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„Dreams for sale“: Wo beginnt das Böse? Oder: Über Frauen lässt sich mehr erzählen als über Männer

Dreams for sale (Nippon Connection)

Der beste Film, den er auf dem Festival gesehen hat, findet Thomas. Zwei Menschen werden fast aus Versehen Betrüger – auf der Jagd nach dem eigenen Traum. Und um Träume geht es überall in diesem wunderbar vielschichtigen Film: Der Traum ein eigenes, perfektes Restaurant zu haben, der Traum endlich einen Ehemann zu finden, der Traum bei den Olympischen Spielen zu gewinnen, der Traum seine eigene Würde als erfolgreiche Frau zu behalten.

Wie bei ihrem Film „Dear Doctor“ gelingt Regisseurin Miwa Kishinawa ein tiefer Blick in die japanische Gesellschaft, in dem sie die Hoffnungen und Ängste ihrer Protagonisten ausleuchtet. Und das mit souveränem Kinohandwerk. Komplexe und wirklichkeitsnahe Frauenfiguren statt Klischees. Im Podcast diskutiert Thomas mit Patrick Thülig, der nicht ganz so begeistert war über Symbole, Opfer, Täter, Bild, Ton und das Durchbrechen der vierten Wand:

Miwa NISHIKAWAs bitterböse Ehegeschichte bewegt sich traumwandlerisch sicher zwischen Thriller, Komödie und Drama. Als sich ihr Restaurant nach einem Brand in Schutt und Asche verwandelt, beschließt das Ehepaar Satoko und Kanya, einsame Single-Frauen zu betrügen, um an Geld zu kommen. Im Laufe der Zeit zehrt die Vereinbarung aber ihre Beziehung von innen auf, und auch die betrogenen Frauen fangen an sich zu wehren. Mit viel Sinn für Doppelbödigkeit inszeniert die Regisseurin ein wahrhaftes Beziehungsinferno, dem niemand heil entrinnt. Ganz en passant gelingt NISHIKAWA in dem Porträt des von Geld bestimmten zwischenmenschlichen Miteinanders ein beißender Kommentar zur Finanzkrise.

ÜBER DIE REGISSEURIN
Miwa NISHIKAWA, 1974 in Hiroshima geboren, gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen Regisseurinnen Japans. Ihr Debütfilm WILD BERRIES (2003) wurde von Hirokazu KOREEDA produziert. Für DEAR DOCTOR erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, u.a. für das beste Drehbuch bei den Japanese Film Academy Awards 2010.

FILMOGRAFIE
2003 Wild Berries (Hebi ichigo / NC ’04); 2006 Sway (Yureru); 2009 Dear Doctor (NC ’10)

Quelle: Nippon Connection

Text und Podcast stehen unter einer Creative Commons-Lizenz.
Quelle: SchönerDenken

Dreams for sale (Yume uru futari)
Japan 2012, 134 Min., Regie: Miwa NISHIKAWA