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Wie kommt die Lustmühle auf den
Wortstoffhof?

PJ liest „Wortstoffhof“ von Axel Hacke

Podcast 52
Sprachgeschichten, Reflexionen über Wörter, die nicht unbedingt im Duden stehen, Worte, die zu wertvoll zum Wegwerfen sind – das alles sammelt Axel Hacke in seinem „Wortstoffhof“: Man weiß ja nie, ob man nicht Begriffe wie „Trauerpumpe“, „Lustmühle“ oder „Drahthuhn“ nicht doch mal benötigt.

Von „Absätze“ (Schild beim Schuhmacher – „Auf Absätze kann gewartet werden“) über „Montage“ („Arbeiter für Montage gesucht“ – und der Rest der Woche??) bis zu „Zeitfenster“ („Wir haben da nur ein ganz enges Zeitfenster…“) sammelt Hacke alles in seinen Wortstoffcontainern, was ihm an sprachlich verquerem, nachzuspürendem, doppel- drei- und mehrdeutigem untergekommen oder von aufmerksamen Mitlesern zugeschickt wurde.

Absolute Höhepunkte dieses kleinen Wort-Lexikons sind dabei die Übersetzungen von Speisekarten, Reiseführern und Bedienungsanleitungen ins Deutsche, die solch skurrile Wortschöpfungen und –verbindungen hervorbringen, dass Lachbauchschmerzen unvermeidlich sind. So werden auf einer türkischen Internetseite (die auf Deutsch gestaltet ist) folgende selten-seltsame Speisen erläutert: „KunstErwürgt Salat“, „Schenkel der Frau Kofte“, „Feiger Fischteich“, „Auf und Ab Geback“, „Hühnchen und Gemüse stopfen sich voll“, usw. usw.

Aber auch Begriffe des Zeitgeistes wie „Du Deutschland“ oder „Kauflaune“ erfahren hier ihre Würdigung in Form nachsinnender Zeilen, die über das reine Schenkelklopfen hinaus gehen. Der Wortstoffhof – ein absolutes MUSS für Zeitgenossen, die mit dem Wertstoff Wort umgehen und das Spiel mit diesem wertvollen und geschmeidigem Material lieben. Sollten dem Leser des Wortstoffhofes lachhalber die Tränen und der Schweiß über die Wangen laufen, so empfehle ich das Kapitel „Gästekühlschrank“ zur Abkühlung.

Axel Hacke: Wortstoffhof
Verlag Antje Kunstmann, ca. 20.- Euro