Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Programmtipp „Babel“ – Lost in Babylon

Heute 7. Oktober | 23.00 Uhr | SWR Fernsehen

Filmszene Babel (c) TobisSie verstehen sich nicht, sie reden aufeinander ein und selbst wenn sie einmal die gleiche Sprache sprechen, schlägt die Kommunikation fehl. Wo Menschen sind, da ist Babylon – heillose Verwirrung. Da ist ein amerikanisches Ehepaar, das nach Marokko fährt, um sich vielleicht wieder besser zu verstehen – statt dessen in Lebensgefahr gerät, da ist ein taubes Mädchen in Tokio, das im wahrsten Sinne des Wortes die Welt nicht mehr versteht, da sind zwei marokkanische Jungen, die zu spät begreifen, was eine einzige Gewehrkugel auslösen kann, da sind Mexikaner, die an der Grenze zu den Vereinigten Staaten nicht nur an der Sprachbarriere scheitern.

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Das sind die Geschichten, die Regisseur Inarritu in „Babel“ erzählt.

Filmszene Babel (c) TobisInarritu erzählt aufreizend langsam, lässt sich und uns viel Zeit den Figuren nahe zu kommen, so nahe, dass sie wieder Menschen werden und uns wehtut, was ihnen wehtut. Dass mag vielen nicht gefallen. Für gewöhnlich erwarte ich im Kino auch lieber eine Traumwelt mit überlebensgroßen Helden und Bösewichtern, übernatürlichen Schönheiten und unentdeckten Weiten. Es sei denn, ein Regisseur findet die Sprache, das wirkliche Leben so zu erzählen, dass Träume wie Zeitverschwendung erscheinen. In „Babel“ sind die Menschen verloren, übermütig, lüstern, überfordert, einsam, unverstanden, frustriert, hilfsbereit, verletzlich, egoistisch und haben Angst, Angst um ihr Leben und das Leben, der Menschen, die sie lieben. Inarritu geht es vor allem um Eltern und ihre Kinder, wie sie verzweifeln und wie sie füreinander da sind.

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Er lässt mich über die Schulter dieser Menschen schauen und manchmal eine Ewigkeit lang in ihr Gesicht. Dann vergesse ich die anderen Kulturen und Sprachen – und genau das ist es, was er wollte. Auf die Frage, nach der größten Herausforderung bei „Babel“ antwortete er:

„To find a way to traverse the borders of language and culture and find a language and visual grammar, coupled with all of the differences, to find a way to communicate through a new cinematic language.“

Filmszene Babel (c) TobisDas ist ihm gelungen. Auch Dank sehr guter Schauspieler – von den überraschenden Laiendarstellern bis hin zu den großen Stars. Zum Beispiel, wenn Richard (Brad Pitt) einem marokkischen Helfer Geld geben will. Der lehnt ab und in Richards Augen ist für einen Augenblick Überraschung, Dankbarkeit und Sorge um seine Frau auf eine Art zu sehen, dass ich diesen Kino-Augenblick nicht mehr vergessen werde.

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Für sieben Oscars ist „Babel“ nominiert (Film, Drehbuch, Musik, Schnitt, Regie und für die weibliche Nebenrolle Rinku Kikuchi und Adriana Barraza). Die meisten wären verdient.

Links

Genau hingeschaut bei „Babel“ haben die Fünf Filmfreunde und der Abspannsitzenbleiber.
Filmkritiker Herbert Spaich über Familien in den Zeiten der Globalisierung.
Offizielle Website und der Trailer bei YouTube.

(Ursprünglich veröffentlicht am 17. Februar 2007)