SALARYMAN (Nippon Connection 2022) feat. Lucas Barwenczik (Longtake)

Japans Büroangestellte in SALARYMAN von Allegra Pacheco

Japans Büroangestellte in SALARYMAN von Allegra Pacheco


Ein Blick von außen auf Japan und seine Büroangestellten, die Salarymen: Die costa-ricanische Künstlerin und Fotografin Allegra Pacheco stolpert im wahrsten Sinne des Wortes über die Angestellten, die in ihren Businessanzügen auf dem Bürgersteig schlafen, weil sie betrunken die letzte Bahn nach Hause verpasst. Im Debütfilm erklärt sie sich selbst und uns diese Welt und kommt den Menschen als blonde Fremde erstaunlich nah. Die Salarymen werden sichtbar zwischen Samuraiselbstbild, Loyalität, Überforderung, Alkoholismus, Enttäuschung und Entfremdung von ihren eigenen Familien. Lucas hat da einen sehr kritischen Blick und vermisst die Intensität und den Anspruch von SALESMAN von Albert und David Maysles und Charlotte Zwerin von 1969. Thomas sieht den Film eher als visuell anspruchsvolle Reportage, der es gelingt den Status Quo darzustellen und eine sehr gute Einführung in das Thema bietet, auch wenn daraus keine These folgt. Ein versöhnliches Streitgespräch direkt nach dem Film.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken


Salaryman
Japan 2021, 80 Min., Regie: Allegra Pacheco



Länge: 27:04 / Folge 1159 Lucas (kritisch) und Thomas (begeistert) diskutieren über die Dokumentation SALARYMAN von Allegra Pacheco



Andere Meinungen

„Im Kontext einer Wirtschaft, die bereits durch die Krise gegen Anfang der 90er Jahre einen empfindlichen Dämpfer bekommen hat, wirken die „salaryman“ nicht nur wie Artefakte einer anderen Zeit, sondern wie jene „Sklaven des System“ (corporate slaves), wie sie ein ehemaliger Angestellter nennt. Pachecos Bild ist damit zugleich Symbol einer Kultur, deren Bilder und Symbole einer Revision bedürfen und die ihre Mitmenschen auf der Strecke lässt, wenn diese es noch nicht einmal bis nach Hause schaffen, um sich von der Arbeit zu erholen.“
Rouven Linnarz für film-rezensionen.de


Und das sagt Nippon Connection über SALARYMAN:

Als die costa-ricanische Künstlerin und Fotografin Allegra Pacheco für einige Monate nach Japan reist, fallen ihr als erstes Männer in Anzügen auf, die nachts auf der Straße schlafen. Sie will herausfinden, was es mit diesem Phänomen auf sich hat und taucht tief in die Eigenheiten der japanischen Arbeitswelt ein. In ihrem Dokumentarfilm-Debüt rückt Allegra Pacheco das Alltags-Credo vieler japanischer Büroangestellter in den Mittelpunkt: „ganbaru”, was soviel bedeutet wie „durchhalten” oder „sein Bestes geben”. Die Künstlerin und Fotografin Allegra Pacheco wurde 1986 in Costa Rica geboren, sie studierte an der Wimbledon Faculty of Arts und an der School of Visual Arts in New York. Ihre Werke wurden bereits in Japan, Spanien, Costa Rica und den USA ausgestellt. Ihr erster Dokumentarfilm SALARYMAN feierte 2021 seine Weltpremiere beim Los Angeles Documentary Film Festival.