Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Agent ohne Alleinstellungsmerkmal

Die Üblichen Verdächtigen kommen aus dem Kinosaal und holen tief Luft für einen Verriss:

(c) Sony Pictures 2008Vielleicht verlangen wir einfach zuviel, vielleicht ist eine Marke auch einfach mal am Ende. Nach „Casino Royale“ sahen wir das Markenzeichen „James Bond“ wieder mächtig im Aufwind. Nach dem Quentchen Trost aber ist die Luft raus – Bond ist ein konzentrierter Killer, für Humor hat er keine Zeit, er huldigt der Rachegöttin – nicht der Liebesgöttin, er weiß nicht einmal, was für einen Drink er in sich rein schüttet. Er tritt aus dem Schatten von 20 Filmen heraus … und stolpert.

Wer eine teure und professionell produzierte Neuauflage von „Ein Mann sieht rot“ sehen will, ist hier gar nicht mal schlecht bedient, aber dann ist der Aufkleber „James Bond“ fehl am Platz. Der Spirit fehlt, die Story ist eher mau. Das sollte ein topaktueller Bond sein, das war gut gemeint. Aber gut gemeint ist meistens das Gegenteil von gut gemacht. Wann kommt eigentlich der nächste Jason Bourne-Film ins Kino?

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Batzman ist ebenfalls leicht angepisst:

„Es bleibt dabei: “Quantum” ist ein passabler Bourne-Film, eine überambitionierte 24-Folge, aber ein furchtbarer Bond.“

Jo Müller dagegen ist zufrieden mit dem Killer Craig, auch Carsten Baumgardt ist begeistert:

„Ein Quantum Trost“ ist State of the Art bis an die Schmerzgrenze. Wer sich auf diesen neuen 007 einlässt, wird mit einem imposanten Action-Abenteuer-Inferno entlohnt, das auf die Vergangenheit pfeift und Bond endgültig in der Neuzeit verankert. Daniel Craig begeistert als primitiver Berserker, der zwischen alle Fronten gerät und Amok läuft. Marc Forster inszeniert „Ein Quantum Trost“ als Action nonstop, komprimiert auf 103 atemlose Minuten. Ein ebenso grimmiger wie großartiger Film.“

Meinungen bei Moviepilot, eine Presse-Übersicht – überwiegend enttäuscht – wie immer bei film-zeit.de. Am unterhaltsamsten empört sich Wolfgang Zehentmeier:

„Was ist geblieben von der Eleganz, der geschmeidigen Bewegung, dem virtuosen Tanz auf dem glatten Parkett der Diplomaten, Schurken, Reichen und Superreichen? Nichts. Craig wirkt im Smoking wie ein Bodyguard, nicht wie ein Agent ihrer Majestät. Er bewegt sich wie ein Bulldozer im Opernballgetümmel. Ein Proll im Nadelstreif, wenn überhaupt: Die meiste Zeit sieht er eher aus wie ein Zausel, der barfuß das Hochhaus am Nakatomi-Plaza oder im Unterhemd den Flughafen in Washington vor Terroristen rettet und sein Name ist eigentlich Willis, Bruce Willis.“

Man würde ihm gerne widersprechen, wenn man nur könnte.