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„Prometheus“: Die Michael-Fassbender-Festspiele

Ein Film mit Stärken und Schwächen, und definitiv nicht auf Augenhöhe mit dem legendären Vorgänger von 1979, finden die Üblichen Verdächtigen. Im Podcast reden Sie über visuelle Perfektion, schwache Charaktere, Handlungslöcher, Filmzitate, Spannung, Angst und Adrenalin, denkbare Sequels und Anspielungen auf den ersten „Alien“:

Mit dem „Alien“-Film in unseren Köpfen kann sich ohnehin kein Kinofilm messen – zumindest keiner ohne Sigourney Weaver. Ridley Scotts „Alien“ von 1979 ist für viele von uns so etwas wie der Heilige Gral des phantastischen Films. Eine bis dahin noch nie dagewesene Mischung aus real aussehendem Science-Fiction-Thriller und Monsterfilm – mit einem Ungeheuer, das direkt von der Leinwand in unser Unterbewußtsein kroch. Und einer klischeebefreiten starken Frauenfigur, der man zutraute, dieses schlimmste aller Monster zu überleben.

Die Ankündigung, Ridley Scott würde selbst ein Prequel zu „Alien“ umsetzen, hat dementsprechend höchste Erwartungen ausgelöst. Mit den vier Filmen, die mit Sigourney Weaver produziert wurden, kann Prometheus am Ende aber nicht Schritt halten. Dabei fängt er sehr gut an: Michael Fassbender als Android David, der das Pinocchio-hafte seiner Figur durch eine Nachahmung von Peter O’Toole unterstreicht, hat sehr beeindruckende Szenen. Im Grunde bringt uns der Film auf dem erhofft hohen Niveau bis in den Tempel der „Konstrukteure“. Und dann geht Damon Lindelof die Puste aus – das Alien darf er nicht zeigen und etwas vergleichbar beeindruckendes hat seine Geschichte nicht zu bieten.

Vielleicht liegt es auch daran, dass es überflüssige Figuren gibt (Charlie Holloway) und störende Charaktere (Peter Weyland), vielleicht auch daran, dass (wenn man einmal Sigourney Weaver gesehen hat als Ellen Ripley) keine sensible, süße Wissenschaftlerin wie Elizabeth Shaw ernst nehmen kann. Kein Vorwurf an Noomi Rapace, die eine nüchterne, härtere, stärkere Elizabeth Shaw hätte spielen können, wenn das jemand ins Drehbuch geschrieben hätte. Mit Meredith Vickers ist übrigens eine überzeugend harte Frauenfigur an Bord – die wird allerdings verschwendet, um ein überflüssiges Vater-Tochter-Ding zu verhandeln, statt sich mit einer tödlichen, fremden Kreatur zu messen. SPOILER: Am Ende des Films stirbt auf jeden Fall die falsche Frau.

Vielleicht liegt es auch daran, dass die religiöse Ebene (seinen Schöpfergott finden, den Zorn seines Schöpfergottes verstehen) viele Zuschauer weder interessiert noch überzeugt. Die schiere Neugier, die Spezies kennen zu lernen, von der wir Menschen abstammen, das Verlangen, die eigene Herkunft zu verstehen, wäre ein mehr als ausreichend intensives Motiv.

Sehenswert ist der Film aber nicht nur wegen der gelungenen ersten Hälfte und der starken Schauspielerleistung von Michael Fassbender und Charlize Theron, sondern vor allem wegen Ridley Scotts handwerklichen Fähigkeiten. „Prometheus“ ist optisch zweifellos ein Meisterwerk – ein perfektes Produktionsdesign, die Raumanzüge, das Schiff, die roten Scanner, alles zum Hinknien. Auch bei der zweiten Sichtung bleibt dem Science-Fiction-Fan manchmal nur ehrfürchtiges Staunen, was uns der Meister da vor Augen führt. Leider aber ist das Drehbuch am Ende schwächer als die Regie – und das gab es ja bei Ridley Scott schon häufiger.

Text und Podcast stehen unter einer Creative Commons-Lizenz. Quelle: Thomas Laufersweiler/SchönerDenken

Prometheus – Dunkle Zeichen (Prometheus)
USA 2012, 124 Min., Regie: Ridley Scott, Drehbuch: Damon Lindelof

Andere Meinung

Sehr lesenswert – die Filmanalyse bei screen/read:

„Doch nicht die außerirdischen Kreaturen und Space Jockeys (oder „Ingenieure“, wie die Archäologen sie getauft haben) sorgen für das größte Unwohlsein, denn ihre Gefahr ist für den erfahrenen Zuschauer berechenbar. Wirklich beunruhigend wirkt hingegen ausgerechnet der einzige Ruhepol inmitten wachsender Bedrohung und Irrationalität. Diese Funktion kommt traditionell den künstlichen Mitgliedern der Besatzung zu – Bordcomputern wie HAL oder eben Androiden wie David.“