THE BOSTON STRANGLER: Interpretation eines Frauenmörders

Tony Curtis als Albert DeSalvo © 1968 20th Century Fox

Tony Curtis als Albert DeSalvo © 1968 20th Century Fox

Folge 1392 – Richard Fleischer ist ein Regisseur, der nie wirklich berühmt wurde – im Gegensatz zu einigen seiner Filme wie zum Beispiel 20.000 MEILEN UNTER DEM MEER oder SOYLENT GREEN. Thomas und Gast Patrick Torma von journalistenfilme.de haben sich THE BOSTON STRANGLER ausgesucht. Die Verfilmung einer wahren Kriminalgeschichte. 13 Frauen wurden im Raum Boston in den 1960er Jahren vom „Boston Strangler“ ermordet. Bereits 1966 erschien ein Buch von Gerold Frank und schon 1968 der darauf basierende Film von Fleischer. Ein kurzer zeitlicher Abstand – mit Folgen. Der Mörder schien gefunden, aber vieles war noch nicht geklärt.

Und so ist THE BOSTON STRANGLER mehr eine Interpretation als eine möglichst akkurate Wiedergabe eines echten Falls (wie zum Beispiel Finchers ZODIAC). Albert DeSalvo (Tony Curtis) wird gezeigt als ein Mörder mit Persönlichkeitsstörung, der erst in den Vernehmungen der Polizei ahnt, dass in ihm der Mörder steckt.

Erst einmal nimmt sich der Film die Zeit, die mühsame und wenig erfolgreiche Ermittlungsarbeit zu zeigen – gerade hier wird sichtbar, dass der Film aus einer Zwischenzeit stammt: Die 1950er mit ihrem klaren Weltbild sind vorbei, es ist zu spüren, dass die Welt sich ändern wird, aber die „Revolutionen“ kommen erst noch. Die Polizisten (stark: Henry Fonda und George Kennedy) sind die Soldatengeneration des Zweiten Weltkriegs. Jetzt ist der Feind viel schwerer zu erkennen und zu finden.

Im Podcast diskutieren wir die Stärken und Schwächen des Films, besprechen die Aufteilung des Films in zwei doch sehr unterschiedliche Hälften und Patrick erklärt en detail die beeindruckenden Split Screens.

Hier der Beitrag von Patrick zur Serie BOSTON STRANGLER (2023) über die Journalistin Loretta McLaughlin, deren Recherchen die Frauenmorde ans Licht der Öffentlichkeit holte.


Folge 1392
Patrick und Thomas sprechen über THE BOSTON STRANGLER
Länge: 02:03:29


Über unseren Gast

Der Journalist und Buchautor Patrick Torma hat sich in seinem sehr empfehlenswerten Blog und Podcast journalistenfilme.de intensiv mit der Darstellung der Reporter und Reporterinnen im Kino auseinandergesetzt. Patrick ist besonders lieber Gast von SchönerDenken. Hier alle Episoden von SchönerDenken, bei denen Patrick zu Gast war – und er ist Gastgeber für Thomas im eigenen Podcast. Hörtipp: Die Folge zu ZODIAC. Lesetipp: Patricks Buch SCOOPS, SKANDALE, SENSATIONEN mit Besprechungen von 50 Journalistenfilmen.

Patrick Torma, Foto: Camillo Wiz

Patrick Torma, Foto: Camillo Wiz


Über Richard Fleischer

Richard Fleischer gehört zu den Regisseuren, deren Filme berühmter sind als sie selbst. Vier Jahrzehnte hat er in Hollywood gearbeitet und dabei sehr verschiedene Genres bedient. Zu seinen Werken gehören unter anderem DIE WIKINGER mit Kirk Douglas, CONAN DER ZERSTÖRER und RED SONJA, der aufwändige Abenteuerfilm 20.000 MEILEN UNTER DEM MEER, DOCTOR DOLITTLE, der Kriegsfilm TORA! TORA! TORA! und der dystopische und erschreckend aktuelle Science-Fiction-Film SOYLENT GREEN. Unter dem Titel „Soylent Screen“ widmen wir uns in unregelmäßigem Abständen diesem SF-Meilenstein. Richard Fleischer starb im Alter von 89 Jahren vor 20 Jahren – am 25. März 2006 – in Los Angeles.


Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Quelle: SchönerDenken
Bild: © 1968 20th Century Fox
Musik: Johannes Klan


The Boston Strangler
USA 1968, 116 Min., Regie: Richard Fleischer
basierend auf dem Buch „The Boston Strangler“ von Gerold Frank aus dem Jahr 1966


Trailer von 1968


Weiterlesen

„It is important to remember that, as the film accurately portrays, Albert DeSalvo was never criminally convicted for any of the Boston Strangler killings. Rather F. Lee Bailey negotiated a plea bargain in return for DeSalvo’s confession and DeSalvo was instead jailed for life on charges of sexual assault and robbery. After serving six years of his jail term, DeSalvo was stabbed and killed by a fellow inmate in 1973. Several years after the incident, a number of speculations emerged that DeSalvo was not the Boston Strangler – many of the details of his confession do not match and he later recanted the confession anyway – and it was believed that he was an egotist who sought the notoriety of the crime. In 2001, DeSalvo’s family in conjunction with the family of victim Mary Sullivan petitioned the courts to have DeSalvo’s body exhumed so that his DNA could be tested against the Sullivan crime scene. The results showed a negative match, meaning that there was no corroborating evidence, outside of Albert DeSalvo’s retracted confession, that he was the Boston Strangler.“
Moriareviews.com

„Die Journalistinnen Loretta McLoughlin und Jean Cole veröffentlichten nach dem Mord an Patricia Bissette eine vierteilige Artikelreihe über die Verbrechensserie, die Boston seit dem Sommer 1962 erschütterte. Die Polizei hegte, wie gesehen, noch begründete Zweifel, ob wirklich derselbe Täter alle sieben Morde begangen hatte. Die Reporterinnen waren anderer Meinung. Durch die Straßen von Boston streifte ein Monster, das es an Gefährlichkeit mit dem berüchtigten »Jack the Ripper« aufnehmen konnte. McLouglin und Cole tauften den unheimlichen Mörder auf einen Namen, der für immer haften bleiben sollte: »Boston Strangler«.“
Richard Deis für true-crime-story.de

Nachruf auf Richard Fleischer in epd Medien 2006