Zwischen Kirk und Kafka – FilmBlogPodcast seit 2006

Das Licht der Zukunft und die Schatten der Vergangenheit

Zero Focus (Zero no shoten)
von Isshin INUDO, Japan 2009

Unseren Festivalabschluss fanden die üblichen Verdächtigen mit dem Kriminaldrama Zero Focus, das Remake eines (uns allen leider unbekannten) Filmes von 1961, beides wiederum die Verfilmung eines Romans von Seicho Matsumoto.

Japan in seiner Version des Wirtschaftswunders einige Jahre nach dem 2. Weltkrieg. Kenichi, der aufstrebende Angestellte einer Werbefirma, heiratet. Es handelt sich um eine arrangierte Ehe, die beiden jungen Leute mögen sich, aber sie kennen einander kaum. Kurz darauf tritt Kenichi eine Dienstreise an – und verschwindet spurlos. Seine junge Frau Teiko reist an den Ort seines Verschwindens und beginnt dort, die Vergangenheit ihres Mannes zu rekonstruieren. Eine entstellte Leiche wird gefunden. Ist es Kenichi? Kenichis Bruder scheint etwas zu wissen, doch kurze Zeit später ist auch er tot. Teiko trifft auf einen reichen, herrischen Firmeninhaber und dessen rätselhafte Frau Sachiko, die Kenichi offenbar sehr gut gekannt hat. Zu gut? Ein dritter Mord geschieht. Teiko begreift, dass ihr neuer Ehemann ein völlig Fremder für sie war. Als sie dann nicht ablässt, diesen Fremden in ihrem Herzen kennenlernen zu wollen – sei er nun bereits tot oder nicht -, zerrt sie damit eine Vergangenheit ans Licht, die andere um jeden Preis vergessen wissen wollen.

Aus Zero Focus

Wir empfanden – aus verschiedenen Gründen und mit sehr unterschiedlichen leichten Einschränkungen – Zero Focus als recht passenden Abschluss unserer Festivalteilnahme. Der Film ist nicht nur ein sehr gemächlicher, pathetischer und bild-schöner Kriminalfilm Noir, er ist zugleich auch die Geschichte einer Generation von Frauen, die in einem Land, dessen Schickal als besiegte, teilweise zerstörte und völlig demoralisierte Nation unserer eigenen Nachkriegsgeschichte nah verwandt ist, ums Überleben kämpfen musste.

In zweierlei Hinsicht waren wir uns einig: dass die Ausstattung des Filmes überragend und dass die Abspannmusik völlig deplatziert war. Danach gingen die Meinungen auseinander. Alles weitere im Podcast!

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Ciprian von Negativ ordnet Zero Focus historisch ein:

„Zero Fokus ist aber gleichzeitig ein Epochenbild. Mit Archivaufnahmen anfangend, dokumentiert der Film das Japan nach dem zweiten Weltkrieg, die Verhältnisse zwischen Männern und Frauen im Mittelpunkt. Parallel zu Teikos Suche nach Klarheit bezüglich des Todes und Lebens ihres Mannes kandidiert in Kamazawa zum ersten Mal in der japanischen Geschichte eine Frau als Bürgermeister. Kräftig unterstützt wird sie von Sachiko (Miki Nakatani, Memories of Matsuko), eine der zwei Frauen, die mit Teikos Ehemann durch ihr Schicksal in den Jahren nach dem Krieg verbunden waren. Während er als Polizist Frauen verhaften sollte, die mit amerikanischen G.I.s gegen Entgelt sexuelle Verhältnisse pflegten, arbeiteten diese zwei Frauen genau in dieser Branche.“