LIEBE D-MARK UND TOD: Songs of Gastarbeiter

© 2022 Film Faust / Film Five / Rapid Eye Movies

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Folge 1397 – Kulturgeschichte richtig erzählt ist immer auch politische Geschichte. In LIEBE D-MARK UND TOD lernen wir nicht nur die Lieder der Gastarbeiter kennen. Wir kommen ihnen nah, ihrem Heimweh, ihrer Einsamkeit in einer Gesellschaft, die sie bis heute nicht willkommen geheißen hat. Cem Kaya zeigt uns auch die ausgelassenen türkischen Feiern, die Gurbetçi-Lieder, die Superstars, die außerhalb der türkischen Community niemand kennt – von den ersten Musikern in den 1960er Jahren bis zu den harten Rappern.

Im Film porträtiert werden unter anderem Yüksel Özkasap, Aşık Metin Türköz, Derdiyoklar, Ozan Ata Canani, Cem Karaca, Fresh Familee, King Size Terror, Islamic Force, Cartel und Muhabbet. Im Podcast direkt nach dem Kino diskutieren wir über die verlorene Generation, die glaubte mit ihren Eltern in die Türkei zurückkehren zu müssen, über Fremdenhass und Anschläge auf türkische Familien und über die großartige Musik. Am Mikrofon mit dem ersten Eindruck: Bettina und Thomas.

Die Dokumentation ist eine Koproduktion mit WDR, rbb und ARTE – hier in der ARD Mediathek anschauen.


Folge 1397
Unser erster Eindruck von LIEBE D-MARK UND TOD direkt nach dem Film
Länge: 10:04


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Bild: © 2022 Film Faust / Film Five / Rapid Eye Movies
Musik: Johannes Klan


Liebe D-Mark und Tod (Aşk, Mark ve Ölüm)
D 2022, 96 Min., Regie: Cem Kaya


Andere Meinungen

„Diese Gurbetci-Lieder (Lieder aus der Fremde) gehören zu den eigenständigen musikalischen Stilen, die sich in der Diaspora der Bundesrepublik entwickelt haben und die es so in der Türkei nicht gibt. Die deutschen Medien interessieren sich kaum dafür, in den Berichten über die soziale Situation der Eingewanderten schwingt oft ein unverhohlen chauvinistischer Unterton mit. Selbst als in der nächsten Generation mit dem Duo Derdiyoklar oder Cem Karaca die Musiker*innen beginnen, ihre gesellschaftskritischen Lieder in beiden Sprachen zu singen, und damit ins deutsche Fernsehen eingeladen werden, bleiben sie Exoten, die »hier nicht zu Hause« sind, wie es die Moderatorin zuckersüß formuliert.“
Thomas Arbeitshauser für epd-film.de

„Dicht aneinander montiertes Archivmaterial, eine poppige Ästhetik, die an die Cover der Musikkassetten erinnert, und das Auftreten zahlreicher Sänger und Sängerinnen verschiedener Generationen machen aus dem Film eine unterhaltsame Erfahrung, stimmen aber mit dessen manchmal unterschwelligen, manchmal offenkundigen bitteren Beigeschmack, wenn es um die erzählte Realität der Türkischstämmigen ebenfalls verschiedener Generationen geht, auch nachdenklich. Kaya hat ein wichtiges Zeitdokument geschaffen und mit seiner fleißigen Dokumentationswut wahre Pionierarbeit geleistet.“
Teresa Vena für kon-zeit.de

„Da ist die Rede von gebrochenen Versprechen, zerplatzten Träumen, der großen Kluft zwischen den Wünschen nach einem guten Leben oder dem Versprechen eines Abenteuers und der Wirklichkeit aus Ausbeutung und Ausgrenzung. „Deutschland, alles an dir ist eine Lüge, du hast mir mein Leben genommen, ich habe dich satt“, intoniert die im Film als „Diva Europas“ vorgestellte Cavidan Ünal das Lied „Yalan Almanya“ von Gülden Karaböcek noch einmal für diesen Film. „Ihr habt nie an mich geglaubt / Ich war immer, was ihr braucht“, rhymt heute die kurdische Rapperin Ebow in „K4L“.“
Till Kadritzke für critic.de


Trailer