ ein Liebeslied sei, bei dem er keine Ahnung mehr habe, für wen er es einst schrieb.

Alles – nur niemals in der Mitte

Diese Achterbahn zwischen Höhenflügen und Abstürzen zog sich durch alle Lieder. Neben Aufruhr und Liebe kam dabei auch die Wut nicht zu kurz. So gab er in „Es tut mir leid Arschgesicht“ ein Spottlied über einen ihm unleidigen ehemaligen Dozenten zum Besten. Bei seiner direkten Wortwahl sparte Knoll mitunter nicht an derben Beschreibungen: „Oh, wie es mir sanft die Eier leckt, dieses Bitzeln, diese Ahnung von Zerfall“. Pointiert brachte er schließlich seine Weltsicht auf den Punkt: „Es ist Hass und es ist Liebe, nur Gleichmut ist es nie“.

Chöre & Theater

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Unversöhnlich war dementsprechend sein Kommentar über sich und seine Generation. In „Was sind wir schön“ beschrieb er sie als „ein ganz klein wenig schrill, ein bisschen dürr, vielleicht auch unterschwellig krank“ und schloss mit dem Fazit: „Wir verrecken, einheitlich abgeschmackt – allein“. Bei aller Kritik an untätigen Zeitgenossen, konnte er es sich nicht verkneifen, der nachfolgenden Generation Ratschläge zu erteilen. In „Die neuen Fürbitten“, was er dem ungeborenen Kind einer Freundin widmete, sprach er ihm Mut zum Scheitern zu: „Und wenn du verfehlst, da ist gar nichts passiert, denn für nichts ist es je zu spät.“

Was sind wir schön

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Weitere Infos unter: www.torsten-knoll.de