Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

„Isch könnte England erobärn mit einem ‚Eer von Köschen!“

Die Üblichen Verdächtigen kommen aus „Robin Hood“ mit ausgesprochen gemischten Gefühlen. Im Podcast reden Sie darüber, wie der Film sich in seiner Vorgeplänkelvorgeschichte verheddert, über die englische Geschichte und Geographie als Requisitenkammer, über Oneliner, gute Ansätze, schludrige Umsetzung und über den Schnitt des Drehbuchs:

Im Kino bin ich ja der Erste, der heult. Besonders, wenn da wieder mal einer für den anderen einsteht – da bin ich nur noch ein Sack Wasser. Bei Robin Hood allerdings blieb das Auge knochentrocken. Das Drehbuch verliert sich zwischen einer nicht zu Ende gedachten modernen politischen Ebene, einer Geschichte von Verrat und Krieg, einer Liebesgeschichte, der Robin-Hood-Legende …

Und Scott ist hier kein Garant für die richtigen Bilder. Ein Beispiel: Die Landung in der Normandie, nein, die Landung der Franzosen an der englischen Küste (sieht nur aus, wie die Landung in der Normandie) – das vergleicht man natürlich mit dem Beginn von „Gladiator“: Und es hält dem Vergleich nicht stand. Vor allem nicht, wenn ***SPOILER*** Lady Marion mit Waisenkindern aufs Schlachtfeld geritten kommt. Uff. Auch knapp daneben ist vorbei.

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Christian sieht den Film positiver als wir:

Dieses Konzept geht durchaus auf, auch wenn die Figurenzeichnungen an sich arg stereotyp geraten, und somit leicht zu durchschauen sind. Was dies angeht, man denke nur an „Königreich der Himmel“, war Ridley Scott auch schon einmal weiter. Charakterlicher Tiefgang darf somit nicht erwartet werden, doch hindert dies den Film nicht daran, über seine mehr als zweistündige Spielzeit, die wie im Flug vergeht, ein überaus gelungener Historienspaß zu sein. Schwächen hat der Film aber immer dann, wenn er sich zu sehr den heutigen Blockbuster-Erfordernissen verschreibt, ohne diese adäquat in die Handlung zu integrieren.

Arne dagegen spricht im bummelkino von „Etikettenschwindel“:

„Die 2010er „Robin Hood“-Produktion ist unbestritten ein großes Abenteuer im Mittelalter – aber ein Robin Hood-Film? Nein, das sicher nicht, sondern vielmehr ein Etikettenschwindel, der Fans des ursprünglichen Stoffes in die Kinos ziehen will und tatsächlich nur für Mittelaltermarktsbesucher oder ähnlich strukturierte Menschen empfehlenswert ist.“

Urs geht auf Distanz:

„Inhaltlich gibt sich das Werk aber zu beliebig, gar abgedroschen. Scott sprach indes bereits davon, einen weiteren Teil über den König der Diebe zu drehen. Ein Sequel von „Men in Tights“ wäre da eher wünschenswert.“

Michael Sennhauser spricht ein wahres Wort gelassen aus:

„Dieser Robin Hood ist als Film ein Bastard, da steckt viel zu viel von allem drin, und wenn zum Schluss die verwilderten Kinder von Nottinghamshire im Sherwood Forrest mit den Merry Men und der married Marian ums Feuer tollen, schlägt der Gladiator auch noch um in einen Ewoks-Movie. Das ist kein Neubeginn für Robin Hood, wie es etwa Batman Begins für den Flatterman war, sondern eine Sackgasse.“