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Der gute Mensch von New York City: „A Most Violent Year“

A Most Violent Year © 2014 Universum


Heute eine Sofa-Ausgabe über Ehrlichkeit und Erfolg, Gewalt und Moral: Tom und Thomas haben sich zuhause Oscar Isaac und Jessica Chastain in „A Most Violent Year“ angeschaut. Es dauerte etwas, bis wir begriffen haben, dass die Gewalt im Filmtitel sich nicht (in erster Linie) auf die Filmhandlung bezieht sondern auf die heruntergekommene Stadt, die 1981 eines ihrer düstersten Jahre erlebt hat. (Mehr dazu hier und hier) Zurück zu J.C. Chandors Film: Regisseur und Drehbuchautor Chandor erzählt brillant eine intelligente und unerwartete Geschichte, die sehr wenig Gewalt zeigen muss, um vom Wesen der Gewalt zu erzählen. Dazu Sujets zwischen Eleganz und Verfall und perfekte Lichtstimmungen – every frame a painting. Mehr Details im Podcast :-)


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken (Direkter Download der Episode über rechte Maustaste) 

A Most Violent Year
USA 2014, 125 Min., Regie: J.C. Chandor


Andere Menschen,
andere Meinungen

„A Most Violent Year ist eine packende, intensive Milieustudie, ein fast aus der Zeit gefallener Film, der an das große Schauspielkino der 1970er und frühen 1980er Jahre erinnert. Keine leichte Kost, aber ein Pflichtbesuch für jeden Cineasten.“ Laurenz Werter (kino-zeit)

„Aber all die schönen Bilder, die elaborierte Kameraführung und das perfekte Licht zeugen in A Most Violent Year nicht von Selbstverliebtheit à la Anton Corbijn. Sie dienen vielmehr dazu, uns Zuschauer vor allzu einfachen Schlüssen zu bewahren. Früher war alles besser, scheint der Retrolook uns einzuflüstern. Eben nicht, halten Filmtitel und Sujet dagegen. Die Geschichte mag für uns leicht nachvollziehbar sein, eigentlich zeigt uns J.C. Chandor aber eine ungeheuer komplexe Situation. Keine Figur ist hier definitiv Held oder Antagonist, keine Frage endgültig mit ja oder nein zu beantworten, kein Problem durch eine simple Lösung zu befrieden.“ cutrin (filmosophie.com)

„Die Verfolgungsjagd, auch die Pistole, mit der man eher droht als schießt, auf deren Gebrauch mit aller Macht verzichtet werden will, und die Schüsse, die damit umso definitiver, umso gravierender fallen, stehen – und darin steckt möglicherweise auch ein emanzipatorisches Potenzial in A Most Violent Year – in einem buchstäblich existenziellen Licht.“ Lukas Stern (critic.de)

„Der Film ist auch die Untersuchung seines Protagonisten: immer weiter treibt Chandor ihn die Enge, nur um ihm seelenruhig dabei zuzusehen, wie das Umsichschlagen heftiger wird. Und wie lange er noch Morales bleiben wird können.“ Florian Krautkrämer (Daumenkino)

„„A Most Violent Year“ ist in einer bedrohlichen, schwelenden Ruhe erzählt und trotzdem fühlt der Film sich straff und gerafft an, da Chandor den Handlungsstrudel nicht als repetitiven Kreislauf, sondern als unerbittlich an Protagonist Abel zerrende Abwärtsspirale inszeniert. Mit jeder weiteren Entwicklung verschärft sich seine Lage und der Film zieht enormen Trieb aus der vibrierenden Vorahnung von Eskalation, die sich durch die Dialoge, die Bilder und die ausgezeichnete Musik von Alex Ebert abzeichnet und die scheinbar unaufhaltsam auf einen breaking point zusteuert: wann gibt Abel seine Prinzipien auf, wann wird er Teil der Gewalt und der Kriminalität, statt sich ihrer Auswüchse entwinden zu können …“ Flynn Hardy (Cellurizon)