Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

„The Tourist“: Eine Hollywood-Imitation oder:
Der Untergang der FHV Donnersmarck

Die Üblichen Verdächtigen kommen aus „The Tourist“ und sind enttäuscht. Elise (Angelina Jolie) lässt den Touristen Frank (Johnny Depp) die Rolle ihres mysteriösen Geliebten spielen. Britische Behörden und reiche Verbrecher sind den beiden auf der Spur – in Venedig wird sich zeigen, wer falsch spielt … Im Podcast sprechen die Üblichen Verdächtigen über zuviel Glamour, Star-Power, feuchte Träume von Requisiteuren, einzelne Highlights und ständige Durchhänger, über die Messlatte „Thomas Crown Affair“ und eine vielleicht geleaste Villa in Los Angeles:

Das ist also Donnersmarcks zweiter Film. Nach dem zurecht hochgelobten „Das Leben der Anderen“ mit dem herausragenden Ulrich Mühe in der Hauptrolle, jetzt also ein Spionagethriller. Und es funktioniert nichts: Das Timing ist eine Katastrophe, der Score grausam kitschig, Donnersmarck lässt die Schauspieler immer wieder ins Overacting laufen, die beiden Hauptdarsteller harmonieren nicht, Angelina Jolie zeigt die vielleicht schlechteste Leistung ihrer Karriere. Charlize Theron war im Gespräch, auch Eva Green oder Audrey Tautou hätte man sich wunderbar vorstellen können. Auch Donnersmarck war als Regisseur nicht erste Wahl. Nach diesem Film ist er in Hollywood nicht einmal mehr zweite Wahl.

The Tourist
USA 2010, 103 Min., Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

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Donnersmarck ist abgesoffen, findet Arne Hübner (bummelkino):

„„The Tourist“ ist eine grauenhafte, venezianische Charade mit deplatziertem Blödelfaktor und dann wieder schrecklich verzierten Schmalzmomenten, die insgesamt betrachtet an die mittelmäßige Sommerkomödie „Knight and Day“ mit Tom Cruise und Cameron Diaz erinnert – nur mit vertauschten Geschlechterrollen. Im Endeffekt ist jeder von Donna Leons TV-Brunetti-Krimis unterhaltsamer.“

Herrlich pointiert die Kritik von Björn Lahrmann (manifest):

„Eine Provinzmentalität, die nichts hervorbringt als die Reproduktion toter Oberflächen; ein Venedig, dessen maroder Altglanz unter James Newton Howards unfassbar abgeschmackten Hardcore-Tutti zu Pappe wird, ein Johnny Depp, dem sein vielzitierter Charme als steife Maske das Gesicht lähmt. Am Schlimmsten trifft es Angelina, deren vollständige charismatische Neutralisierung auch dadurch nicht abgewendet werden kann, dass sich allenthalben die versammelte Komparserie nach ihr umdreht wie hungrige Diabetiker nach einem Stück Edelkonfekt. Es bedürfte wirklich eines außergewöhnlich schmerzfreien, schadenfrohen Gemüts, um diesem Urlaub noch etwas abgewinnen zu können. In einem Wort: Katastrophentourismus. Man kann nur hoffen, Donnersmarck hat seinen Rückflug bereits gebucht.“