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Götz sagt an: die besten Filme 1999

In unserer Reihe „14 Jahre ohne Kino“ erzählen wir einem, der 14 Jahre nicht im Kino war, was er verpasst hat. Nach Hendrik und dem Abspannsitzenbleiber widmet sich heute Götz als Dritter dem Kinojahrgang 1999:

1. „Magnolia“  von Paul Thomas Anderson – das unbedingte Meisterwerk dieses Jahrgangs: Tom Cruise war nie so optimal, seinen Möglichkeiten entsprechend, besetzt und es ist seine beste Rolle: als zu anfangs exaltierter Sex-Guru, der im Laufe eines Gesprächs mit einer Journalistin immer mehr zu sich findet und das in ihm Verdrängte aufsteigen und zulässt. Aber es gibt noch so viele andere fesselnde Charakterstudien und individuelle Groß- und Kleindramen. Als Episodenfilm kongenial zu Robert Altmans „Short Cuts“. Alles ist grandios, nicht zuletzt die Musik. Allein sehenswert eine atemberaubende Kamerafahrt durch die Flure und Zimmer eines Fernsehstudios. Und es regnet Frösche. Ein würdiger Abschluss des ersten Kinojahrhunderts könnte man sagen.

2. Zu dem sehr eindrucksvollen Anti-Kriegsfilm „Der schmale Grat“ hatte ich in meinem Terrence-Malick-Beitrag im vergangenen Jahr schon einiges gesagt.

3. Für Romantiker mein Jahres-Favorit Nr. 3.: „Notting Hill“: Ich muss gestehen, dass ich immer wenn ich am Frühstückstisch sitze und leises Vogelgefiepse von draußen höre, an „Notting Hill“ denken muss, also fast täglich. Darin gibt es nämlich eine Szene, in der zwei beim Frühstück sitzen, in so einem schönen, stillen englischen Stadt-Reihenhaus. Ich muss auch gestehen, dass ich Hugh Grant in dieser Rolle großartig finde und überhaupt diesen ganzen Kitsch. Und dieser komische,  chaotische WG-Mitbewohner Spike (Rhys Ifans) in seiner grau gewaschenen, einst weiß gewesenen Unterhose. Herrlich. Also ein Film, bei dem einem warm ums Herz wird und bei dem ich noch in zwanzig Jahren beim Zappen durch dann sechstausend Programme hängen bleiben und ihn zu Ende schauen werde. Ein von Rom nach London transponiertes Remake von „Ein Herz und eine Krone“ mit Audrey Hepburn und Gregory Peck aus dem Jahr 1953. Die Prinzessin ist hier ein Filmstar, der Journalist ein Buchhändler. Ein „All Time Classic“ der romantischen Komödie.

4. „Star Wars“ halte ich, sonst in Science-Fiction-Filmen nicht sehr bewandert, für klassisches, großes Kino. Und „Episode I – Die dunkle Bedrohung“ ist von den sechs Folgen einer meiner Favoriten: erzählt aus der Kindheit von „Darth Vader“. Ein Wettrennen mit kleinen, aus Schrott konstruierten Raumkapseln macht dem legendären Wagenrennen aus „Ben Hur“ Konkurrenz.

4. „The Straight Story“ kenne ich leider nicht, was mich aber nicht davon abhalten muss, von diesem Film zu schwärmen und ihn bestens zu empfehlen, wie wir seit Truffaut und Godards Kinokritikertagen wissen. Frei nach ihrem von mir immer wieder gern angeführten Motto: Die besten Filme sind die, die wir noch nicht gesehen haben, von denen wir noch träumen können.

5. „Buena Vista Social Club“: aber nur, wenn man die Musik alter kubanischer Männer und Wim Wenders-Filme mag – dann unbedingt anschauen.

6. Auch sehr speziell, fern vom Mainstream – aber eindringliches, schönes Independent-Kino: „Alles über meine Mutter“ von Pedro Almodovar – eine Familiengeschichte.

Die meiner Ansicht nach Überschätzten des Jahres – ein aufrichtiges Sorry an alle, die diese drei Filme schätzen:

„Eyes Wide Shut“: von Stanley Kubrick, einem Giganten des Kinos, daran kann man kaum vorüber gehen, in diesem Fall verpasst man aber nicht viel, außer einer erotisch säuselnden Nicole Kidman – besser Schnitzlers „Traumnovelle“ lesen, die die literarische Vorlage des Films war.

„Fight Club“ habe ich damals gesehen und fand ihn faszinierend, aber einen bleibenden Eindruck hat er dennoch nicht bei mir hinterlassen – das gleiche gilt für „American Beauty“ – beide geben ihre Größe und Bedeutung nur vor, haben sie aber nicht wirklich inne. Zwei Kraftmeier- und Gernegroß-Filme, aber vielleicht würde ich nach einem erneuten Sehen dieses doch wohl zu harte Urteil revidieren.

Quelle: Götz Kohlmann/SchönerDenken