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Hendriks imaginäre Anthologie,
NICER FICTIONS, Band 1,
Achte Geschichte
Stanley G. Weinbaum
DIE LOTOSESSER
(The Lotus Eaters, 1935)

„Woher kennst du unsere Sprache?“, fragte er.
Die hohe Stimme erklang. „Ich kenne keine Sprache.“

Weinbaums Werk ist wegen des frühen Todes des Autoren schmal geblieben, was die Relevanz seiner Werke jedoch nicht im Geringsten abschwächt. Seine frühen Versuche, Konzepte für wirklich andersartige Formen von Leben zu entwerfen, statt einfach nur auf literarischem Wege Menschen in Monsterkostüme zu zwängen, erweiterten die Konventionen der Science Fiction. Zwar ist seine bis heute berühmteste Erzählung „Mars-Odyssee“ diesbezüglich kaum mehr als zwar faszinierendes, aber doch eher triviales Seemannsgarn. Aber mit „Die Lotosesser“ entwickelte er ein höchst interessantes Konzept:

Intelligenz, die nicht einer auf Dynamik und Expansion fußenden Biologie entspringt und uns damit in denkanregender Weise völlig fremdartig erscheinen muß. Auf unterhaltsam gewundenen Pfaden führen uns solche Erzählungen oft zu den gleichen Denkkonzepten, wie es manche humanwissenschaftlichen Theorien auf ihren staubtrockenen Forschungsfeldwegen tun. Hier ist es die alte Frage, was das Überleben besser gewährleistet: eine statische, gesicherte Lebensweise, die jedoch der Fähigkeit ermangelt, auf Veränderungen von außen sinnvoll zu reagieren, oder aber eine räuberisch-dynamische Lebensweise, die dafür den Preis bezahlt, sich nicht in eine stabile Ökologie integrieren zu können und daher stets an der Schwelle zur Selbstvernichtung steht.

Das macht „Die Lotosesser“ trotz ihres Alters zu einer ungebrochen aktuellen Geschichte: die überwiegend räuberisch-dynamische Menschheit muß dringend lernen, das Positive beider Optionen zu behutsam gelenkter Integration zu vereinen, sonst wird sie zwangsläufig an der Kombination des Negativen beider Lebensweisen scheitern – die aktive räuberische Eroberung, die sich selbst nicht anzupassen und zu stoppen vermag und sich daher irgendwann in sich selbst verbeißt.

Ich fand diese Geschichte in…: Stanley G. Weinbaum, “Mars-Odyssee”, Heyne Verlag, München.

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