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„Shutter Island“: Niemand ist eine Insel

Die Üblichen Verdächtigen kommen aus „Shutter Island“ und können sich nicht einigen, ob der Film sehr gelungen oder sehr enttäuschend ist:

Scorsese malt diesen Psychothriller mit dickem Pinsel – und das gilt gleichermaßen für Kameraführung, Ausstattung, Score und Dialogpathos. Das kann einem zuviel werden, muss aber nicht. Und so ist „Shutter Island“ für den einen ein gelungener Genrevertreter und für den anderen schwer erträgliches Psychogelaber im Pseudo-Noir-Gewand.

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Da beschränken wir uns heute auf die sehr lesenswerte Kritik von Christian, der die Schwachpunkte analysiert, am Ende aber wohlwollend urteilt:

„Shutter Island“ ist mit Sicherheit kein ganz typischer Scorsese, schon allein weil man sich nicht des Eindrucks erwehren kann, dass Scorsese von der ersten Sekunde an auf das Stilmittel handwerklicher Übertreibung setzt. Wenn die beiden Marshalls in den ersten Minuten des Films zum düsteren Anwesen der Anstalt gefahren werden, während sich der drohende Sturm bereits ankündigt, dann wird dies von Scorsese mit einem krachenden Score unterlegt, der die gewollte Anlehnung von „Shutter Island“ an die Filmgeschichte geradezu überakzentuiert. In dieser Art und Weise geht es dann über die gesamte Spielzeit weiter, ob es sich nun um den Regen handelt, der mit unvermittelter Wucht auf die Dächer prasselt, oder ob es die gellenden Schreie sind, die immer wieder aus der Dunkelheit der ominösen Station C hallen. Scorsese gefällt sich in „Shutter Island“ offensichtlich darin, sich in einer ausdrucksstarken Bildsprache zu verlieren.

Der Beitrag erschien zuerst am 15. März 2010.